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Kultur Regional Ronya Othmann aus Leipzig fordert beim Bachmannpreis die Jury heraus
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17:11 28.06.2019
Autorin Ronya Othmann, die in Leipzig am DLL studiert. Am Freitag las sie beim Bachmannpreis in Klagenfurt. Quelle: ORF/Johannes Puch
Leipzig

Ronya Othmann macht es der Jury schwer. Das ist nicht das Schlechtestes, was man über einen Text sagen kann, der bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gelesen wird. Dort, wo sich seit Donnerstag und noch bis Samstagmittag (live auf 3sat) acht Autorinnen und sechs Autoren mit ihren Arbeiten um den Ingeborg-Bachmann-Preis und fünf weitere Auszeichnungen bewerben, die mit 5000 bis 25 000 Euro verbunden sind.

Gestern hat Ronya Othmann sich dem Urteil der Live-Jury ausgesetzt; sie wurde 1993 in München geboren und lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studiert. Sie arbeitet unter anderem als Journalistin, und eine journalistische Form ist es auch, die Jurorin Hildegard Keller im Text „Vierundsiebzig“ erkennt: die Reportage. An der Frage, ob diese Arbeit an literarischen Maßstäben gemessen werden könne, erhitzen sich die fünf Juroren.

„Das Ich ist ein Zeuge“

Denn Othmann schreibt über den Genozid an den Jesiden. Sie verknüpft Zeugenschaft mit dem Erzählen und spricht dabei vom Ausbleiben der Sprache angesichts unsäglicher Gewalt. „Jedes Schreiben ist für mich Fiktion“, heißt es. Aber auch: „Das Ich ist ein Zeuge. Es spricht und doch hat es keine Sprache.“ Unaussprechlich genannte Gewalt spricht sie aber doch aus, erzählt das Ungesagte und distanziert sich zugleich.

Darum will Hildegard Keller nicht literaturkritisch urteilen, womit es ihr wie Nora Gomringer geht, die auf die alte Frage verweist: Wie erzählen wir von den Schrecknissen, die Menschen einander antun, und darüber, was es mit uns macht? Der ganze Text sei „verschriftliche Mündlichkeit“.

„In die Welt der Worte verstrickt“

Dass es um die Art und Weise geht, zu beschreiben, bekräftigt Klaus Kastberger. Doch dies sei kein fiktionaler Text. Klarer und deutlicher könne man nicht ausdrücken, was Genozid ist, und genau das soll Literatur tun. Stefan Gmünder verwendet das Wort „schonungslos“ und sagt: „Schriftsteller sind in die Welt der Worte verstrickt.“ Ihm gefällt das „Signal, das sich leitmotivisch durchzieht: Ich schreibe, das heißt: Ich bin“.

Eine Verstrickung, die aufzudröseln der Jury nicht gelingt, was an der Kürze der Zeit und der Wucht des Themas liegt. Ein Thema, das Jurysprecher Hubert Winkels mit dem Unsagbarkeits-Topos gleichsetzt. Er fasst zusammen: „Wir reden über den Text und darüber, wie wir über den Text reden können.“ Viel Meta-Ebene in der Diskussion über einen Text, der viel zu sagen hat.

bachmannpreis.orf.at

Von Janina Fleischer

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