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Kultur Regional Sabine Eberts neuer Barbarossa-Roman ist spannend wie ein Krimi
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13:16 18.12.2018
Sabine Ebert bei der Premiere ihres neuen Romans „Schwert und Krone – Zeit des Verrats"  am 2. November 2018 im Salles de Pologne in Leipzig.
Sabine Ebert bei der Premiere ihres neuen Romans „Schwert und Krone – Zeit des Verrats" am 2. November 2018 im Salles de Pologne in Leipzig. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Er ist noch keine 30. Die schwere mit Edelsteinen besetzte Krone drückt. Gleich sitzt er auf dem Thron, auf dem schon Karl der Große Platz genommen hatte. Der ehrgeizige, gut aussehende Friedrich von Staufen ist am Ziel seiner Wünsche. In Aachen wird er 1152 zum römisch-deutschen König Friedrich I. gekrönt. Berauscht von Machtgefühlen schaut er herab auf die vielen edel gewandeten Fürsten, die er sich alle unterwerfen will. Entweder durch Bestechung mit Ländereien und Titeln oder im Falle der Verweigerung durch gnadenlose Bestrafung. Er fühlt sich als absoluter Herrscher. Nur sein Wille der zählt. Er will auch seine treu sorgende, aber ihn langweilende Frau Adela eintauschen gegen ein jüngere von höherem Stand. Den eigentlichen Thronfolger, den achtjährigen Friedrich, seinen Vetter, hatte er ausgebootet und dann großzügig in seine Obhut genommen.

Sabine Ebert macht das Mittelalter lebendig

Mit dieser Szenerie beginnt Sabine Ebert ihren dritten Band der großen Barbarossa-Saga „Zeit des Verrats“, der in Leipzig seinen Premiere erlebte. So lebendig, so plastisch hat vor ihr noch niemand das frühe Mittelalter mit seinen Machtkämpfen im römisch-deutschen Kaiserreich bis nach Dänemark wieder auferstehen lassen. Sie erzählt aus der Sicht der mittelalterlichen Herrscher und ihrer Gemahlinnen, lässt die Personen aus den ersten zwei Bänden weiter auf der historischen Bühne agieren (sofern sie noch leben). Die Figuren werden von Band zu Band facettenreicher, nehmen immer mehr Gestalt an, offenbaren starke Empfindungen und gedankliches Ringen um Entscheidungen, überraschen mit Edelmut oder mit Verrat. Der Leser fühlt sich mittendrin. Vor allem den Frauen jener Zeit gibt die Schriftstellerin Gesicht, Charakter und Stimme, wie der blutjungen Hedwig von Ballenstedt, die den deutlich älteren, jähzornigen Meißner Markgrafen Otto heiraten muss. Nur ihr allein gelingt es, diesen ungestümen, unberechenbaren Herrscher zu besänftigen.

Autorin gibt den Frauen des Mittelalters Gesicht und Stimme

Die Bestsellerautorin verfolgt mit sensibler, wortgewaltiger Erzählkunst den Weg der verstoßenen Königsgattin Adela, holt starke Frauen wie Uta von Calw oder Mathilde von Seeburg ins literarische Licht. Sie verleiht in ihrer unnachahmlichen Art, tief in die reale Geschichte einzudringen und sie lebendig werden zu lassen, ebenso den Herrschern ausgeprägte charakterliche Züge, Statur und, ja sogar, Gefühle.

Der Papst und Kaiser Barbarossa

Friedrich I., daran lässt die Autorin keinen Zweifel, ist überaus machtbewusst und ehrgeizig. Er will so schnell wie möglich auch zum Kaiser gekrönt werden. Doch das ist schwieriger als gedacht. Denn die Römer haben den Papst, der die Krönungszeremonie vornehmen soll, aus der Stadt gejagt und Rom zur Republik erklärt. Wer Friedrich also bei dieser heiklen Mission hilft, reichlich Truppen stellt und den Weg für den Papst freikämpft, der steht ganz oben in seiner Gunst. In einer Nacht- und Nebel-Aktion gelingt es Friedrich 1155 schließlich, dass Papst Hadrian IV. ihn in Rom zum Kaiser krönt. Als die Senatoren Roms, die den Kaiser wegen seiner rötlichen Haare und seines rötlichen Bartes verächtlich „Barbarossa“ nennen, davon Wind bekommen, folgt eine erbitterte blutige Schlacht. Die hätte Friedrich ohne seinen Vetter Heinrich den Löwen und dessen Heer nie gewonnen. Damit hatte der junge Herzog sich bewährt und konnte auf den Kaiser zählen.

Der Zorn des Kaisers traf Konrad von Meißen

Ganz anders erging es jenen, die sich in dieser oder jener Form gegen den Kaiser stellten. So mussten Jacza von Köpenick und seine Frau Agatha ihren einzigen Sohn als Geisel herausgeben. Kurz darauf erfuhren die geschockten Eltern, dass der sechsjährige Junge leider verstorben sei. Auch Markgraf Konrad von Meißen und der Lausitz bekam den Zorn des Kaisers zu spüren, weil er an einem konspirativen Treffen auf Giebichenstein bei Halle teilgenommen hatte. Dieses Kapitel, in dem der einst so mächtige und charismatische Markgraf, der seinen Besitz mit dem Schwert erobert hatte und Strippen zog bis in höchste Kreise, seine Waffen und Titel ablegt und sein Erbe

Sabine Ebert, Schwert und Krone, Zeit des Verrats, Verlag Knaur Quelle: knaur

aufteilt, um ins Kloster zu gehen, gehört zu den stärksten des Buches.

Der Leser ist mitten im Geschehen und fiebert mit

Überhaupt hat Sabine Ebert es geschafft, dass man als Leser von Kapitel zu Kapitel mitfiebert und unbedingt wissen will, wie es weitergeht. „Zeit des Verrats“ liest sich wie ein Kriminalroman mit ständig wechselnden Schauplätzen und vielen Spannungsbögen.

Es bleibt spannend – Arbeit am Band vier der Barbarossa-Romanfolge

Sabine Ebert behandelt im dritten Band die Jahre von 1152 bis 1157. Dieser relativ kurze Zeitraum gibt ihr Gelegenheit für viele detaillierte Blicke auf die handelnden Personen. Dabei gerät phasenweise die Hauptperson Barbarossa etwas an den Rand des Geschehens. Dafür beleuchtet die Bestsellerautorin andere, bisher wenig bis kaum bekannte Figuren des frühen Mittelalters umso intensiver. Sie hält die Spannung bis zum Ende des Buches. Es ist noch so viel offen, so dass Band vier, an dem die Autorin schon arbeitet, gar nicht schnell genug fertig werden kann.

Viele Stammtafeln und Karten als Zusatzgewinn im Buch

Wie bei allen ihren historischen Romanen hat Sabine Ebert, die Mitte November von Leipzig nach Dresden zog, auch für „Zeit den Verrats“ akribisch die Fakten studiert und mit Kartographen und Historikern zusammengearbeitet. Als wahren Zusatzgewinn für die Leser enthält das Buch zahlreiche Ahnentafeln der früheren Herrscherhäuser und historische Karten.

Sabine Ebert: Schwert und Krone - Zeit des Verrats, Knaur 2018, 656 Seiten, 19,99 Euro

Von Anita Kecke

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