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Kultur Regional Quasimodos Schlurfgang im Werk 2
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14:56 12.07.2019
Vier Darsteller, ein Musiker, ein Baugerüst – fertig ist die überaus gelungene Üz-Inszenierung des Victor-Hugo-Klassikers. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Der Roman ist selbst so etwas wie Notre-Dame de Paris, die berühmte Kathedrale nach der er im Original schlicht und einfach benannt ist: getragen von einem breiten Fundament, dramatisch hoch aufragend, mit mäandernden (Handlungs-)Gängen und mit allerlei Details und Verzierungen ausgeschmückt. Kurz: ein imposantes Werk. 1831 ist es erschienen, Victor Hugo hat es geschrieben – und die Theatergruppe Das Üz jetzt als Sommerinszenierung auf die Werk-2-Freiluftbühne gebracht. Am Donnerstag war bejubelte Premiere.

Natürlich unter dem geläufigeren Titel „Der Glöckner von Notre-Dame“. Und natürlich in einer Form, die den literarischen Schinken gehörig abgespeckt, also in Scheibchen auf die Bühne bringt. Geht ja auch nicht anders. Was allerdings tatsächlich schon ging, ist, den saftigen Schinken per Bühnenadaption zum enervierend zuckrigen Musical-Windbeutel mutieren zu lassen. Eine Gefahr, die inzwischen öfter mal droht. Vor der einem im konkreten Fall aber das Regie-Duo Elisa Jentsch und Christian Hanisch dann gottlob bewahrt.

Ein paar Liedchen und Musikeinlagen gibt es in ihrer Inszenierung freilich dennoch. Allesamt schon deshalb hübsch anzuhören, weil sie nicht aufgehübscht sind. Im Straßenmusikanten-Stil begleitet Gabriel Jagieniak das Stück am Akkordeon. Spielt ein paar französische Weisen oder haut auch mal auf die Pauke, wenn’s die Handlung verlangt. Ein Keyboard bedient gelegentlich Schauspieler Johannes Gabriel, und sei es, um damit die mächtigen Glocken der Kathedrale weniger läuten als vielmehr bimmeln zu lassen. Ein schön (selbst-)ironisches Bimmeln, auch eingedenk der Tatsache, dass hier das Bühnen-Notre-Dame ein simples Baugerüst und das episch breit aufgestellte Personal der Vorlage auf drei Darsteller und eine Darstellerin, allesamt natürlich in diversen Rollen, eingedampft ist.

Souveränes Kraftzentrum der Inszenierung

Sarah Arndtz gibt dabei die Esmeralda. Die Zigeunerin (ja, der Begriff wird hier benutzt, und das ist auch okay) und Tänzerin, die mit ihrer Ziege Djali durch die Straßen von Paris zieht und die Arndtz (im Erscheinungsbild eher Gina Lollobrigida als Maureen O’Hara – um mal auf die zwei besten Verfilmungen des Romans zu verweisen) in ein Spiel burschikoser Mädchenhaftigkeit kleidet. Dass nun auch kluge und toughe Frauen sich in Lackaffen verlieben können, zeigt sich daran, wie Esmeralda den Hauptmann Phoebus anhimmelt, der in Gestalt Thomas Deubels schön affektiert über die Bühne gockelt. Und der bald vom vor Eifersucht zerfressenen Domprobst Frollo gemeuchelt wird.

Womit man beim retardierenden Moment der Handlung und bei Johannes Gabriel wäre, der als Frollo das souveräne Kraftzentrum der Inszenierung ist. Gabriel zeigt seine Figur als zerrissene. Ein Mensch, gefährlich tyrannisch und verzweifelt. Und der dann genau so, eben tyrannisch und verzweifelt, auch Esmeralda liebt. Emotional mag Frollo so missgestaltet sein, wie es Quasimodo körperlich ist – aber genau darin ist er modern, mithin die psychologisch am besten austarierte Figur des Romans.

„Du sollst nicht langweilen!“

Gemessen daran ist das Restpersonal bloßes Typen-Arsenal. Womit sich allemal legitimiert, dieses deftig-kräftig, mit volkstheaterhaften Strichen auf die Bühne zu pinseln. Und fürchtet man zu Beginn noch, dass dabei die Inszenierung etwas dick kleistert und ihr Pulver mit Vitalitätsbolzereien à la Mittelaltermarkt verschießt, bedauert man bald (inzwischen doch recht Gaudi-gestimmt), dass man Quasimodo weder einen Buckel auflud noch eine Fratzenmaske vors Gesicht hängte.

Ein paar Gesten und etwas Schlurfgang müssen Fabian Reichenbach ausreichen, um vor dem Publikum den Glöckner erstehen zu lassen. Es gelingt ihm ganz gut. Und natürlich kann, wer will, die jugendliche Wohlgestalt des Darstellers als Abbild der inneren, der seelischen Wohlgestalt Quasimodos lesen. Irgendwas in der Preislage wird sich wohl auch die Regie gedacht haben.

Der mit diesem „Glöckner …“ ein launig kurzweiliges Sommertheaterstück gelungen ist. Wie heißt es einmal in diesem: „Merk dir das: Du sollst nicht langweilen! Nein, nein, nein, das sollst du nicht!“ Man hat sich aufs beste dran gehalten.

„Der Glöckner von Notre-Dame“, wieder 12/13. Juli sowie 28. bis 30. August, jeweils 20 Uhr, Werk 2, Kochstraße 132, Vorverkauf 14,20 Euro/9,30 Euro

Von Steffen Georgi

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