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Kultur Regional Ronya Othmann aus Leipzig zählt zu den Gewinnern des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs
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13:37 30.06.2019
Lesung von Birgit Birnbacher am Freitag, am Sonntag hat sie den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Quelle: ORF K
Leipzig

Kaum ein Jahr vergeht, in dem dieser Vorlesewettbewerb nicht mindestens umstritten ist. Und mit jedem Jahr gewöhnt man sich mehr daran, dass Fragen offen bleiben. Doch dazu später.

Am Sonntag sind die inzwischen 43. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt zu Ende gegangen, auf drei Tage öffentliches Lesen von 14 Autoren und öffentliche Kritik der 7 Juroren folgte die Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises und vier weiterer Auszeichnungen, verteilt unter einem halbierten Starterfeld, nämlich sieben Autoren der Shortlist: Birgit Birnbacher, Yannic Han Biao Federer, Leander Fischer, Daniel Heitzler, Julia Jost, Ronya Othmann und Sarah Wipauer.

Hauptpreis für Birgit Birnbacher

Der mit 25 000 Euro dotierte Hauptpreis geht an die Österreicherin Birgit Birnbacher, Jahrgang 1985. Ihr gelinge, „was Poesie ausrichten kann: von einem neuen, anderen Leben zu singen“, sagt Juror Stefan Gmünder, der die Autorin eingeladen hat.

Leander Fischer (Jahrgang 1992 ) aus Hannover bekommt den Deutschlandfunk-Preis (12 500 Euro) für eine Geschichte, die zeige „wie Literatur Dinge lebendig machen kann“ (Hubert Winkels).

Der Kelag Preis (10 000 Euro) geht an Julia Jost, 1982 im österreichischen St. Veit an der Glan geboren. Kärnten ist auch Handlungsort ihrer Geschichte, die Klaus Kastberger als „hochaktuellen Text“ würdigt, der eine Auseinandersetzung mit der braunen Vergangenheit neu führe und mit neuen Mitteln erweitere. Und zwar „mit Humor und erzählerischer Distanz“. Wir dürften auch mal Spaß haben, „wenn wir an diesen harten, schweren Themen arbeiten“. Er freue sich schon sehr auf das, was aus diesem Text noch werden wird. Julia Lost schreibt an ihrem Debütroman.

Als vierter Jurypreis geht der 3sat-Preis (7500 Euro) an Yannic Han Biao Federer. Der 1986 geborenen Kölner beschreibe in seiner Trennungsgeschichte „Transformation radikal von außen“ sowie „mit erzählerischer Präzision“, wie Hildegard E. Keller sagt.

Publikumspreis für Leipzigerin

Ronya Othmann bekommt den Publikumspreis (7000 Euro), weshalb Jurorin Insa Wilke „total erleichtert“ ist. Die in Leipzig lebende Othmann, Jahrgang 1993, hatte mit ihrer sprachlich raffinierten Auseinandersetzung mit dem Genozid an den Jesiden die Jury herausgefordert und im Rahmen der Diskussion zum Teil sprachlos gemacht.

„In Klagenfurt war, fand ich, das Wichtigste, als Autor die Jury hören zu können. Das Zweitwichtigste: als Autor mit anderen Autoren sprechen zu können“, alles „Dritt-bis Hundertwichtigste stört eher“, schrieb schon 1980 Bachmannpreisträger Stan Nadolny an Jury-Sprecher Marcel Reich-Ranicki.

Nackter Autor

Das Problem sei nicht die Jury, sondern seien „Fehler in der Organisationsform der Veranstaltung“. Der einzelne Autor sei dem Spiel „nackt“ ausgesetzt, „nackter als ihm gut tut“. Diese Nacktheit habe wenig damit zu tun, ob Kritiker etwas Böses sagen. „Sie wird womöglich noch manifester, wenn die Kritiker wenig oder nichts sagen.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat den Brief in ihrer Wochenende dokumentiert. Drei Jahre später, 1983, wurde Nadolny mit seinem Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ berühmt. Ähnlich erging es später Katja Lange-Müller, Wolfgang Hilbig, Birgit Vanderbeke, deren Bücher, „Kaspar Mauser – Die Feigheit vorm Freund“, „Eine Übertragung“ und „Das Muschelessen“ Erfolge feierten .

Vergleich der Argumente

Wäre das gelungen, ohne sich der Prozedur des Wettbewerbs auszusetzen? Brauchen Literatur und Literaten diese Form der Bewertung? Wozu dienen Preise und Ranglisten außer dem Verkauf oder der Bestätigung der Käufer? Verdienen heute, da Poetry-Slam-Ausscheide in aller Kürze Säle füllen und als Literatur wahrgenommen werden, nicht andere Text- und Präsentationsformate jene Aufmerksamkeit, die dem Bachmannpreis trotz allem zuteilwird?

Das Vorlesen am Tisch und anschließend stumme Ertragen der Beurteilung wirkt so museal, dass es schon wieder bewahrenswert ist. Zumal mit einer Kritik jenseits einer Daumen-hoch- oder Daumen-runter-Kultur digitaler Bewertungsplattformen. Live-Spektakel wie der Bachmannpreis ermöglichen einen Vergleich der Argumente – und überhaupt eine Begegnung damit.

Alle Texte, Diskussionen und weitere Informationen: bachmannpreis.orf.at

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