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Kultur Regional Schumann-Haus in Leipzig wird zum ersten Museum über eine Künstlerehe
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15:37 12.09.2019
Clara in Leningrad als poetische 3D-Zauberei. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Gegenstand der neuen Dauerausstellung im Leipziger Schumann-Haus, am Freitag, dem 200. Geburtstag Clara Schumanns, wird sie offiziell eröffnet und morgen zum Inselstraßenfest der Öffentlichkeit präsentiert, ist auf den ersten Blick recht beschränkt. Zwei Zeitstrahlen rahmen ihn ein. Der erste hängt in der neu gepflasterten Kutschen-Einfahrt an der rechten Wand und informiert parallel über Leben und Wirken Clara Wiecks und Robert Schumanns vor dem 12. September 1840, dem Tag der gerichtlich erstrittenen Heirat der beiden. Der zweite ziert eine Wand im Hörzimmer und reicht von 1844, dem Jahr des Umzugs von Leipzig nach Dresden, bis zum Tod Clara Schumanns in Frankfurt 1896. Ab 1856, dem Todesjahr Roberts, bleibt der untere Zeitstrahl hier leer.

Völlig undidaktisch und sehr sinnlich öffnet die neue Dauerausstellung im Schumann-Haus ein Fenster in eine Künstlerehe des 19 Jahrhunderts.

Im Kern geht es also nur um vier Jahre. Die vier Jahre, in denen die Schumanns im damals noch grünen Gürtel Leipzigs einen Haushalt führten, der Künstler und Geistesgrößen von weit her anlockte: Franz Liszt war Gast im Salon der gefeierten Pianistin und des einflussreichen Musikpublizisten, dessen Durchbruch als Komponist einstweilen auf sich warten ließ, Wagner suchte Kontakt und Anschluss, Mendelssohn war ein Freund.

Berühmte Gäste

Diesen Aspekt des Lebens in der seinerzeit keineswegs noblen Inselstraße bildet museologisch der Salon der beiden ab, der Konzertsaal des Museums: Hör-Features, die die berühmten Gäste zu Wort und Ton kommen lassen, holen Liszt und Wagner ins Heute, Mendelssohn und Ferdinand David, die Sängerin Wilhelmine Schroeder-Devrient oder Claras Mutter Marianne Bargiel geborene Tromlitz (1796–1872), die ebenfalls eine erstklassige Pianistin und Pädagogin war. Und Clara den ersten erstklassigen Klavierunterricht erteilte.

Davon wollte ihr Ex-Mann Friedrich Wieck natürlich nichts wissen, der den internationalen Erfolg der kleinen Clara und der reifen Frau Schumann einzig seinem eigenen eisernen, aber für die Zeit bemerkenswert fortschrittlichen Erziehungs-Regiment zuschrieb. Doch die Wahrheit kommt im „Ausbildungs-Raum“ zu ihrem Recht, der Claras fruchtbarer Einzelhaft am Klavier gewidmet ist, aber auch den ganzheitlichen Studien, die sie unter der Obhut des Vaters betrieb, der auch Klavierlehrer des gescheiterten Pianisten Robert Schumann war.

Eine Hand zum Spielen

Hier liegt eines der interessantesten Ausstellungsstücke des Museums: ein Abguss der rechten Hand Clara Schumanns – es ist eher eine Pranke, der man das legendär kraftvolle Spiel anzusehen glaubt, das Zeitgenossen an Clara priesen. Der Klangkünstler Erwin Stache hat sie fürs Schumann-Haus in Eschenholz gespiegelt, und auf dieser Holz-Hand Clara Schumanns kann nun der Museumsbesucher seinerseits spielen. Eine wunderbar sinnliche Brechung in einem Museum, in dem es ja auch und vor allem um Musik geht, um Kunst mithin.

Hier liegt eines der interessantesten Ausstellungsstücke des Museums: ein Abguss der rechten Hand Clara Schumanns. Es ist eher eine Pranke, der man das legendär kraftvolle Spiel anzusehen glaubt, das Zeitgenossen an Clara priesen. Der Klangkünstler Erwin Stache hat sie fürs Schumann-Haus in Eschenholz gespiegelt, und auf dieser Holz-Hand Clara Schumanns kann nun der Museumsbesucher seinerseits spielen. Eine wunderbar sinnliche Brechung in einem Museum, in dem es ja auch und vor allem um Musik geht, um Kunst mithin.

