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Kultur Regional Revolverheld: Generation Pop mit Sinn für Quatsch und souveräner Bühnenshow
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17:14 20.03.2019
Band Revolverheld zu Gast in der Arena Leipzig auf der Tour "Zimmer mit Blick" am 19.03.2019. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Ganz am Ende, nach mehr als zwei Stunden beim Konzert von Revolverheld am Dienstagabend, flimmern Polaroid-artige Bilder über die riesige Bühne in der Arena Leipzig. Darauf zu sehen: Sänger Johannes Strate ohne Bart und mit Gelfrisur, Drummer Jakob Sinn sein Schlagzeug tragend, die ganze Band im Schlamm irgendeines kleinen Festivals. Es sind Spiegelungen aus einer anderen Zeit, als Revolverheld noch eine Hamburger Studentenband war, die vor 15 Unentwegten auftrat und ihren Musikstil als „Generation Rock“ bezeichnete – so der Titel der ersten Single.

Im Strom der Deutschpopper

Diese Zeiten sind offenbar vorbei. Inzwischen füllt das Quartett nicht nur fast vollständig eine Multifunktionshalle wie die Arena, es hat sich auch immer weiter vom Rock entfernt und schwimmt mit im Strom der derzeit immens erfolgreichen Deutschpopper wie Max Giesinger, Johannes Oerding und Vincent Weiss.

Einen Unterschied zu den Genannten gibt es aber doch: Die Band und besonders ihr Vorsänger Strate verfügen über ein außerordentliches Maß an Selbstironie. Das haben sie schon Jan Böhmermann vor fünf Jahren demonstriert, als sie erst von ihm durch den Kakao gezogen wurden und dann in seiner Show sich selbst parodierten.

Lust auf abseitige Späße

Auch in Leipzig wird von der ersten Minute an klar, dass Revolverheld Lust hat auf viele abseitige Späße. Nach dem zweiten Stück „Das kann uns keiner nehmen“ meint Strate, dass es sein könne, dass er heute etwas mehr erzählen werde. „Wir haben auch Apassionata-Pferde mitgebracht und am Ende kommt vielleicht Jesus auf die Bühne.“ So viel Quatsch ist von einem durchschnittlichen deutschen Singer/Songwriter eher nicht zu erwarten.

Die Pop-Rock-Band begeisterte das mehrheitlich weibliche Publikum nicht nur mit Musik, sondern auch mit Luftballons und Seifenblasen.

Schlagfertigkeit beweist Strate ebenfalls, wenn er auf den Zwischenruf „Johannes, ich will ein Kind von dir“ mit „Das kann ich nicht machen, da kriege ich einen Riesenärger zu Hause“ reagiert. „Aber nimm unseren Bassisten, der ist stubenrein“, schiebt der 39-Jährige nach, der seit vielen Jahren mit der Schauspielerin Anna Angelina Wolfers liiert ist. Und so werden die vielen launigen Ansagen zwischen den Songs zu heimlichen Höhepunkten des Abends. Vor „Unsere Geschichte ist erzählt“ schildert Strate, wie er den Song als erstes seiner Freundin vorgespielte – und sie im Anschluss zwei Tage lang weinen musste. „Da wusste ich, dass er aufs Album muss.“

Veränderte Versionen

Musikalisch hat Revolverheld bei ihrem zweiten Leipziger Auftritt innerhalb von zehn Monaten (der erste als Clubkonzert im 2) wieder einiges zu bieten. Ältere Lieder wie „Freunde bleiben“ spielt die Band in veränderten Versionen (in diesem Fall als Techno-Remix) , dazu zwischendurch Klassiker wie Journeys „Don’t Stop Believin’“ oder „Denkmal“ von Wir sind Helden gecovert. Immer mal wieder fliegen Luftballons, Papierschlangen und Konfetti umher, Feuerwerke werden gezündet – und die Bühne verwandelt sich passend zur „Zimmer mit Blick“-Tour in ein überdimensionales Theater, roter Vorhang inklusive.

Schließlich bindet Revolverheld auch das Publikum ein. Nach „Spinner“ darf eine ganze Schar auf den Bühnen-Sitzkissen herumlümmeln. Bereits vor dem Auftritt konnten die Fans außerdem per Instagram darüber abstimmen, ob am Ende lieber „Keine Liebeslieder“ oder „Generation Rock“ stehen soll. Es hatte zwar eigentlich der erste Song mit 73 Prozent gewonnen, aber wenig überraschend erklingt auch noch „Generation Rock“. Stilecht wie richtige Rocker springen Strate und Co. am Ende des Tracks auch vom Schlagzeug-Podest. Danach fällt der rote Vorhang.

Etwas Gesellschaftskritik

In der Zugabe gibt es beim namensgebenden Stück „Zimmer mit Blick“ sogar noch etwas Gesellschaftskritik, und während „Liebe auf Distanz“ ein romantisches Duett mit der Antje Schomaker auf einer Empore neben dem Oberrang.

Zum Schluss ein letztes Bad in der Menge mit den Stars zum Anfassen - was will das geneigte Revolverheld-Fanherz mehr?

Von Christian Dittmar

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