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Kultur Regional Radka Denemarková stellt ihr neues Buch in Leipzig vor
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16:05 20.02.2019
Radka Denemarková ist eine der wichtigsten tschechischen Autorinnen. Am Dienstag war sie im Haus des Buches. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Es ist nur ein kleines Wort, das in Radka Denemarkovás Buch „Ein Beitrag zur Geschichte der Freude“ immer wieder vorkommt. Und es gibt auch einen Grund, weshalb dem Wort „nur“ eine wiederkehrende Rolle zukommen lässt: Als Auslöser des Buches beschreibt die tschechische Autorin ein Ereignis auf einer Lesung zu ihrem Roman „Ein herrlicher Flecken Erde“. Ein Gast habe sie vollkommen aus dem Zusammenhang immer wieder gefragt, wann die nach dem Krieg vertriebenen Deutschen von der tschechischen Regierung entschädigt werden? Denemarková habe ihm entgegnet, sie sei Schriftstellerin, keine Politikerin. Als der Mann nach einigem Hin und Her nicht locker ließ, habe sie spontan die Gegenfrage gestellt, wann die Frauen entschädigt werden, die in den Kriegen von Soldaten vergewaltigt wurden? Der Mann sei so perplex gewesen, dass er sagte: „Die Frauen sind doch nur vergewaltigt worden.“ Das Wort „nur“ habe ihr gezeigt, dass es kein Mitgefühl zwischen Opfern unterschiedlicher Art gibt.

„Meine Bücher werden erst nach einigen Jahren verstanden“

Und so erzählt Denemarková eine Geschichte von drei älteren Heldinnen, die Gewalt an Frauen dokumentieren und gleichzeitig versuchen, Mädchen zu retten. Von Frauen, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, nach Gerechtigkeit zu suchen. Eva Profousová, die Übersetzerin des Buches, nennt die Protagonistinnen daher „Simon Wiesenthal im Rock“, analog zum österreichischen Juden und KZ-Überlebenden, der als „Nazi-Jäger“ bekannt wurde und dessen Methoden umstritten waren.

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Radka Denemarková: Ein Beitrag zur Geschichte der Freude. Roman. Aus dem Tschechischen von Eva Profousová. Verlag Hoffmann und Campe; 336 Seiten, 19,99 Euro Quelle: Ulrich Seyfried

Die Geschichte und die drei Frauen könne jeder Leser anders interpretieren. Das sei auch das schwierigste während des Schreibens gewesen, sagte Denemarková am Dienstagabend im Literaturcafé des Leipziger Haus des Buches. Dort stellte sie die deutsche Übersetzung des bereits 2014 in Tschechien erschienenen Romans gemeinsam mit Eva Profousová vor. „Meine Bücher werden erst nach einigen Jahren verstanden“, erklärte sie sich die zeitlich versetzte Veröffentlichung. Jetzt, nach der #MeToo-Debatte, sei es vermutlich eher möglich gewesen.

Denemarková kommt zur Leipziger Buchmesse

Als Einstieg wählt Denemarková Elemente des Kriminalromans. Ein reicher, einflussreicher Mann wird tot in seinem Haus am Stadtrand von Prag aufgefunden. Ein junger Ermittler untersucht den Fall. War es Selbstmord? Vermutlich schon. Während seiner Recherchen stößt er auf das Tun der drei Frauen. Nach anfänglichem Unglaube sympathisiert er mit ihnen.

So tragisch und beklemmend diese Geschichte ist, so sehr fesselt und verändert sie Perspektiven. Radka Denemarková bekräftigt mit dem Roman ihren eigenen Anspruch an die Literatur: Sie darf kein Dessert, sondern muss eine Gräte sein.

Radka Denemarková kommt zur Leipziger Buchmesse, am 23. März ist sie zu Gast in der LVZ-Autorenarena (Halle 5, Stand D 100)

Von Mathias Schönknecht

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