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Kultur Regional Nach der Apokalypse: „Dunkles Land“ in der Kulturfabrik
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13:09 14.06.2019
Der Zeitgeist ist finster: In ihrem diesjährigen Jugendtheaterprojekt „Dunkles Land“ entwerfen Cammerspiele und Werk 2 eine Geschichte, die nach der Apokalypse spielt. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Die Jugend sieht heutzutage schwarz, wenn es um die Zukunft geht. Nicht nur auf den Fridays-for-Future-Demos, sondern auch auf dem Theater ist das Morgen nur ein dunkler saugender Mahlstrom, der die Menschheit in die Post-Apokalypse stürzt. Etwa im Jugendtheaterprojekt „Dunkles Land“ der Cammerspiele und des Werks 2, das in der Regie von Susann Schreiber in der Halle D der Kulturfabrik am Donnerstag Premiere feierte. Schon der Programmzettel mit NASA-Studien zum Ende der Menschheit und Forderungen der jungen Klimabewegung zeigen da in eine eindeutige Richtung.

Für ihr Theaterszenario haben sich die sechs jugendlichen Spieler aber eher an den üblichen Zombie-Apokalypsen denn dem Klima-Untergang orientiert. Der wirtschaftliche Wettlauf der Stromkonzerne hat zu zwei internationalen Oligopolen geführt, und im kapitalistischen Überschwang zerstört der chinesische Konzern mit einer elektromagnetischen Superbombe alles Elektrische auf dem ganzen Planet. Auch die Sonne verdunkelt sich, und zudem jagen kannibalistische Teufelsanbeter die letzten Überlebenden, um sie zu verspeisen. Gute Nacht. Ständig auf der Flucht begleiten die Zuschauer nun eine bunt zusammengewürfelte Jugendgruppe durch die postapokalyptische Ödnis.

Jugendlicher Weltschmerz gepaart mit existenzialistischen Fragen

In kleinen Szenen erinnern sich die fünf Spielerinnen und ein Spieler an ihre verlorene Vergangenheit und Kindheit, an Nachtlicht, iPhone und Eierkocher. Zudem loten sie aus, ob sich der Glaube an einen Neuanfang, an ein Nach der Post-Apokalypse lohnt oder man sich eigentlich gleich erschießen kann, denn welchen Sinn hat es sich angesichts des ganzen Mists eigentlich noch zu leben. Jugendlicher Weltschmerz paart sich mit den großen Fragen des Existentialismus. Und wenn jemand einen Arm im Kampf gegen die Monster draußen verliert, dann ist das ein gutes Zeichen, schließlich ist man wieder ein Stück Vergangenheit los, die ohnehin nur belastet, weshalb man auch alle alten Namen vergessen sollte und sich besser neue gibt wie Rambo oder Rocky.

Dazu liefert Dominic Weiß als weiser DJ den entsprechenden Soundtrack, der zumeist aus aktuellen Popnummern besteht – und Elton Johns „Candle in the Wind“. Allerdings bietet der etwa einstündige Abend auch einige Längen, die durch eine konsequentere Regie zu vermeiden gewesen wären. Immer wieder verlieren sich gut aufgebaute Energielevel in zu langen Dunkelphasen oder ewigen Musikeinsätzen.

Den Jugendlichen ist es aber offensichtlich ernst und sie sind mit vollem Einsatz dabei, wenn sie mit Dreck und Kunstblut verschmiert in dicken Mänteln mal melancholisch über die Bühne streifen oder aber elektrisiert herumspringen, um ein gefundenes iPhone zu greifen, das als eine Art einzige Nabelschnur zu besseren Vergangenheit erscheint – ganz gleich ob es real oder imaginiert ist. Elektronik als finaler Lebenssinn. Na, denn.

Weiterer Termin Freitag, 14. Juni, 19 Uhr, Werk 2, Halle D, Kochstraße 132, Eintritt 9/5 Euro

Von Torben Ibs

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