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Kultur Regional Nach Rundgang-Protest: HGB-Studenten stellen ab Freitag auf dem Leipziger Spinnereigelände aus
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18:39 16.05.2019
Drei Mal MEHRZAHL: Margarita Kalinovska (v.l.) mit ihrem Bild „Geburt“, Victoria Welsch („Lichtlinien“) und Martin König von Lossa („Schwalbe“). Quelle: André Kempner
Leipzig

Baugerüste schieben sich auf Rollen durch die Gänge, Bilder stehen in unterschiedlichen Formaten bereit, ein verwaister Staubsauger wartet am Eingang, während die Namen der Mitwirkenden an der Wand befestigt werden: Die Werkschau-Halle 12 auf dem Spinnereigelände lässt am Mittwoch den Schauwert der Ausstellung MEHRZAHL erst erahnen, die am Freitagabend eröffnet.

Sebastian Schmidt, 21, ursprünglich aus dem Schwarzwald, sitzt noch über einem Scherenschnitt. Das Bühnenbild möchte der Student der Malerei Freitagabend mit Gesichtsprothese verkleidet in einer Performance beleben.

Sebastian Schmidt bereitet seine Performance am Premierenabend vor. Quelle: André Kempner

Raum für viele individuelle Facetten

In einer anderen Ecke der Halle stellt Stephan Kopiczinski kleine Skulpturen auf. Ursprünglich gebaut, um sie zu fotografierten, entwickelten die 600 Figuren ein Eigenleben und wurden Teil seiner Diplomarbeit 2017. Eigentlich gedacht, einen ganzen Raum auszufüllen, würden sie sinnbildlich für ein gesellschaftliches Porträt stehen, sagt er.

„Je mehr Figuren da sind, desto mehr individuelle Facetten kann ich zeigen.“ Dafür beschränkt er sich auf circa 35, zahlreiche individuelle Facetten werden Besucher dennoch nicht missen.

Gruppe zeigt jahrgangs- und klassenübergreifend Arbeiten

„Der Name MEHRZAHL verdeutlicht, dass wir eine große Gruppe von Studierenden sind“, erklärt Margarita Kalinovska. Sie studieren allesamt an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB). Das Besondere sei, dass selbst Leute aus dem Grundstudium dabei sind, ergänzt Victoria Welsch.

„Wir sind kein elitärer Kreis von Leuten, die bald das Diplom machen. Deshalb war es auch nicht einfach, weil die Arbeiten natürlich total verschiedene künstlerische Positionen zeigen. Der Reiz war es, das zusammenzubringen.“

Gemeinschaftsausstellung nach Protest bei HGB-Rundgang

Zusammen mit einer Mitstudentin hatte die 22-jährige Kalinovska die Idee zur Ausstellung. Sie studierte zuvor in der Burg Giebichenstein in Halle und sammelte dort Erfahrungen im gemeinschaftlichen Ausstellen. Als es den Studenten am Anfang des Jahres nicht möglich war, ihre Bilder zu zeigen, kam sie darauf zurück.

Der traditionelle Rundgang in der HGB fand zwar Mitte Februar statt, zu sehen, gab es aber nichts: Statt der Kunst der Studenten erwarteten die Besucher leere Räume und gesprächsbereite Uni-Angehörige. Ein Protest gegen Mittelkürzungen und Zielvorgaben der sächsischen Hochschulpolitik, der weh tat, aber von vielen für notwendig gehalten wurde.

Das knappere Hochschulbudget spürten Malereistudenten, erzählen sie, etwa dadurch, dass künstlerische Mitarbeiter wegfielen oder es keine Exkursionen gab, andere Bereiche wiederum müssen sich mit veralteter Technik begnügen.

42 Studierende zeigen über 100 Arbeiten

„Wir wollen uns auf keinen Fall dagegen positionieren“, sagt Kalinovska klar. Der Anreiz, etwas selbst zu machen, sei aber durch diese Situation gestiegen. MEHRZAHL gründete sich im April. 42 Studierende sind es aktuell, sie zeigen über 100 ihrer Arbeiten. Deren Schwerpunkt liegt auf Malerei und Grafik.

