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17:56 01.12.2019
Doppelhalsgitarre, fünfsaitiger Bass, Keytar: Uwe Hassbecker, Jäcki Reznicek und Ritchie Barton auf den Spuren der schrill-düsteren 80er-Jahre. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Mit seligem Grinsen und leicht roten Köpfen nehmen sich die sieben Musiker am Ende in die Arme und verbeugen sich. Am Schlagzeug klemmt ein Herz-Luftballon, der gerade vom Publikum zur Bühne geschwebt ist. „Geil, geil, geil“, ruft Bassist Jäcki Reznicek. Keyboarder Ritchie Barton sagt „danke, dass ihr uns so unterstützt bei unserem dritten Neuanfang. Silly 3.0 – wir hoffen es bleibt dabei.“ Gitarrist Uwe Hassbecker hebt den Kopf: „Danke, meine Heimatstadt!“ Er ist vor 59 Jahren in Leipzig geboren.

Von ihren Sitzplätzen haben sich die 1400 Zuschauer im seit Monaten ausverkauften Haus Auensee da längst erhoben. Gut zweieinhalb Stunden zuvor waren das Trio sowie Schlagzeuger Ronny Dehn und Hassbeckers Sohn Daniel an Tasten-, Zupf und Streichinstrumenten Samstagnacht mit dem psychedelischen „Unterm Asphalt“ ins Rampenlicht getreten. Doppelhalsgitarre, fünfsaitiger Bass, Keytar – willkommen in den schrill-düsteren 80er-Jahren. Ein Effektgerät verzerrt Uwe Hassbeckers Stimme.

Auf großer Deutschlandtour begehen Silly ihr 40-jähriges Bestehen. Am Samstag feierte die Rockband im Haus Auensee mit ihren Leipziger Fans.

Julia Neigel malt kurz darauf keine „Schatten an die Wand“(wie ihr eigener Hit Ende der 80er hieß). Vielmehr fegt sie zu „Ich sag nicht ja“ über die Bühne und zugleich mal schnell Jahrzehnte weiter: Das nach vorne gehende Lied stammt von 2010. Bald fordert die Rockröhre „Standing Ovations für 40 Jahre Silly“. Von da an handelt es sich nicht mehr um ein Sitzkonzert: Die Leute stehen nicht lediglich, sie tanzen. Genau genommen sind es zwar 41 Jahre, aber von den Anwesenden war bei der Bandgründung 1978 ohnehin keiner dabei. Als erster stieß 1982 Barton dazu.

„Zehn Alben – zehn Städte – zehn Shows“ haben sich Silly vorgenommen. In Leipzig rücken sie die Platte „Februar“ in den Mittelpunkt, die erste, die 1989 fast gleichzeitig in der DDR und in der Bundesrepublik erschien. In einem der Filmeinspielungen, die sich über das Konzert verteilen, erzählt Hassbecker, wie „erstaunlich es aus heutiger Sicht“ sei, „was da alles zur Sprache gekommen ist“. Zumal die Lieder bereits Ende 1988 im Kasten gewesen seien. „Es waren Zeilen, die man gefühlt hat. Was wir uns getraut haben zu sagen, das mussten wir einfach.“ Neben dem damaligen Stammautor Werner Karma schrieben für „Februar“ auch Tamara Danz und Gerhard Gundermann zusammen einige Texte.

„Wenn ich sterbe, lasst nicht auch noch Silly sterben“

„In die warmen Länder würden sie so gerne flieh’n /Die verlornen Kinder in den Straßen von Berlin“ ist so ein Refrain. AnNa R. singt davon in Leipzig und später auch das Lied über die „Paradiesvögel“: „Paradiesvögel sperrt man nicht ein. Sie brauchen den Himmel ganz – ein Stück ist zu klein.“

Julia Neigel mit Soul und Seele, AnNa R. mit charismatischer Melancholie – beide füllen sie die Silly-Poesie mit Leben, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Dort sollen Barton, Hassbecker, Reznicek stehen. Und irgendwie auch die unvergessene Tamara Danz. Bei „Asyl im Paradies“ verlassen die Sängerinnen Hand in Hand die Bühne. Auf der Leinwand ein Foto von Tamara Danz und ihre Stimme vom Tonband zu Ritchie Bartons Klavier: „Gib mir Asyl, hier im Paradies. Hier kann mir keiner was tun ... Nur den Moment, um mich auszuruh’n.“ Reznicek hat vorab erklärt, sie habe den Text lange vor ihrer Krebsdiagnose verfasst. „Hatte sie schon eine Vorahnung?“ Zehn Tage vor ihrem Tod 1996 habe sie ihn gebeten: „Wenn ich sterbe, lasst nicht auch noch Silly sterben.“

Die Liebeshymne „Bataillon d’Amour“, hier von AnNa R. intoniert, ist eh nicht totzukriegen. Mit Bartons analogen Synthesizern, Rezniceks agil-melodiösem Bassspiel und Hassbeckers teils klirrender Gitarre kehrt zwischen Prog-Bombast, New Wave und psychedelischem Folk im Laufe des Abends zunehmend eine Ahnung von Silly der 80er- und 90er-Jahre zurück. Düster und zugleich lebensfroh, nachdenklich und dennoch oft selbstvergessen, himmelhoch­jauchzend­zutode­betrübt.

„So wie wir es tun, passiert’s auch“

Die Tour trage die Überschrift „Analog“ einerseits wegen der Form der damaligen Klangerzeugung, erklärt Barton. „In den letzten Jahren haben wir dagegen eher weniger alte Sachen gespielt.“ Andererseits sei die Band auf der Bühne ohnehin analog: „So wie wir es tun, passiert’s auch. Und wenn ihr uns Impulse gebt, versuchen wir, sie aufzunehmen.“

Anna Loos, die vor einem Jahr aus der Gruppe ausstieg, wird offenbar nicht allzu sehr vermisst. Selbst wenn es einer der größten Hits ihrer Ära ist, der einen fulminanten Punkt unter das reguläre Programm setzt: Zu „Alles rot“ schweben aus den ersten beiden Reihen die Herz-Luftballons Richtung Bühne. Als der Saal alleine singt, lobt Hassbecker, der gebürtige Leipziger: „Ihr seid alle Thomaner!“

Bei der Zugabe ist zuerst Julia Neigel im ältesten Lied dieser Nacht, „Tanzt keiner Boogie?“ von 1981, ganz in ihrem Element und bewegt sich überaus sehenswert zur Musik. Danach interpretiert AnNa R. das Liebeskummerlied „Wo bist du?“ so berückend, wie sie es schon tat, als Rosenstolz vor Jahren Silly coverten. Bleibt noch, dass Hassbecker zum Schluss seine Geige auspackt und ein großartiges Konzert mit „Bye Bye“ sein vielstimmiges Ende erhält: gesungen von Julia Neigel, AnNa R. und all den Fans. „Bye Bye, Leipzig“, schreiben Silly tags drauf auf ihre Facebook-Seite. „Wir kommen wieder!“

Von Mathias Wöbking

Als der schwarze Vorhang fiel, gab es beim Publikum kein Halten mehr. Joey Kelly stand mit Gitarre, umgeben von seinen Geschwistern Kathy, Patricia, Paul, Jimmy, John und Angelo auf der Bühne und stimmte den Hit „Why Why Why“ an. Die Kelly Family machte auf ihrer Jubiläumstour am Freitag in der ausverkauften Arena Leipzig Station.

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