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Kultur Regional Sharon Steiner mit Band im Leipziger Ariowitsch Haus
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11:39 27.06.2019
Sharon Brauner mit Band im Ariowitsch-Haus. Quelle: kfm
Leipzig

„Der Sommerwind“ ist grausam. Draußen ist er es ohne, im Ariowitsch-Haus mit Anführungszeichen. Denn die ersten Minuten des Konzerts zur Jüdischen Woche von Sharon Brauner mit exzellenter Band im anständig besuchten Ariowitsch-Haus kann man getrost in den Skat drücken: Henry Meiers Schlager, 1965 komponiert für Grethe Ingmann, zu internationalen Ehren gekommen mit Johnny Mercers englischem Text und gesungen von Frank Sinatra als „The Summerwind“, bereitet keine Freude. Sharon Brauners Intonation ist zu unterirdisch, um noch als exotisch oder wenigstens weltmusikalisch durchgehen zu können. Dazu umfängt ein Hall die frei flottierende Singstimme, als beschallten die Fischer-Chöre einen zum Schwimmbad umfunktionierten Kölner Dom.

„Beim Sundcheck war alles wunderbar“

Das ist so daneben, dass ziemlich schnell klar ist: An Brauner kann es nicht liegen. Dafür klingt ihre gerade, energetische, mädchenhafte und ziemlich sicher geführte Stimme doch zu souverän. Dafür ist auch der Hals des sonst meist tiefenentspannten Bassisten Daniel Zenker zu dick. Nein, es liegt ziemlich klar am Sound. Und wenn Brauner sich immer wieder wundert, beim „Soundcheck war alles wunderbar“, drängt sich die Frage auf, warum seine Ergebnisse nicht ins Konzert fanden.

Denn sie tun es bis zum Ende anderthalb Stunden später nicht. Zwar sind der Monster-Hall und die Selbsthörungs-Probleme im akustisch ohnehin problematischen Saal nach Zenkers Intervention Geschichte. Doch die garstig fiependen Rückkopplungen sind es zunächst nicht. Und als die abgestellt sind, ist Brauners Stimme zu leise abgemischt – bis zur zweiten Zugabe.

Keinen Raum für Meckereien

Man kann das unprofessionell finden – aber sich kaum darüber ärgern. Denn was die singende Schauspielerin da über 17 jiddische, hebräische, russische, deutsche und gemischtsprachige Songs, Lieder, Balladen, Tangos, Moritaten und halbdramatische Szene hinweg anstellt, das lässt keinen Raum für Meckereien.

Denn Sharon Brauner ist das geborene Bühnen-Vieh. In ihren Moderationen wickelt sie, Rückkopplung hin wie her, das – sehr gemischte – Publikum um den kleinen Finger ihrer linken Hand. Sie tanzt und springt und flirtet mit allen gleichzeitig, schmachtet ihren 95-jährigen Vater in der ersten Reihe an, erzählt Geschichten auf Jiddisch, liebt hebräisch – und in beiden Fällen braucht niemand die Sprache, um zu verstehen, was sie meint. Weil Sharon Brauners leicht herbe Stimme, ihre mädchenhafte Aura, ihr unbändiges Temperament, ihre unwiderstehliche Koketterie sie die Lieder nicht singen lassen, sondern ausleben.

Wer dies kurzschließt mit der Berliner Schnauze der Schauspielerin und Moderatorin, der versteht, dass nicht nur die Hauptstadt nach 1933 einen großen Teils ihres kulturellen Herzens verloren hat.

Von Peter Korfmacher

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