Viel Zeit, um Sponsoren zu finden, hatten sie nicht, zwei immerhin sagten zu. Auch der Freundeskreis der HGB will die jungen Ausstellungsmacher unterstützen. Dennoch zahlte jeder einen Beitrag, um Miete, Plakate und Flyer oder auch die Musiker für die Eröffnung zu finanzieren. Dank der großen Gruppe war das möglich.

Etwa 35 der 600 Figuren aus „Skulptur & Spiel“ von Stephan Kopiczinski werden in Halle 12 zu sehen sein. Quelle: André Kempner

Nachwuchskünstler beginnen mit großer Werkschau

„Es ist ungewöhnlich für Studenten, eine Ausstellung auf 900 Quadratmetern zu machen. Wir haben diese Gelegenheit dank unserer Professorin Annette Schröter und Tobias Fischer von der Spinnerei erhalten“, sagt Kalinovska.

Für die Studenten war es eine Möglichkeit, erste praktischen Erfahrungen beim Organisieren einer solchen Ausstellung zu sammeln: Arbeitsgruppen wurden gebildet, allein das sechsköpfige Kuratorenteam verbrachte Wochen, die Ausstellung zu einem Ganzen zusammenzufügen. Das Holz-Modell, nach dem sie die Halle aufgeteilt haben, ist jetzt auf den Plakaten zu sehen.

Aufbau in der Werkschauhalle. Mehr als 100 Arbeiten werden in der 900m² Halle installiert. #spinnereileipzig #kunstinleipzig #ausstellungleipzig #werkshauhalle

Gepostet von Mehrzahl - Ausstellungsplattform für Malerei und Grafik am Donnerstag, 16. Mai 2019

Dynamik der Gruppe soll Publikum anstecken

„Es hat ganz andere Austauschmöglichkeiten gegeben: Wir hatten sonst keinen großen Kontakt mit den anderen Klassen, jeder hat sein eigenes Ding gemacht hat“, beschreibt Victoria Welsch. „Es ist eine tolle Dynamik entstanden“, findet auch Martin König von Lossa: „Es wäre großartig, ein sehr breites Publikum mit junger Kunst aus Leipzig anzusprechen. Und so vielleicht auch Leute zu erreichen, die nicht aktive Kunstmuseumsgänger sind. Es wäre einfach schön, diesen Leuten ein kleines Fenster zu öffnen.“

Auch deshalb haben sie sich für die Vernissage nicht für einen Musiker entschieden, sondern ein Programm mit anschließender Party bis in die Nacht – mit Jazz, Funk oder auch House und Breakbeat entschieden.

Ausstellung läuft bis zum 26. Mai

MEHRZAHL, Ausstellung vom 17. bis 26. Mai, Werkschau-Halle 12, Spinnereistraße 7; Vernissage und Party am Freitag ab 17 Uhr. Weitere Öffnungszeiten: 18. Mai, 12–18 Uhr; 21. und 22. Mai, 12– 20 Uhr; 23. bis 26. Mai, 12–18 Uhr. Die Reihe soll fortgesetzt werden.

Beteiligte KünstlerInnen: Franziska Bandur, Shirin Barthel, Silke Berg, Alan Biehlig, Christian Bode, Evij, Stephan Gerstmann, Luna Haser, Arina Heinze, Julia Hochbaum, Nick Horter, Lucas Kaiser, Margarita Kalinovska, Soo Jie Kang, Marvin Ketteniß, Falko Kitsche, Jooris Kletting, Carina Klinkhammer, Elena Kovylyaeva, Martin König, Dorothee Liebscher, Karl Lobo, Vincent Meier, Larissa Mühlrath, Julia Müller, Leni Pohl, Robert Rudat, Nele Sandner, Sebastian Schmidt, Philipp Stöckel, Hella Stoletzki, Lena Stühmeier, Anna Tishchenko, Johannes Unger, Allistair Walter, Victoria Welsch, Kai Wildermann, Paul Leonard Wilting und Hanna Wirtz.

Von Manuel Niemann

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