Hoher Verweilfaktor

Die steht auch im „Reise-Raum“ im Zentrum, der sich den Tourneen widmet, die Clara von Leipzig aus unternahm. Robert fand daran nicht allzu viel Gefallen, weil er sich schwer damit tat, der unbekannte Gatte der gefeierten Virtuosein zu sein. Aber das Zubrot zum Familieneinkommen war erstens wichtig, und zweitens setzte seine Frau sich auf diesen Tourneen durchaus auch für seine Werke ein. Zu sehen sind hier im Schrankkoffer Reise-Utensilien der Zeit, ein Kleid, Riechsalz, Kosmetika, und ein Nadelkissen, das tatsächlich aus Claras Nachlass stammt. Und: Die Animations-Poeten von den Buchstabenschubsern haben einen zauberhaften kleinen Film gemacht, der Strapazen und Wonnen der berühmten gemeinsamen Russland-Reise ahnbar werden lässt, für die Clara fürstliche 2300 Gulden Honorar erhielt. Überdies erleben Besucher sie beim Konzert im Engelhardschen Saal in Sankt Petersburg, während sie Mendelssohns ihr gewidmetes Frühlingslied spielt – als hinreißende 3-D-Projektion am Spielzeugflügel. Im Hörraum steht ebenfalls die Musik im Mittelpunkt, obwohl er auch ein Leseraum ist: Auf vier I-Pads mit Kopfhörern ist das Gesamtwerk der beiden abrufbar und soweit verfügbar als Partitur mitzuverfolgen. Dazu soll ausgewählte Literatur zum Schmökern einladen. Ein wunderbarer Raum.

Herzstück der Dauerausstellung ist allerdings der „Ehe-Experimentier-Raum“, der so einzigartig ist, wie es die Ehe der beiden Schlüsselgestalten der Romantik war. Drei beherrschende Themen im Zusammenleben der beiden werden hier in wunderbar gemachten raumgreifenden „visualisierten Features“ von Magdalene Melchers verhandelt: Kinder, Geld sowie Kunst und Liebe. Und hier, umgeben von erfreulich undidaktischen assoziativ betörenden Projektionen, ist wohl am ehesten zu spüren, was diese Verbindung so besonders machte: Wie Clara und Robert Schumann auf Augenhöhe versuchten, ihr Künstlertum und ihre Ehe, ihre Pflichten und ihre Liebe, den drückenden Alltag und die Höhenflüge des Geistes, die Freiheit des Denkens und die Zwänge des Lebens mit den Konventionen der Zeit zu vereinbaren. Dass dabei Clara nicht in die ideologischen Mühlen gerät, nicht zur frühen Ikone der Frauenbewegung stilisiert wird gehört zu den Vorzügen der von Beatrix Borchard, der zweifelsfrei derzeit besten Clara-Schumann-Kennerin, kuratierten Schau. Denn nur so kann sie den Blick wirklich weiten für die Künstlerin Clara Schumann, die der starken selbstbestimmten Frau in ihrem Inneren ebenso bedurfte wie der Partnerschaft mit Robert Schumann. Borchard: „Nur durch den jeweils anderen konnten die beiden so erfolgreich sein.“

Unideologisch

Nun hat Leipzig das erste Paar-Museum, das sich, wie Hausherr Gregor Nowak es nennt, „dem Experiment einer Künstlerehe auf Augenhöhe“ widmet. Was besonders augenfällig dadurch wird, dass Nowak für den Ehe-Raum auch die Rückseite von Ernst Rietschels berühmten Doppel-Relief herstellen ließ: Hier ist Claras Profil vorn.

Rund 480 000 Euro hat der Umbau des Hauses gekostet, die aus dem Etat der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien stammen, vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Stadt Leipzig, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Europäischen Stiftung der Rahn Dittrich Group, die im Schumann-Haus eine Schule betreibt. Darüber hinaus haben sich zahlreiche weitere Förderer und Sponsoren um die feine Multimedia-Dauerausstellung verdient gemacht. Nicht zuletzt die vielen Künstler, die sich mit Benefiz-Konzerten einbrachten.

