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Kultur Regional Neues Cellokonzert bei Festival in Dresden uraufgeführt
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22:42 19.05.2019
Uraufführung der „Drei Kontinente " mit Jan Vogler und dem WDR-Orchester unter der Leitung Cristian Macelarus. Quelle: Oliver Killig
Dresden

Um Visionen geht es bei den Dresdner Musikfestspielen, und da sind unbedingt heutige Komponisten zu befragen. Die Idee des Festspielintendanten und Cellisten Jan Vogler, sich ein neues Cellokonzert schreiben zu lassen, das Perspektiven aus drei Kulturen vereint, ist ungewöhnlich und mutig, da der Instrumentalist Vertrauen und Neugier äußert, sich aber gleichzeitig der Uraufführung-Verantwortung stellt. Komme was, da kommen wolle.

Drei Komponisten - drei Sätze

Zusammengesetzt wurde das neue Werk von Nico Muhly, Sven Helbig und Zhou Long in den letzten Tagen in Köln beim WDR Sinfonieorchester, das nun mit der Uraufführung und weiteren Werken im Dresdner Kulturpalast gastierte. Die Leitung übernahm der Rumäne Cristian Macelar, der designierte Chefdirigent des Klangkörpers, der gleich zum Einstieg ein weiteres Stück zeitgenössische Musik mitbrachte: Gabriella SmithsField Guide“, ein sozusagen mit dem Feldstecher komponiertes Stück, das alle möglichen Geräusche und Farben aus Wald und Flur auf ein Sinfonieorchester projiziert.

Die traditionsreiche Kernkompetenz der Selbstverständlichkeit beim Umgang mit Neuem beim WDR Sinfonieorchester ist damit bewiesen. Und sie ist danach im Cellokonzert gleich dreifach zu bewundern, wobei jeder Komponist einen in sich abgeschlossenen Satz beisteuert und allen dreien nur die Gesamtidee bekannt war. So bewahrten sich die Komponisten ihre eigene Handschrift, und die Stücke wirken in sich so geschlossen, dass auch eine einzelne Aufführungen denkbar sind.

Auftraggeber gefordert

Ihren Auftraggeber schonen sie nicht, und Jan Vogler muss sich tatsächlich in jedem Satz neu erfinden, da jeder der drei Komponisten andere Qualitäten seines Spiels herauskitzelt. Das ist im ersten Satz, „Cello Cycles“ des US-Amerikaners Nico Muhly (geboren 1981) . eine vielleicht mit dem Wort „verquer“ am besten zu fassende Art einer sinfonischen Suche und damit gleich ein Modell eines so dramatischen komplexen Kopfsatzes, in dem Vogler sich erst einmal aus dem dichten Orchestertutti herausarbeiten musst. Das Dickicht bleibt, als harmonische Basis schimmert beinahe Bach durch, das Ende wirkte zerfasert: Dieser Kontinent gibt sich zerrüttet.

Der Mittelsatz gehört dem Deutschen Sven Helbig (Jahrgang 1968), der mit einer „Aria“ die gesanglichen Qualitäten des Cellos betont und ästhetisch in bekannten Bereichen einer Stimmungen in den Vordergrund hebenden Tonalität bleibt. Allerdings hat es auch hier der Solist ziemlich schwer, sich klanglich durchzusetzen. Das Finale stammt vom in China geborenen Zhou Long (geboren 1953), dessen Musik so viele Einflüsse vereint, dass man seinen „Tipsy Poet“ als polyfolkloristisch bezeichnen könnte. Long begreift das Orchester und auch das Soloinstrument als Spielwiese und richtet auf hohem Niveau eine mit Ereignissen vollgepackte Notenschlacht aus, in der betrunkene Dichter, chinesische Volksmusik und aberwitzige Effekte ihren Platz bekommen. Jan Vogler stürzt sich auch in dieses Abenteuer mit vollem Risiko und höchster Konzentration und wird wie Komponisten und Orchester mit sattem Applaus belohnt.

Ergänzt durch Beethovens Eroica

Einer „Eroica“ hätte es eigentlich nach diesem Input gar nicht mehr bedurft, dennoch freute man sich natürlich über die saftige Interpretation der Sinfonie von Ludwig van Beethoven, mit der Macelaru seine Visitenkarte als künftiger Orchester-Chef abgibt. Überwiegend dramatisch, rasant und theatralisch präsentiert sich dieser neue Kölner Beethoven. In (zu) wenigen Passagen gibt Macelaru seinen Musikern Raum zur, dann aber fällt die Musik meist aus dem Tempo.

Das Konzert wird am 30. Mai um 20.04 auf WDR 3 sowie am 7. Juni um 20.05 Uhr bei MDR Kultur gesendet und wurde auch für den YouTube-Kanal der Musikfestspiele aufgezeichnet.

Von Alexander Keuk

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