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Kultur Regional Neuer Verein „Leipziger Liederszene“ soll die Energie der Stadt bündeln
Nachrichten Kultur Kultur Regional Neuer Verein „Leipziger Liederszene“ soll die Energie der Stadt bündeln
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13:53 30.01.2019
Musiker, einstiger Festivaldirektor und jetzt Vereinsgründer: Ulrich Doberenz.
Musiker, einstiger Festivaldirektor und jetzt Vereinsgründer: Ulrich Doberenz. Quelle: Archiv
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Leipzig

Vor Jahresfrist gab es in der Halle D des Werk 2 ein Konzert anlässlich der Veröffentlichung einer DVD nebst Buch zum Thema „Leipziger Liederszene – Die 1980er Jahre“. Zur Überraschung der Macher war der Club komplett ausverkauft, die Menge tobte. Im Januar gründete sich nun der Leipziger Liederszene e.V. An dessen Spitze steht mit Ulrich „Uli“ Doberenz, Musiker bei den Folkländern sowie „Die Sieben Leben“ und seit kurzem Rudolstadt-Folk-Festivaldirektor a.D., ein Mann, der mit Recht ein Szene-Urgestein genannt werden darf – und nun ein rastloser Ruheständler ist.

Wahrscheinlich überrascht es kaum jemanden, dass wir kurz nach dem Ende der Ära Rudolstadt schon wieder über neue Projekte reden. Wer steht hinter dem taufrischen Verein?

Er besteht zunächst aus den für eine Gründung notwendigen sieben Leuten. Es sind bekannte Akteure wie Jürgen B. Wolff oder die Sängerin Susanne Grütz dabei, aber auch vergleichsweise wenig bekannte Namen wie etwa der Schauspieler und Sänger Fabian Quast, Sohn von Odwin Quast, der sich in den 80ern um die Liederszene in Leipzig sehr verdient gemacht hat.

Was ist das Ziel?

Nach dem überwältigenden Erfolg des Konzertes im Werk 2 gab es schnell den Wunsch nach Wiederholung. Und weil es sich so besser kommuniziert, organisiert und akquiriert, haben wir einen Verein in Leben gerufen. Am 8. Februar steigt an gleicher Stelle die zweite Auflage dieser Veranstaltung. Wir haben fünf starke Acts am Start, vom Solisten bis zur Band, von derb-humorig bis besinnlich-poetisch. Darüber hinaus wollen wir eine regelmäßige Veranstaltungsserie im Horns Erbens initiieren. Einmal im Quartal wird es einen Liederabend geben, bei dem ein neues Gesicht auf einen erfahrenen alten Hasen – gern auch eine Häsin – trifft. Wir starten am 8. März mit Selma Reuß aus Leipzig, die sich die Bühne mit Jörg „Ko“ Kokott, bekannt von der Band Wacholder, teilen wird. Ähnlich spannend sind die Konstellationen an den drei folgenden Abenden im Jahr.

Termine

Freitag, 8. Februar

20 Uhr: Maria Schüritz & Band, Susanne Grütz & Band, The But, Duo Sonnenschirm, Tobias Klug, Moderation: Meigl Hoffmann – Werk 2, Halle D, Kochstraße 132, Vorverkauf 22,45 Euro

Freitag, 8. März

20 Uhr: Jörg „Ko“ Kokott & Selma Russ im Horns Erben, Arndtstraße 33

Freitag, 10. Mai

20 Uhr: Antoinette & Holzmann sowie Jan Frisch im Horns Erben

Freitag, 27. September

20 Uhr: Wilhelm & Emilia Wernicke im Horns Erben

Freitag, 29. November

20 Uhr: Fabian Quast & Karl die Große im Horns Erben

Ein Veranstaltungsverein also.

Nicht nur. Wir werden ein Archiv aufbauen und nutzbar machen. In erster Linie digital auf unserer Homepage, die gerade gebaut wird. Wir wollen alles sammeln, was in Leipzig in diesem Genre gedruckt, eingespielt oder gefilmt worden ist. Es war ja eine Menge los in dieser Stadt. In den 80ern waren mehr als 60 Liedermacher und Gruppen unterwegs. Wir konnten, wenigstens in diesem Punkt, Ostberlin den gewohnten Nummer-1-Status ernsthaft streitig machen und räumten bei den jährlichen Chansontagen in Frankfurt/Oder regelmäßig Preise ab.

Nach dem Umbruch wurde es nach kurzer Blüte aber rasch ruhig.

Eine Zäsur war zweifellos Ende 1993 die Schließung des HdV (Anmerkung der Redaktion: „Haus der Volkskunst“ am Lindenauer Markt, damals Szenezentrum; nach zehn Jahren Umbau zog das Theater der Jungen Welt in das Gebäude). Da brach uns ein Kristallisationspunkt weg. Alles verlief sich ein wenig. Aber viele der damals Aktiven sind das noch heute. Darüber hinaus gibt es eine wachsende, hoch interessante Szene aus jungen und sehr jungen Leuten. Eigentlich ist das schon die zweite Generation seit den 80ern, einige betreue ich in meinem Löwenzahn-Verlag.

Sie sehen hier besondere Potenziale in dieser Stadt?

Wenn ich nur an Erik Manouz, Karl die Große, Sarah Lesch oder das Duo Byebye denke, scheint mir, als hätten wir gerade einen Boom. Es gibt etliche Initiativen in Leipzig, etwa die Veranstaltungsreihe in der Kulturwerkstatt Kaos oder die Liedertour mit ihrem jährlichen Höhepunkt-Konzert im Brettschneiderpark. Wir wollen diese Energie bündeln und bitten alle Beteiligten, sich bei uns zu melden. Wer will, darf gern im Verein mitarbeiten!

Gibt es eine Zukunftsvision?

Für das Jahr 2020 schweben uns für das Februar-Konzert zwei aufeinanderfolgende Tage vor. Es könnten Workshops angeboten werden für Instrumente und Komposition ebenso wie fürs Texten. Ein Festival also und durchaus noch erweiterbar. Ich denke, die Szene ist groß genug.

Was Doberenz anfasst, wird irgendwann zum Festival?

Ich habe derzeit den Vorsitz im Verein. Ich will mich da aber nicht festsetzen, sondern die Sache lediglich anschieben und schon bald den Platz für Jüngere räumen.

Kontakt zum Verein: info@loewenzahn-verlag.com

Von Lars Schmidt