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Kultur Regional Premiere „Despairing Brainchild“ im Lofft entführt ins Unterbewusste
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17:33 10.12.2019
Svenja Bühl ist eine von drei Performerinnen in „Despairing Brainchild“ im Lofft. Quelle: André Kempner
Leipzig

Silbern schweben sie über den Köpfen der Performerinnen, kreieren verzerrte Spiegelbilder auf ihrer glänzenden Oberfläche. Das auffälligste und symbolträchtigste Requisit in der Werkstatt-Plus-PremiereDespairing Brainchild“ ist der silberne Luftballon. Jede der Performerinnen trägt einen mit sich, befestigt an den Haaren, dem Hals.

Choreographin Clara Sjölin, begleitet von Werkstattmacherin Jemina Coletta, zeichnet auch für das Konzept verantwortlich und setzte das Publikum am Montagabend einer offenen Perspektive aus. Sitzkissen und Kartonhocker sind im fensterlosen Saal verteilt, Schuhe müssen draußen bleiben. Das Publikum blickt von den Wänden ins Innere, ist Teil der Bühne und doch distanziert vom Geschehen.

Zwischen Amazone und Weltraum-Cowgirl

Camilla Isola, Svenja Bühl und Josefina Maro wirken mit ihren Fellwesten, Funktionshosen, Lederhandschuhen und Alu-umwickelten Haarsträhnen wie eine Mischung aus Amazone und Weltraum-Cowgirl. Die Musik von Chema Rios Gutierrez malt verzerrte Dschungelgeräusche in die Luft.

Die Tänzerinnen bewegen sich kontrolliert, langsam, auf allen Vieren streben sie synchron auf ein unsichtbares Ziel zu, immer begleitet vom Luftballon, der damoklesschwerthaft über ihnen schwebt, unerbittlich.

Noch Luftballon oder schon Gedankenblase? In „Despairing Brainchild“ verschwimmen die Bewusstseinsebenen. Quelle: André Kempner

Sjölin entwirft in ihrer Inszenierung eine Parallelwelt, die den Zuschauer mit einschließt und ihn doch nicht teilwerden lässt. „Despairing Brainchild“ deutet auf Kopfgeburten hin, auf verzweifelte und verzweifelnde Gedankenströme. Wie Gedankenblasen im (Unter-)Bewusstsein taumeln, torkeln und tanzen die Performerinnen durch den Saal. Sie wechseln zwischen repetitiven Bewegungspattern, die Gutierrez’ Musik mit beklemmender Eindringlichkeit begleitet. Lichtwechsel zwischen warm und hell, kalt und halbdunkel unterstützen die tänzerischen Träumereien der Konzeption.

Visuelle Meditation

Akrobatisch ist es nicht, was die Choreographin ihren Tänzerinnen abverlangt. Aber durch die phasenweisen ruhigen, fließenden Bewegungen erlangt die Performance eine visuelle Ebene der Meditation, unterstützt durch Videoeinspielungen von Julia Sjölin mit Natur- und Kindheitsmotiven. Bestimmte Bewegungsmuster erinnern an Yoga-Figuren: der herabschauende Hund, die Kobra. Doch auch die Traumwelt in „Despairing Brainchild“ ist nicht erträumenswert im eigentlichen Sinn.

Hinaus oder hinein in die Wirklichkeit?

Immer wieder taucht Bestürzung, Angst in den Gesichtern der Performerinnen auf, sie suchen Zuflucht unter einem Stück Fell. „As long as we keep our eyes closed, we’re fine“, flüstert es schlussendlich aus den Lautsprechern. Da sind die personifizierten Gedankenblasen jedoch längst einen schmerzhaften, hustenden Tod gestorben, bewegen sich nur noch blind auf den Ausgang und das Ende des Stücks zu. Die Tür, hinter der sich die reale Welt verbirgt. Hinaus in die Wirklichkeit. Oder hinein?

Weitere Vorstellungen am 10. und 11. Dezember, jeweils 20 Uhr, imLofft, Spinnereistraße 7, Halle 7, Eintritt 9/6 Euro

Von Katharina Stork

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