Clara-Tram fährt vom Bahnhof

Die neue Schau soll ihre Inhalte vor allem sinnlich vermitteln, drum wird sie am Samstag im Rahmen eines großen Festes der Öffentlichkeit übergeben: Von 10 bis 16 Uhr ist das Museum bei freiem Eintritt geöffnet und vor dem Schumann-Haus und auf dem Hof der Freien Grundschule Clara Schumann präsentieren sich zahlreiche Akteure von „Clara 19“. Am besten erreicht man den Ort des Geschehens mit der „Clara-Tram“. Die fährt zwischen 10.30 und 14.30 Uhr am Hauptbahnhof ab und stimmt die Fahrgäste auf dem Weg zur Inselstraße mit Informationen, Entertainment und viel Musik ein

19.30 Uhr, Theater der Jungen Welt: Mädchenmonstermusik; Theaterstück mit Musik

20 Uhr, Schloss Schönefeld: Festmusik zum 200. Geburtstag Clara Schumann; Kammerchor Vox Humana, Ltg.: Martin Krumbiegel

20 Uhr, Schaubühne Lindenfels: .C.L.A.R.A.’S. – Tanzperformance; Leipziger Tanztheater, Choreograph: Wagner Moreira

20 Uhr, Gewandhaus: Großes Concert, Werke von Betsy Jolas, Clara Schumann, Robert Schumann; Lauma Skride (Klavier), Gewandhausorchester, Ltg.: Andris Nelsons

21 Uhr, Lindenfels Westflügel: Toccata – Ein Nachtstück über Robert Schumann; Figurentheater Wilde & Vogel

Samstag

10 Uhr, Schumann-Haus in der Inselstraße und Umgebung: Inselstraßenfest und Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Schumann-Haus

16 Uhr, Gewandhaus: Familienkonzert Claras Welt – waghalsige Akrobatik für zehn Finger, Clara Schumanns Klavierkonzert op. 7; Lauma Skride (Klavier), Gewandhausorchester, Ltg.: Andris Nelsons

19 Uhr, Polnisches Institut: Clara Schumann trifft Maria Szymanowska, Werke von Maria Szymanowska, Clara Schumann, Robert Schumann, Johannes Brahms; Anna Lipiak, (Klavier)

20 Uhr, Schaubühne Lindenfels: .C.L.A.R.A.’S. – Tanzperformance; Leipziger Tanztheater, Choreograph: Wagner Moreira

21 Uhr, Lindenfels Westflügel: Toccata – Ein Nachtstück über Robert Schumann; Figurentheater Wilde & Vogel

Sonntag

11 Uhr, Schumann-Haus: Historisches Konzert von Clara Schumann, Werke von Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Carl Maria von Weber, Frédéric Chopin, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Schubert; Ragns Schirmer, Peter Bruns, Romelia Lichtenstein

11 Uhr, Gewandhaus: Chorkonzert, Werke von Clara Schumann, Robert Schumann, Fanny Hensel, Felix Mendelssohn Bartholdy; Gewandhaus-Jugendchor, Ltg.: Frank-Steffen Elster

14.30, Musikinstrumenten-Museum im Grassi: Ach wie beneide ich Leipzig immer um seine Musik, Führung

18 Uhr, Gewandhaus: Quartettgesellschaft, Werke von Clara Schumann, Robert Schumann, Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms; Gewandhaus-Quartett

18 Uhr, Theater der Jungen Welt: Mädchenmonstermusik; Theaterstück mit Musik

20 Uhr, Schaubühne Lindenfels: .C.L.A.R.A.’S. – Tanzperformance; Leipziger Tanztheater, Choreograph: Wagner Moreira

21 Uhr, Lindenfels Westflügel: Toccata – Ein Nachtstück über Robert Schumann; Figurentheater Wilde & Vogel

18. bis 22. September

Kammermusikfestival „10 für Clara“ im Schumann-Haus, im Bach-Museum, in der Alten Nikolaischule, in der Edvard-Grieg-Begegnungsstätte, Antje Weithaas, Dong Suk Kang, Sayako Kusaka (Violine), Pauline Sachse (Bratsche), Marie Elisabeth Hecker, Peter Bruns (Cello), Benedikt Huber (Kontrabass), Martin Helmchen, Antti Siirala, Annegret Kuttner (Klavier) spielen Werke von Clara Schumann und ihren Zeitgenossen.

www.clara19.leipzig.de/programm

Von Peter Korfmacher

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