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Kultur Regional Rauch setzt Wagner unter Strom: Bayreuther Festspiele eröffnet
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20:26 25.07.2018
Hypnotischer Sog: Wildromantische Hell-Dunkel-Effekte bestimmen die Atmosphäre des Bühnenbilds von Neo Rauch. Quelle: Enrico Nawrath/Festspiele Bayreuth/dpa
Bayreuth

„Er ist der geheimnisvolle Fremde, der auch der Künstler sein könnte. Ein Energielieferant, der am Ende scheitert.“ So sprach der Leipziger Maler Neo Rauch, der gemeinsam mit seiner Frau Rosa Loy Bühnenbild und Kostüme für „Lohengrin“ beisteuerte. Mit der Neuinszenierung der Oper wurden am Mittwoch die Bayreuther Festspiele eröffnet. Tatsächlich haben Rauch und Dirigent Christian Thielemann Wagner unter Strom gesetzt. Auf der Bühne steht, umgeben von einer Sumpflandschaft mit Zypressen und surrealen Isolatoren ein verlassenes Umspannwerk. Der Gralsritter erscheint als Elektriker, der den Strom wieder anstellt und die Handlung in Gang setzt. Blitze zucken, Lohengrin steigt herab, der Schwan, der den Gralsritter traditionell zu Wasser heranschafft, ist eine papierfliegerartige futuristische Attrappe, die überm Dach hängt.

Dieser „Lohengrin“ kommt retro-industriell daher – und gleichzeitig wildromantisch. Das Bühnenbild schimmert in Blautönen. Von Hell-Dunkel-Effekten umwittert ragen Felsen auf, Wolken türmen sich, Licht strahlt in dicken Bündeln hindurch. Die Sänger – für das männliche Personal zeichnet Neo Rauch, für das weibliche Personal Rosa Loy verantwortlich – tragen Flügel. Alles scheint hier aus der Zeit und einem Gemälde gefallen.

Energie auf der Bühne, aber keine Klimaanlage

Energie, die eine Klimaanlage antreibt, hätten sich auch die Gäste der Premiere gewünscht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schritt bei über 30 Grad an der Seite ihres Mannes Joachim Sauer über den roten Teppich. Begleitet wurde das Paar vom niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte. Markus Söder (CSU) ist erstmals als Ministerpräsident zu den Bayreuther Festspielen angereist. Allzu freundlich wurde er nicht begrüßt: Etwa zehn Menschen bildeten einen Sprechchor und skandierten „Refugees are welcome here!“ (Flüchtlinge sind hier willkommen) als Reaktion auf die Asylpolitik der CSU. Söder quittierte die Rufe nur mit einem kurzen Blick. FDP-Chef Christian Lindner erschien mit seiner neuen Lebenspartnerin. Gekommen sind auch die Schauspieler Udo Wachtveitl und Günther Maria Halmer sowie Moderator Thomas Gottschalk. Leipzig ist neben Rosa Loy und Neo Rauch mit Kunstmäzen Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg vertreten. Aber egal wo man im nicht klimatisierten Festspielhaus sitzt, geschwitzt wird demokratisch.

Hypnotischer Sog

Auf der Bühne tut sich im ersten Aufzug szenisch wenig. Regisseur Yuval Sharon ordnet den Chor links und rechts an, dazwischen singen die Solisten ohne Bezug zueinander meist den Dirigenten an. Der allerdings macht seine Arbeit fabelhaft: Christian Thielemann entwickelt die Ouvertüre gleich aus dem ersten unwirklich flirrenden A-Dur als kraftvolles und sich doch unmerklich steigerndes Crescendo. Dabei fällt ihm keine Linie von der Nadel. Diese Musizierhaltung trägt auch den Rest des ersten Aufzuges. Ob vokal oder instrumental – kein Detail, keine Stimme bleibt unhörbar und doch geht alles auf in einem sinnlich leuchtenden Ganzen.

Musik und Bilder entwickeln gemeinsam einen hypnotischen Sog. Frenetisch werden die Sänger zwischen den Aufzügen bejubelt, ganz besonders der kurzfristig eingesprungene polnische Tenor Piotr Beczala als Lohengrin und Tomasz Konieczny als Telramund.

Von Peter Korfmacher und Jürgen Kleindienst

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