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Kultur Regional „Paris, Cancan & La Bohème“ im Spiegelzelt auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz
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15:04 21.11.2019
„Paris, Cancan & La Boheme " im größten Spiegelzelt der Welt auf dem Leuschnerplatz. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Im Grunde ist alles wie immer bei der 18. ganz anderen Gans auf dem Leuschner-Platz: Vier Gänge bietet die Dinner-Show, dazwischen viermal hochkarätige Akrobatik respektive Zauberei und drumherum die Simulation einer Rahmenhandlung als Anlass für allerlei Scherze, Albernheiten, Anzüglichkeiten, Kalauer der Gastgeber und ihrer Entourage: Armin Zarbock als Herbert von Cremefeld, Simone Cohn-Vossen als seine Gattin Anna Carenina, Elena Maria Pia Lorenzon als Gianna Panini, Matthias Stein als Lord Stone und Falko Köpp als polnischer Hausmeister Malkowitsch.

Vier fabelhafte Akrobatik-Nummern, viel erstklassige Musik, solides bis grandioses Essen und eine sehr, sehr dürftige Rahmenhandlung. Das ist die 18. AUsgabe de rDinnershow „Gans ganz anders“

Klischee-Reigen

Raschid D. Sidgi fehlt in diesem Jahr als Stichwortgeber und Trottel vom Dienst. Und vielleicht liegt es auch daran, dass Volker Insels dramaturgisches Konzept diesmal nicht recht zündet. Da fallen die Gags ungewohnt spärlich, liegt der rote Faden schlaff auf dem Boden herum, verpuffen Pointen, fallen Zoten durch sehr weite Maschen. Denn „Paris, Cancan & La Bohème“ schickt die Akteure nicht auf Schatzsuche oder in abstruse Abenteuer, sondern gibt sich gleich damit zufrieden, Klischees aus dem Paris der guten alten Zeit auszubreiten.

Ungewohnt halbherzig

Er bleibt blass, dieser Bilderbogen, Cohn-Vossens Toulouse-Lautrec-Parodie leidet nicht nur unter dem lausigen scheinfranzösischen Akzent, der vielen Scherzen hier die Beine wegtritt. Ihre Grüne Fee, der personifizierte Absinth-Rausch also, trägt auch nicht über längere Zeit, und selbst die Zankereien mit dem Bühnen-Gatten bleiben ungewohnt halbherzig. Die Erfindungen des radebrechenden Hausmeisters Köpp treten ebenfalls auf der Stelle – und wer sich wie Christoph Schinkel coram publico an Jacques Brels großartigem „Ne me quitte pas“ abarbeitet, sollte beides können: Französisch und Singen.

Etwas Poesie

Genug gemeckert. Denn weil die anderen Teile der Veranstaltung funktionieren, bleibt die 18. Ausgabe der „Gans ganz anders“ nur hinter den Maßstäben zurück, die sie selbst in den Vorjahrengesetzt hat. An der Akrobatik-Front gibt es keine Einwände: Zwischen überambitionierter Vorspeise (Maispoularde im Kräuternetz, Wildkräutersalat, Couscous mit Mango und Cranberrys, violetter Süßkartoffelstampf) und Suppe (solide Lauchsuppe mit Dijon-Senf und eingefallener Curry-Haube) zeigen die Russinen Polina Tuganova und Maria Belova als Duo Air Life in luftiger Höhe ihre so waghalsige wie anmutige Strapaten-Kunst. Vor dem Hauptgang (einwandfreie mit Honig glasierte Gänsekeule mit guten Rhabarber-Blaukraut und gebackenen Klößen) legt sich der Weltklasse-Kontorsionist Oleksandr Yenivatov aus der Ukraine geschmeidig die Oberschenkel hinter die Ohren und vermag seinen absurden Verrenkungen sogar noch etwas Poesie mit auf den Weg zu geben.

Volles Risiko und schräger Witz

Vor dem Dessert (sensationell: Orange-Sanddorn-Mousse auf Rotweinkuchen, fabelhaft: Schokoladeneis mit Bourbon-Vanille, gekonnt: Crème Caramel) sorgt Ully Loup aus Köln für offene Münder. Mit einer Wasserkaraffe erfüllt der Illusionist auch ausgefallene Getränkewünsche aus dem Publikum. Exotische Liköre, amerikanische Whiskeys, Absinth, Sahne-Cocktails ... alles dabei. Und nirgends eine Antwort auf die drängende Doppelfrage: Woher weiß der, was die wollen, und wo in Gottes Namen holt er das alles her? Nach dem Dessert schließlich schließen die kraftvoll zierliche Katerina Repponen und der graziöse Muskelberg Pasi Nousiainen aus Finnland als Handstand-Antipoden-Duo Kate + Pasi mit schierer Power, vollem Risiko und schrägem Witz den akrobatischen Kreis, der den Besuch im Zelt alleine bereits lohnte.

Fett und erstklassig besetzt

Was auch für den größten Teil der Musik gilt: Michael Hinzes Gans-Kapelle, die diesmal als Orchestre de spectacle „C’est la vie“ firmiert, ist mit dem Chef am Klavier, Hubertus Böhm an der Trompete, Michael Arnold am Sax, Matthias Büttner an der Posaune (und allen dreien auch mal an der Blockflöte), Sascha Mock an der Schießbude und Hendrik Bertram am Bass vergleichsweise fett und erstklassig besetzt. Dazu singen Lorenzen und Linda Rietdorff großartig, und „Les plus belles Jambes de Paris“ recken gekonnt ihre Strapse in die Höhe.

Für knapp dreieinhalb Stunden mit der ganz anderen Gans und einen netten Abend reicht das wohl. Aber früher war mehr Lametta im größten Spiegelzelt der Welt.

Von Peter Korfmacher

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