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Kultur Regional Slipknot begeistern mit ihrem Horror-Metal-Zirkus in der ausverkauften Arena Leipzig
Nachrichten Kultur Kultur Regional Slipknot begeistern mit ihrem Horror-Metal-Zirkus in der ausverkauften Arena Leipzig
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08:35 18.06.2019
Liefern bösen Cocktail für die Fanfamilie: Slipknot in der Arena Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Ein wenig erinnerten die medialen Spekulationen an die Umstyling-Dramen bei „Germany’s next Topmodel“: Wie werden die neuen Masken von Slipknot aussehen? Was bedeuten sie? Werden sie den Ansprüchen der Fans genügen?

Zumindest was Sänger Corey Taylors eigentümlichen neuen Look zwischen autistischem Serienmörder und Mondfisch angeht, muss man auf letztere Frage klar antworten: Jein. Alle paar Jahre variiert der Horror-Metal-Zirkus aus Iowa seine dennoch unverwechselbare Kombination aus Maske und Overall, diesmal anlässlich ihres lange erwarteten, kommenden sechsten Studioalbums.

Die Treue der Fans

Mit den ersten neuen Songs im Gepäck juckt es sie schon einmal live wieder in den Gliedern, und so luden sie am Montagabend in der ausverkauften Arena bei einem von nur zwei Einzelkonzerten in Deutschland in diesem Jahr zum Metal-Maskenball.

Slipknot am 17. Juni 2019 in der Arena Leipzig

Bereits am Morgen lagern die ersten Fans vor der Halle, Stunden noch, bevor allein der Soundcheck durch das anliegende Waldstraßenviertel dröhnt. Auch insgesamt bestechen die „Maden“ („Maggots“), wie Slipknot ihre Anhänger liebevoll nennen, durch Treue.

Es ist ja immer eine kleine Glaubensfrage, ob man zum Konzert nun T-Shirts der auftretenden Band trägt oder lieber zu Artverwandtem optische Verbindungen zieht. In der Arena scheint die Entscheidung eindeutig: Slipknot-Schriftzüge und Logos, soweit das Auge reicht.

Schüsselweise Testosteron

Dass die Vorband Code Orange von vielen bestenfalls nett zur Kenntnis genommen wird, verwundert hier kaum. Allerdings hat es in diesem Fall auch andere Gründe: Das Hardcore-Quintett aus Pittsburgh hat offenbar ein paar Schüsseln Testosteron zu viel gefrühstückt und wirkt mit brunftigem Gehabe zuweilen wie eine Karikatur seiner selbst. Daran kann auch die Dame in der Band kaum etwas ändern.

Für Slipknot hernach hätte es die Pyroeffekte zur Hitzeentwicklung nicht gebraucht, die Halle kocht bald von selbst, während die Security fleißig Wasser ins Parkett reicht. Die trotz ihrer Härte recht virtuos ausdifferenzierte Musik kommt anfänglich kaum durch den frenetischen Jubel.

Mehr als fiese Clowns

Längst sind Slipknot nicht mehr nur die anarchisch über die Bühne tollenden fiesen Clowns. Mit den Jahren kippte ihr Look in den düsteren Kosmos von Monstern, Serienkillern und sonstigen Albtraumfiguren. Auch ihre zunehmend inszenierte Horrorshow wurde düsterer und dystopischer, nicht umsonst bekamen sie dereinst das Presse-Prädikat „Blue Man Group aus der Hölle“.

Die spektakuläre, mit allerlei Effekten ausgestattete, vierstöckige Bühne irgendwo zwischen Kanalisation, Genlabor und Industriebrache, bietet dem bewegungsfreudigen Neunerpack reichlich Auslauf. Besonders DJ Sid Wilson tut sich dabei gern als psychotischer Schauspieler hervor.

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Natürlich zeigt dies alles, dass das audiovisuelle Gesamtereignis Slipknot ohne Inszenierung, besonders ohne die heiß diskutierten Masken, nur halb so spektakulär wäre. Aber auch ihre Musik fügt sich nahtlos in den bösen Cocktail: Brachialer (Nu-)Metal-(Hard-)Core mit monströsen Percussion-Landschaften und verstörenden Synthesizer- und DJ-Samples. Dazu Taylors virtuose Stimme, die von melodischem Gesang von klar bis sonor mühelos zu Screamen und Growlen wechselt und abdeckt, wofür andere Bands mehrere Vokalisten brauchen.

In dieser Überladung an virtuosem Krach und Bombast-Horror-Show gleicht das Konzert einem reinigenden Gewitter – ganz im Sinne ihres Hits „Spit it out“: Der negativen Energien entledigt schlendert das durchgeschwitzte Publikum danach gut gelaunt gen Ausgang.

Trotz aller Düsternis gibt Taylor vorher noch einen betont bunten Fingerzeig mit auf den Weg: Gerade weil Slipknot mehr sind als Musik, versteht er die Gemeinschaft der Fans als internationale Familie oder Kultur. Und diese Familie heißt jeden willkommen, ganz gleich welchen Glaubens, welcher sexueller Orientierung, Hautfarbe oder Herkunft.

Die Fanfamilie beim Slipknot-Konzert in der Arena Leipzig. Quelle: André Kempner

Von Karsten Kriesel

Schauderhafte Masken, harte Riffs und die rauchige Stimme von Sänger Corey Taylor sind seit 1997 die Markenzeichen der US-amerikanischen Band Slipknot. Wenige Monate vor der Veröffentlichung ihres sechsten Studioalbums machte die Gruppe in Leipzig Station.

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