Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Neues Team gibt dem Literarischen Herbst in Leipzig ein neues Gesicht
Nachrichten Kultur Kultur Regional Neues Team gibt dem Literarischen Herbst in Leipzig ein neues Gesicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 28.09.2019
Das neue Team: Nils Kahlefendt, Claudius Nießen, Jörn Dege und Anja Kösler (v.l.) organisieren den Literarischen Herbst. Quelle: Gert Mothes
Leipzig

Lesen ist politisch, hat Regula Venske in dieser Woche gesagt. Als Präsidentin des deutschen PEN fordert sie eine Stärkung der Leseförderung und spricht einen wichtigen Punkt an: Veränderung. „An Bildschirmen geschieht dieses Lesen sehr selektiv. Texte in Büchern werden intensiver gelesen und die Inhalte entsprechend besser behalten“, sagt Venske.

Und an diesem Beispiel zeigt sich, wie schwierig es sein kann, den Stand der Erkenntnis mit dem Lauf der Dinge kurzzuschließen, Erbe mit Zukunft. In diesem Sinn stellt nun ein neues Team ein traditionelles Festival auf neue Füße: den Literarischen Herbst, den es – mit Unterbrechungen – seit 1991 gibt.

Neue Reihen

Vom 21. bis 27. Oktober findet er statt, gleich nach der Frankfurter Buchmesse. Ab 28. September steht das Programm im Internet, kann jeder sehen, was Claudius Nießen so ankündigt: „Wir versuchen, so viel wie möglich zu kuratieren“. Wir, das sind mit dem 39-Jährigen Anja Kösler (45), Jörn Dege (36) und Nils Kahlefendt (56). Die Kuratierung umfasst Reihen, Herangehensweisen und Ausdrucksformen.

Das beginnt mit dem Fotografen Sebastião Salgado, der als frisch ausgezeichneter Friedenspreisträger nach Leipzig kommt – eine Tradition des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (am 21. Oktober um 19 Uhr im Alten Rathaus). Und es endet mit „Eins, Zwei, Drei, Tier!“, einem „Zoofest für Kleine & Große“ mit Rotraut Susanne Berner, Nadia Budde, Leonard Erlbruch und Ole Könnecke (27. 10., 16 Uhr, Gondwanaland im Zoo).

Lesungen gibt’s auch

In der Woche dazwischen gibt es einen Debütabend, den „Kriminaldauerdienst“, die Diskussion „Guter Osten, böser Osten“, einen Tag der Bibliotheken mit Vorträgen, drei Abende im „Lyrikhotel“, „Heimatkunde“, „Lesung & feministische Soliparty“, eine Annäherung an „Shared Reading“ sowie die Verleihung des Essaypreises der Literaturzeitschrift Edit mit öffentlicher Jurysitzung und Verleihung. Einfach nur Lesungen kommt natürlich auch vor, unter anderem von Nora Bossong, Tomas Espedal, Rafik Schami, Rüdiger Safranski, David Wagner.

„Sich neu erfinden und gleichzeitig treu bleiben“ – so hat das Team sich vorgenommen. Dafür wird „Leipziger“ im Namen eingespart und der Anspruch einer überregionalen Ausstrahlung betont, die sich Diskurs und Debatte verdanken soll.

Geballte Kompetenz

Am Donnerstag hat die Stadt die Dachmarke „Musikstadt Leipzig“ neu justiert. Sieht man die kommunale Kulturförderpolitik als Mehrfamilienhaus, bekommt die Literatur ihre Räume im Hochparterre. „Außerhalb der Buchmesse sieht es nicht rosig aus, was Literatur angeht“, sagt auch Claudius Nießen.

Er verfügt über Erfahrungen als Organisator und Veranstalter unter anderem der „L3 – Lange Leipziger Lesenacht“ und „Krautgarden“, der Festivals „Montag. Literatur trifft Geschichte“ (2009) und „Literarische Landschaften“ (2015). Letzteres gemeinsam mit Anja Kösler. Sie organisiert im Projektteam „Leipzig liest“ Veranstaltungen außerhalb des Buchmessegeländes und kennt sich aus mit idealen Orten.

Niederländisch-deutscher Literaturaustausch

Weil der Literarische Herbst auch in die Stadtteile getragen wird, gehören nicht nur Klassiker wie Alte Handelsbörse, Deutsche Nationalbibliothek und Literaturhaus dazu, sondern auch das Hostel Blauer Stern und das Ost-Passage Theater.

Jörn Dege hat sich als Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts Leipzig (DLL) ebenso in die Programmplanung eingebracht wie „Bösenblatt“-Korrespondent Nils Kahlefendt als erfahrener Journalist. Alle vier stehen für ein Programm mit Neuerscheinungen und Bestsellern, mit Romanen, Lyrik und Kunst.

Am 22. Oktober (20 Uhr) moderiert Dege im Ost-Passage Theater „Beste erste Bücher. Sechs ausgewählte Romandebüts“ mit Lene Albrecht, Berit Glanz, Kristin Höller, Tom Müller, Désirée Opela und Nadine Schneider. Im DLL kommt es am 23. Oktober zu einem literarischen Austausch NiederlandeDeutschland (20 Uhr). Zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch treffen sich die Fotografen Christiane Eisler, Gerhard Gäbler, Martin Jehnichen und Harald Kirschner im Museum der bildenden Künste: „Das Jahr 1990 freilegen“ (25. 10., 18.30 Uhr).

Hören statt lesen

Wenn sich das interdisziplinäre Campus-Programm „Essay Listening“ in den Räumen der Galerie für Zeitgenössische Kunst der Kunst des Essays widmet, stellen Comicautorin Paula Bulling und Verlegerin Anne König (Spector Books) „Bruchlinien. Drei Episoden zum NSU“ vor, kommt Morgan Jerkins mit ihrer Debüt-Essaysammlung „This Will Be My Undoing“, steckt hinter „Break up with your girlfriend, I’m bored“ eine Performance von Tänzer Luke Francis, Choreograf Francisco Baños Diaz und Musikerin Katharina Merten. Am Abend spielt das Jazz-Avantgarde-Trio „Glotze“ (26. 10., ab 16 Uhr).

Die Eintrittspreise liegen zwischen null und neun Euro. Mit 25 000 Euro fördert die Stadt das Festival, 8000 kommen von der Kulturstiftung des Freistaates. „Damit lässt sich was machen“, sagt Nießen. Planen lässt sich damit kaum. Zur guten alten Tradition gehören eben auch die knappen Ressourcen. Aber: „Wir wollen etwas aufbauen, was über Jahre hält“, schreibt das Team auf der Internetseite.

Leipziger Literarischer Herbst: 21. bis 27. Oktober, Programm und Informationen: www.literarischer-herbst.com

Von Janina Fleischer

Viele seiner Werke hat Albert Lortzing in Leipzig geschaffen. Grund genug, ihm 2026 ein Festjahr zu widmen. Eine Initiative hat nun eine Petition an den Stadtrat eingereicht.

27.09.2019

Es gibt Wörter, die fallen über Jahre kaum auf. Dann plötzlich sind sie in aller Munde. Das kleine „Jetzt!“ scheint sich für länger einzurichten. Eine Glosse von Janina Fleischer

27.09.2019

Wenn Kabarett auf Comedy trifft, Clownerie auf Musikkomödie, dann kommt einiges zusammen. 170 Künstler werden es sein, die bei der 29. Leipziger Lachmesse in 80 Veranstaltungen auf 14 Bühnen der Stadt stehen. Jetzt hat Festival-Chef Frank Berger die Höhepunkte vorgestellt.

26.09.2019