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Kultur Regional Paul Millns mit einem Tropfen Hoffnung im Blues
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16:31 28.05.2019
Altmeister des Blues: Paul Millns im Neuen Schauspiel. Quelle: André Kempner
Leipzig

Mit seinen 73 Jahren sitzt Paul Millns immer noch am Piano und lässt das Publikum teilhaben an seinen gesammelten Lebenserinnerungen, die er in Songs gepresst hat. Jetzt war er im ausverkauften Neuen Schauspiel zu Gast und spielte zwei Stunden plus Pause alte und neue Songs. Auch im fortgeschrittenen Alter schreibt er immer noch neue Lieder und bringt auch weiterhin neue CDs heraus.

Das neueste Werk „All Little Thunder“ blickt denn auch immer wieder prominent aus dem musikalischen Set des Abends hervor. Die Grundmelodie ist dabei, wie sollte es bei Blues-Musikern anders sein, melancholisch, wobei Millns als überzeugter Europäer zwischen den Songs seinem großen Unmut auf die Politik, vor allem die britische, keinen Hehl macht. „Ich will nicht über den Brexit reden, aber es ist, als würde man durch ein Meer aus Scheiße schwimmen“, startet er gleich am Anfang des Liederabends inhaltlich durch und wird immer wieder seinem Unmut gegen May und Trump Luft machen.

Millns ist natürlich ein alter Hase. Geboren in Norfolk ging er ab den 1960ern mit Louisiana Red oder Dennis Locorriere von der Band Dr. Hook auf Tour. Seit 1975 hat Millns 15 Alben herausgebracht und somit ein großes Repertoire erarbeitet. Musikalisch ist er immer noch auf der Höhe seiner Kraft. Sicheres Tastenspiel am Klavier und Songs, die mal mit Kraft und ein bisschen Wut nach vorne gehen, mal eher verspielt witzig dahin springen – vor allem seine zahlreichen Songs im alkoholischen Themengebiet wären hier zu nennen. Oder eben die wohltemperierte Blues-Melancholie, die aber ihre Kraft immer aus dem Tropfen Hoffnung schöpft, die in ihr liegt. Denn verbittert scheint dieser schlaksige, ältere Herr nie. Enttäuschungen scheinen für ihn vielmehr Kraftfelder zu sein, aus denen er neue Energie zieht.

Frenetischer Applaus

Doch Millns ist nicht alleine, er wird begleitet von Butch Coulter, der zwar noch nicht so alt ist, aber dennoch ein Meister seines Faches. Tritt er zunächst nur begleitend mit Akustikgitarre in Erscheinung, die er vortrefflich spielt, entfaltet er sein wahres Talent erst im Verlauf des Abends: das Spielen des Mundharmonika.

Fünf Exemplare des Instruments hat er dabei, und statt leutseliger Cowboy-Abenteuerromantik steht veritabler Jazz auf dem Programm. Vergleichbar vielleicht mit immer am Limit tänzelnden Saxofon-Soli, holt er das Letzte und Beste aus seinen Instrumenten heraus. Schnell, präzise und mit raschen Läufen ist sein Spiel das Sahnehäubchen zum Blues-Großmeister und dem doch auch immer eher gleichmäßigen Möglichkeiten des Pianos. Das Publikum bedankt sich bei Coulter für seine Einsätze mit frenetischem Applaus.

Dass Millns und Coulter überhaupt in Leipzig gespielt haben, ist allerdings nur ein glücklicher Zufall. Eigentlich stehen um diese Jahreszeit immer vier Konzerte im Schloss Goseck an. Aktuelle Bau­arbeiten allerdings verhinderten dies aktuell, so dass auf einer kleinen Landstraßentournee mit vier StationenLeipzig den krönenden Abschluss gebildet hat.

Von Torben Ibs

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