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Kultur Regional Patrick Rohbeck inszeniert, Gliedre Šlekyte dirigiert Marius Felix Langes „Schneewittchen“
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23:37 09.03.2019
Schräge Opulenz auf der Zielgeraden: Patrick Rohbecks Leipziger Inszenierung von Marius Felix Langes Kinderoper „Schneewittchen“. Quelle: Foto: Leipzig report
Leipzig

Ein ordentliches Märchen braucht ein Happy End. Wie sonst könnten seine Beteiligten heute noch glücklich und zufrieden leben, sofern sie nicht gestorben sind? Bei eine Märchen-Oper verhält es sich nicht anders. Und darum ist es ein Segen, dass Marius Felix Langes (geboren 1968) Gebrüder-Grimm-Oper „Schneewittchen“, die am frühen Samstagabend in der gut gefüllten Oper Leipzig Premiere feierte, gleich deren zwei hat. Denn erstens finden sich selbstredend Schneewittchen und der Prinz, bestätigt der so bösen wie verschrumpelten Königin Clothilde der Zauberspiegel noch einmal final, keineswegs die Schönste zu sein, schon gar nicht im ganzen Land. Und zweitens nimmt die Oper im letzten Viertel endlich Fahrt auf.

Ironisches Funkeln

Da funkelt es mit einem Male ironisch aus dem vom viel beschäftigten Komponisten selbst verfassten Libretto heraus, wenn der Prinz feststellt: „Ich was nicht, wann wir so’n Mai hatten“, und dann darauf reimt: „Schneewittchen, willst Du mich heiraten“. Worauf die Schöne antwortet: „Ich komm jetzt erstmal mit dir mit, und dann werden wir sehen, was das gibt.“ Die Musik schenkt auf den bis dato weitestgehend leer ausgegangenen Sängerinnen und Sängern die eine oder andere Melodie, Patrick Rohbecks Inszenierung sowie die Bühne und Kostüme Alexander J. Mudlacks prunken mit einem Male mit angeschrägter Opulenz, wenn der Prinz auf dem Einhorn herbeigeritten kommt. Im Zuschauerraum lachen nicht nur Kinderstimmen hell auf, sondern hier und da auch mal eine ausgewachsene Begleitung. Folglich fällt der Applaus am Ende doch noch freundlich aus, und mancher Zielgruppen-Vertreter kann sich doch wieder vorstellen, früher oder später noch einmal ein Musiktheater zu besuchen.

Ungelenk drauflos gereimt

Zur Pause sah das noch anders aus. Denn die erste der knapp eineinviertel Netto-Stunden zieht sich wie Kaugummi. Da reimt der Librettist Lange kreuzbrav ungelenk drauflos. Da lässt der Komponist Lange seine Sängerinnen und Sänger die Früchte seiner Dichterischen Mühen gesichtslos psalmodierend aufsagen und das Orchester in den instrumentalen Zwischenmusiken zwar apart klingen, ansonsten aber eine Art wichtigtuerischer Avantgarde-Parodie produzieren. Das ist in den Holzbläsern bisweilen gekonnt gewirkt, aber da fortwährend vorlaute Stabspiele musikalische Komik oder wenigstens Groteske simulieren, kann auch dieser Zauber sich kaum entfalten.

Hauptsache unverständlich

Auch die Inszenierung zieht sich im ersten Teil gewaltig, da kann Sandra Janke als böse Königin noch so verzerrt lachen, können Elin Karlström als kindliches und Magdalena Hinterdobler als erwachsenes Schneewittchen noch so bezaubernd ihre langen schwarzen Perücken schütteln. Und der größte Dienst, den die singenden Beteiligten dem Text erweisen können, besteht in den ersten drei Vierteln der Aufführung darin, ihn unverständlich zu singen. Diesen Gefallen tun die meisten ihm und dem Publikum gern.

Gediegen bis schön

Immerhin singen sie meist gediegen bis sehr schön: Hinterdobler und Janke, die Zwerge Sandra Maxheimer, die kurzfristig eingesprungene Gloria Rehm im Graben (auf der Bühne spielt die stimmlich malade Bianca Tognocchi), Stephan Klemm, Franz Xaver Schlacht, Martin Hässler, Alvaro Zambrano und Luke Stoker, der Prinz Sven Hjörleiffson der als Moses auf Abwegen verkleidete Spiegel Martin Petzold (der überdies wunderbar spricht). Dazu ist das Bühnenbild mit dem schrägen Riesenspiegel unter der Decke und über der Drehbühne nett anzusehen. Und so spendet die Zielgruppe artig und schweigsam ihre Aufmerksamkeit. Aber dass das Bühnengeschehen ihr unter die Haut ginge, das lässt sich im Ernst kaum behaupten.

Grundproblem Werk

Den Aufführenden kann man dies kaum zum Vorwurf machen, obschon viele Sänger und auch das Gewandhausorchester unter der recht souverän die phasenweise durchaus komplexen zeitlichen Abläufe sortierenden Giedre Šlekyte unter ihren Möglichkeiten bleiben. Aber das Grundproblem bleibt das Werk. Diese nur instrumental gediegene, aber bis zum Apfel-Walzer im letzten Drittel blutleere, uninspirierte, belanglose Tonsatzarbeit zwischen Hintergrundmusik zur Daily-Soap, Sandmann-Lied und Musical. Diese Dramaturgie, die völlig ohne Spannung auskommt. Diese gänzlich unsinnliche Behandlung der Singstimmen. Dass dies alles auf der Zielgeraden besser wird, versöhnt auch nicht lange mit den öden Ebenen des ersten Teils. Weil um so deutlicher wird, was dem alles fehlt.

Ohrwurmfreie Zone

Und schließlich: Wie ein ordentliches Märchen ohne Happy End nicht auskommt, braucht eine Kinderoper einen Ohrwurm, irgendein Lied, wenigstens eine Melodie, die die Kinder mit nach Hause nehmen können. Gern auch zwei. Langes „Schneewittchen“, wurde zwar bereits erstaunlich oft gespielt, kommt aber völlig ohne aus. Dafür fällt der Applaus wirklich sehr freundlich aus.

Vorstellungen: 15. März, 8., 9. Mai., 2. Juni; Karten (12–73 Euro) erhalten Sie u.a. bei der Ticketgalerie im LVZ Foyer, Peterssteinweg 19, im Barthels Hof, Hainstr. 1, in unseren Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Ticket Hotline 0800 2181050 unter www.ticketgalerie.de oder an der Opernkasse sowie unter Tel. 0341 1261261.

Von Peter Korfmacher

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