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Kultur Regional Nick Mason im Leipziger Haus Auensee
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16:19 18.09.2018
Nick Mason und Band am Montag im Haus Auensee. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Immer wieder ist da dieses glückliche Lächeln im Gesicht von Nick Mason. Am Montag gab der Mitbegründer und Schlagzeuger von Pink Floyd mit seiner Band A Saucerful of Secrets im ausverkauften Leipziger Haus Auensee ein Konzert. Eins, das ausschließlich Stücke aus jener Phase Pink Floyds spielte, die man als die künstlerisch aufregendste im Schaffen der legendären britischen Rockband bezeichnen kann.

Was natürlich immer auch eine Glaubensfrage ist, die von der gängigen Rezeption und einem Großteil der Fans sowieso wohl eher anders beantwortet werden dürfte. Denn mit Pink Floyd verbindet man in der breiten Wahrnehmung ja vor allem jene Musik, die in der sogenannten „Ära Roger Waters“ (1973 bis 1983) entstand und Konzeptalbum-Klassiker wie „The Dark Side oft the Moon“ oder „The Wall“ hervorbrachte.

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Nichts davon spielt jetzt Nick Mason. Denn was der 69-Jährige unternimmt, ist etwas ganz anderes. Eine Reise zu den Anfängen – und den Glanzstücken, die diese Anfänge hervorbrachten. Das 68er Album „A Saucerful of Secrets“ gehört fraglos dazu. Und ist auch deshalb ein guter Name für Masons Reanimierung jener kompositorischen Kreativexplosionen und Soundexperimente, jener farbig psychedelischen Gleitflüge und surreal grotesken Nachtwanderungen, die Pink Floyd in den Jahren 1967 bis 1972 aufs Wunderbarste zu erschaffen verstanden.

Schlank und straight

Was war das für ein großartiger Output! Und noch ganz und gar frei von jener Neigung zum Aufblasen, die die Nummern späterer Dekaden gelegentlich wie das berühmte schwebende „Animals“-Riesenschwein wirken ließen. Ja, imposante Songs gab es auch da noch so einige, aber nicht in jedem Fall waren sie frei von den Blähungen kompositorisch-inhaltlicher Überfütterung.

Nichts ist davon weiter entfernt als ein Instrumentalstück wie „Interstellar Overdrive“ (vom 67er Debütalbum „The Piper at the Gates of Dawn“), mit dem das Konzert so ungeheuer schlank und straight eröffnet. Und kaum eins ist besser geeignet, umgehend jenen Spirit zu beschwören, auf den die Fans hier warten: Jenes Driften von knochigen Rockriffs (oder späterhin auch schmeichelnden Melodien) hin in weite psychedelische Klangsphären, zu denen gottlob auch in diesem 2018er Update die Sphären des Atonalen und Dissonanten noch mit dazugehören dürfen.

Nach „Interstellar Overdrive“ folgt „Astronomy Domine“, darauf „Lucifer Sam“ und „Fearless“. Nach ausgedehnterem Mäandern gibt es knackige Drei-Minuten-Stücke, nach experimentellem Klangspiel eingängige Liedmelodien. Später wird das als Suite strukturierte „Atom Heart Mother“ gleich vom folkigen „If“ gerahmt – als handele es sich um eine einzige Komposition.

Spielt Bestes aus den besten Jahren: Nick Mason im Haus Auensee. Dazu hat er hervorragende Kollegen um sich geschart. Quelle: Dirk Knofe

Das ist nicht nur dramaturgisch clever gebaut, sondern auch erstklassig gespielt. Mason hat hervorragende Kollegen um sich geschart. Neben Keyboarder Dom Beken und Gitarristen Lee Harris, ist am Bass Guy Prett zu erleben. Ein echtes Energiebündel und zudem nicht nur Schwiegersohn des 2008 verstorbenen Pink-Floyd-Keyboarders Richard Wright, sondern in der Nach-Roger-Waters-Zeit als fester Musiker bei der Band involviert.

Und schließlich ist da noch Gary Kemp. Ja tatsächlich – d e r Gary Kemp von Spandau Ballet, der unterkühlte 80er-Pop-Dandy, den man bei einem Pink-Floyd-Projekt eher nicht vermuten würde. Der aber perfekt hineinpasst. Als Gitarrist und Sänger ein Könner, zudem wie gehabt stilvoll und charismatisch.

Es ist also kein Wunder, dass Mason immer wieder lächelt. Auf diesem Konzert, dieser Reise, dieser Tour, die auch eine Verbeugung vor Syd Barrett ist; dem großen Pink-Floyd-Kreativkopf der ersten Stunde, der schon 1968 die Band verließ und im Jahr 2006 nach einem von Psychosen zerquälten Leben starb. Was Barrett hinterließ, wozu er inspirierte – Mason und seine Band zeigen es. 100 Minuten Musik aus den künstlerisch besten Jahren.

Von Steffen Georgi

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