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Kultur Regional Schwedischer Frühling – so war Abbamania in Leipzig
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14:45 15.03.2019
Abbamania in der Arena Leipzig. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Alles ganz ohne Sentimentalität oder bemühte Nostalgie: Bei der größten Abba-Tribute-Show der Welt ging der Generationenwechsel zwanglos und mit Freundschaft vonstatten. Die vor über 20 Jahren von den originalen Benny und Björn selbst ermutigten Gründerinnen Katja Nord und Camilla Dahlin ziehen sich als Sängerinnen zurück und sind ab sofort die künstlerische Leiterinnen von „Abbamania – The Show“. Auf den großen Tournee-Bühnen bestimmen jetzt Ulrika Maria Gustafson als Agnetha und Maria Höglund als Anni-Frid Puls und Tempo der Show, die am Donnerstag in Leipzig zu erleben war.

Erwartungsgemäß versetzten sie die nicht ganz volle Arena in das genau richtige Abba-Feeling und wirken tatsächlich wie die Doubles des Quartetts in seiner Hochphase vom Grand-Prix-Sieg 1974 bis Ende 1982. Diese Abba-Gold-Tournee führt die Formation und die Mitglieder des London Symphonic Rock Orchestra noch bis 24. März durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Nicht nur Zustimmung

An den Rändern der vorderen Reihen und auf den hinteren Tribünen der Arena summen und singen alle Altersgruppen freudig mit. Die Textkenntnisse sind bei den Unter-30-Jährigen erstaunlicherweise besser als in der Gruppe Ü50. Das liegt nicht nur an den vielleicht besser konditionierten grauen Zellen der Jüngeren, heute vergisst man, dass in den Jugendjahren der Hauptzielgruppe das schwedische Pop-Quartett nicht nur Zustimmung fand.

Die Show Abbamania war am 14. März 2019 in der Leipziger Arena zu Gast.

Erst seit der Jahrtausendwende herrscht Einigkeit darüber, dass der optimistische Abba-Sound jubelsatt und krisenresistent ist, kleinere menschliche Eintrübungen sogar tröstend erträglicher macht. Gerade die spätberufenen Abba-Anhänger haben die größeren Textlücken.

Frauen vorn, Männer hinten

Es ist ein Abend der starken Frauen, nachdem der nur zur Sicherheit am Dirigentenpult stehende Hauke Wendt die Fans mit einem Kavaliers-Charme, der seine Vorbilder in den Glückwunschkonzerten der Nierentischzeit hat, begrüßt und das Finale mit der unverwüstlichen „Dancing Queen“ angekündigt hat. Besonders umjubelt werden „Fernando“ und „Chiquitita“. Die Hitskala ist stark – von „Waterloo“ am Beginn bis zum Schluss. Auch in der Tribute-Show musizieren „Benny“ und „Björn“ hinter den Frauen.

Zu Saxophon-Veteran Ulf Andersson mit seinem nach wie vor Ohrwurm-Qualitäten beweisenden Solo in „I do, I do, I do, I do“ kommt ein anderer, erst kurzfristig dazu gestoßener Stargast: Janne Schaffer war einst an der Einspielung der Hälfte aller Abba-Songs beteiligt und ein enger Vertrauter der schwedischen Pop-Legenden.

Er kommt so, wie man ihn in Erinnerung hat: schwarze Kluft, rote E-Gitarre, kräftige Griffe in die Saiten. Er ist auf der Hauptbühne der einzige dunkle Fleck inmitten eines optimistischen Show-Märchens in den Farben Blond, Weiß, Marineblau. Überhaupt die Kostüme: ein Traum genau an der Schnittstelle von Mondbasis Alpha Eins und neuer Operette.

Erstaunlich zeitlos

Erstaunlicherweise rudert die Technik mehr in der Vergangenheit als die beiden Protagonistinnen Ulrika Maria Gustafson und Maria Höglund. Ihnen geht es um den Charakter ihrer Vorbilder, weniger um anatomisch-physische Verwandlungskünste. Das macht sie noch sympathischer.

Doch der Sound ist für die weitaus kleinere Orchesterbesetzung als angekündigt etwas flach und vor allem in den Höhen zerfasert, selbst wenn die Damen der Streichergruppe und die an den drei Schlagzeugen nur als Silhouetten wahrnehmbaren Herren sich mächtig ins Zeug legen. Die Arrangements selbst, außer vielleicht ein paar breiter gezogenen Bässen und dem etwas rundlicheren Hall, klingen erstaunlich alters- und zeitlos.

An diesem Abend gibt es wahrscheinlich niemanden, die oder der die Arena nicht freudig oder zumindest heiter verlassen hätte. Draußen ist es noch immer schneidend kalt und nass. Sogar nach fast 50 Jahren klingen „Fernando“ und „Chiquitita“ noch immer wie ein kleines Frühlingserwachen.

Von Roland H. Dippel

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