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Kultur Regional Nach dem Tod von Hieronymus Wachter: Bruder Tobias führt das Vermächtnis weiter
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17:06 28.08.2019
Führt das Vermächtnis seinen Bruders weiter: Galerist Tobias Wachter mit Victoria Hilberg. Quelle: Kempner
Leipzig

Er genießt es, für ein paar Minuten in die Augustsonne kommen zu können. Tobias Wachter ist neben den Vorbereitungen der nächsten Ausstellung mit Aufräumarbeiten im Keller beschäftigt. Es gibt viel zu tun. Er hat die Galerie am Dittrichring von seinem Bruder Hieronymus Wachter übernommen, der im Winter beim Aufhängen eines Bildes von der Leiter stürzte und an den Verletzungen verstarb.

Tobias Wachter stellt sich dem Vermächtnis und führt die innerstädtische Galerie Irrgang weiter.

Obwohl auch Tobias Wachter seit vielen Jahren in Berlin im Kunsthandel tätig ist, war es keinesfalls von Beginn an klar, dass er in Leipzig die Galerie Irrgang fortführen würde. Doch der Mietvertrag wäre frühestens ab Juli kündbar gewesen, auch gab es schon Absprachen für diverse Ausstellungen, so die gerade beendete mit Malerei von Doris Ziegler.

„So etwas aufzugeben, wäre nicht gut“

Zunächst aber wurde eine Gedenkausstellung für Hieronymus Wachter mit Stammkünstlern der Galerie organisiert. „Die Resonanz war so gut. Ich konnte dabei viele der Sammler kennenlernen, die jahrelang der Galerie treu waren. Ich dachte dann für mich, so etwas aufzugeben, wäre nicht gut.“ Auch die folgenden Ausstellungen liefen erfolgreich. Also ein guter Grund weiterzumachen. Präsentationen von Volker Stelzmann und Rolf Münzner werden bald folgen, auch diese noch von Hieronymus Wachter konzipiert.

Hieronymus Wachter starb nach einem Sturz. Quelle: Tobias Wachter / Galerie Irrgang

Irrgang ist die einzige in der Innenstadt verbliebene Galerie. Zwar gibt es einige Meter weiter noch Koenitz, aber diese hat ihr Ausstellungsprogramm zugunsten des Dienstleistungsbetriebs stark reduziert. Die genannten Namen von Künstlerinnen und Künstlern verdeutlichen, dass ein klarer Schwerpunkt von Irrgang auf der sogenannten Leipziger Schule liegt, also auf figurativer Malerei und Druckgrafik. Wird sich das nach dem Auslaufen der langfristigen Planungen ändern?

„Einen wirklichen Umbruch wird es nicht geben“

„Einen wirklichen Umbruch wird es nicht geben. Mit den etablierten Künstlern wird weiterhin zusammengearbeitet. Der zweite Aspekt der Galeriearbeit ist aber das Entdecken junger Künstler.“ Die gerade eröffnete Ausstellung ist die Fortsetzung einer Reihe mit eben solchen Neuentdeckungen. Doch der Einzugsbereich erweitert sich. „Ich habe einen anderen Hintergrund, mein Blick auf Kunst ist insgesamt etwas größer.“ Das müssen nicht unbedingt neue Talente sein, sondern auch Wiederentdeckungen bereits verstorbener Künstler.

Vor allem aber möchte Tobias Wachter auch immer wieder seine Berliner Erfahrungen in die Galeriearbeit einfließen lassen und dortige Positionen wie auch internationale in Leipzig vorstellen. Bei den bisherigen Ausstellungen unter seiner Regie hat das schon gut funktioniert, Leipziger Sammler haben positiv reagiert.

Leipzig als Kunststadt interessanter als Berlin

Ist es nun ein Unterschied, in der Hauptstadt oder in Leipzig eine Galerie zu führen? „Ein Wahnsinnsunterschied“ sagt Wachter ohne Zögern. „An guten Freitagen gibt es in Berlin 80 bis 90 Vernissagen. Die Stadt ist international. Viele Galerien aus der ganzen Welt haben da Standort.“ Das klingt zunächst negativ bezüglich des Images des im Vergleich doch eher beschaulichen oder gar provinziellen Leipzig. Doch Tobias Wachter sieht darin einen Vorteil: In Berlin in der riesigen Masse wahrgenommen zu werden, sei ausgesprochen schwierig. Auch das Verhältnis der Sammler zu den Galeristen und den von ihnen vertretenen Künstlern sei in Leipzig intensiver. Und den eigentlich statistisch nachgewiesenen Unterschied in der Kaufkraft kann er in der täglichen Praxis nicht erkennen. „Das Bewusstsein, Kunst sammeln zu wollen, ist hier viel engagierter und zielgerichteter. Das ist schon in den 70er , 80er Jahren so entstanden. Das macht Leipzig als Kunststandort sogar interessanter als Berlin.“

Ziemlich schnelle Ausstellungsfolge

Es geht zum Glück also intensiv mit einer ziemlich schnellen Ausstellungsfolge weiter in dieser innerstädtischen Galerie, deren Namensherkunft auch Tobias Wachter nicht ganz eindeutig offenlegen möchte. Jedenfalls gab es keinen vorherigen Inhaber namens Irrgang.

Junge Kunst in Leipzig; Galerie Irrgang, Dittrichring 6; bis 14. September, Di-Fr 12-19 Uhr, Sa 12-16 Uhr

Von Jens Kassner

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