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Kultur Regional Sächsisch ist die Sprache der Liebe
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14:37 11.07.2019
Was zählt mehr? Äußerliche und innere Schönheit? Szene des Freistaatstheaters im Mückenschlösschen. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Wer kennt ihn nicht, diesen Kerl mit der übergroßen Nase, landläufig oft in eins gesetzt mit Gérard Depardieu, der ihm im Film sein Gesicht gab? Nun pflegt der berühmte Mann im Garten des Mückenschlösschens seine unerfüllte Sehnsucht: Am Mittwoch erlebte dort „Cyrano de Bergerac – Liebe geht durchs Gebüsch“, inszeniert vom Freistaatstheater, seine Premiere.

Der historische Cyrano aus dem 17. Jahrhundert, Freidenker, Dandy, Hasardeur, aber auch begabter Dramatiker und Dichter, trat nach seinem Tod ein bis heute manifestes Nachleben auf der Bühne, in der Oper und im Film an. Der Text der Inszenierung von Katrin Buchner und Andreas M. Richter, die auch die Hauptrollen spielen, orientiert sich großzügig an dem der Geschichte zugrunde liegenden Versdrama von Edmond Rostand aus dem 19. Jahrhundert.

Die Poesie ist jedoch auf die Gegenwart eingeschworen: Zunächst wird den größtenteils von auswärts stammenden Zuschauern Grundsätzliches über die Sprache der Liebe, nämlich das Sächsische beigebracht. Die Lockerung des Unterkiefers und das Einüben typischer Wörter wie Modschegiebchen – denn der Held des Abends ist ganz dem hiesigen Dialekt verhaftet.

Cyrastian oder Christiano?

Dann kann es losgehen. Bei Vivaldi-klängen im Hintergrund gießt Cyrano die Blümchen, dichtet und notiert die schönen Liebesverse mit dem Federkiel auf einem Blatt Papier, das er aber aus Versehen liegen lässt. Die fesche Malerin Roxane findet es und erglüht für den ihr unbekannten Poeten. Nun gibt es Verwicklungen, denn der hässliche Cyrano will sich nicht zu erkennen geben und schickt seinen hübschen, aber wenig wortgewandten Freund Christian vor, dem er aus dem Gebüsch zuraunt, was er Roxane sagen soll. Christian jedoch entbrennt in Liebe zu Roxane, und Cyrano sieht schon die Felle davonschwimmen. Auf einem Maskenball spitzt sich der Konflikt zu, denn da stehen alle beide vor Roxane, quasi der äußerlich Schöne und der innerlich Schöne. In wen hat sich Roxane nun in ihrer romantischen Verzückung verguckt – in Cyrastian oder Christiano?

Bei diesem Theaterspiel ergibt sich die Komik aus dem den lyrischen Worten völlig inadäquaten mundartlichen Genuschel. Wenn Roxane sagt, sie wolle den Menschen sehen, der sie so tief berührt hat, heißt es lapidar: „Nu, da simmer“, und schon freut sich das auf fröhliche Unterhaltung eingestellte Publikum. Klug wird auch die herrlich grüne, von Sträuchern und dichten Baumbeständen bis an die Bühne zugewachsene Umgebung genutzt: Es macht einfach Spaß, zuzusehen und zuzuhören, wie aus dem Baumversteck in luftiger Höhe einmal Cyrano, einmal Christian dem anderen souffliert: „Isch spür ä Feuer in mir lodern!“

In barocken Alexandrinern wird also zum Glück nicht gesprochen, dafür darf man am Ende anstoßen „uff de Diefe eener windbewechten Oberfläche“, unter der es zuweilen mächtig brodeln kann. Ein leichter Spaß für einen Sommerabend.

Cyrano de Bergerac – Liebe geht durchs Gebüsch, von 17. Juli bis 29. August immer mittwochs und donnerstags (außer 31. Juli/1. August), jeweils 20 Uhr, Mückenschlösschen, Waldstraße 86, Karten für 15 Euro: 0341 9832051

Von Juliane Lochner

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