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Kultur Regional So präsentiert sich Leipzigs Museum der bildenden Künste auf Instagram
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10:34 20.11.2018
Es geht um das Interesse, sagt Leipzigs Museumsdirektor Alfred Weidinger. Und Instagram kann es wecken – vor allem bei jüngeren Besuchern. Quelle: Patrick Moye
Leipzig

Schöne Menschen, die Bilder betrachten, Detailaufnahmen von Kunstwerken: Der Instagram-Auftritt des Leipziger Museums der bildenden Künste ist wie ein virtuelles Museum. Er ist vor allem auch: genauso sorgfältig durchkuratiert wie die Ausstellungen im MdbK. Denn die Onlineplattform Instagram, auf der kostenlos Fotos und Videos geteilt werden können, ist für das Museum extrem wichtig.

„Wir freuen uns über einen Instagram-User genauso wie über einen Besucher, der zur Tür reinkommt – beide haben Interesse, darum geht es doch“, sagt Museumsdirektor Alfred Weidinger. Seit dem 1. August 2017 ist er Direktor des MdbK. Er schuf eine eigene Stelle im Haus, die sich nur um Instagram kümmert. Dem Account folgen 11 300 Menschen.

Diese Chance sollten mehr Museen in Deutschland nutzen, meint er: „Seit etwa drei Jahren ist Instagram eines der wichtigsten Kommunikationsmittel in der Branche.“ Weltweit nutzt eine Milliarde Menschen das Netzwerk, in Deutschland sind es immerhin 15 Millionen – Tendenz steigend. Dass es hier möglich ist, eine jüngere Zielgruppe zu erreichen, merken immer mehr Museen und Galerien – auch in Leipzig.

Nur ein Spielzeug

Nicht nur das MdbK ist auf Instagram aktiv, auch das Grassi Museum für Angewandte Kunst, die G2 Kunsthalle, die Galerie für Zeitgenössische Kunst, der Leipziger Kunstverein – um nur einen Bruchteil zu nennen. Sie teilen Einblicke in aktuelle Ausstellungen, Hintergrundinformationen, Informationen zu Vernissagen. Ist das soziale Netzwerk nur ein Spielzeug, ein Kommunikationsmittel unter vielen – oder unverzichtbar?

Der Galerie eigen+art, ansässig in Leipzig und in Berlin, hat auf Instagram 27 100 Abonnenten. Dass eine Galerie die Fotoplattform nutzt, findet Galerist Judy Lybke nur natürlich. „Künstler sind immer auf der kreativen Ebene unterwegs, sie nutzen alles, was sich neu entwickelt.“

Als unverzichtbar würde er Instagram nicht bezeichnen. Er sieht die Plattform eher pragmatisch: „Wir nutzen technische Hilfsmittel“, sagt er schlicht. Besonders wichtig sei ihm die Interaktion mit den Nutzern. Instagram helfe dabei, die Leute teilhaben zu lassen, zu zeigen, wie eine Galerie funktioniert.

Angebot für die Studentenstadt

„Wir haben eine sehr hohe Interaktionsrate. Die Menschen, die uns schreiben oder uns verlinken, erhalten auch Antworten. Das ist wichtig“ , sagt auch Weidinger. Ulrike Pitz, die den Instagram-Auftritt des Grassi Museums verantwortet, erzählt: „Die Interaktion auf Facebook ist viel niedriger als auf Instagram, wo uns viel weniger Menschen abonniert haben.“

Über Instagram erreichen die Museen vor allem die junge Zielgruppe, Menschen bis etwa 25 Jahre. Und die kommen dann auch ins Haus, sagt Weidinger: „Wie intensiv wir Instagram nutzen, spiegelt sich deutlich im Museum wider. Als ich im MdbK begann, wurde das Museum vorwiegend von älteren Menschen besucht.

Aber Leipzig ist doch eine Studentenstadt, mit einem sehr kunstaffinen und jungen Publikum. Nach einer kurzen Untersuchung haben wir festgestellt: Das Hauptkommunikationsmittel dieser Community ist Instagram.“

Schnappschuss aus dem Atelier

Instagram ermöglicht es Galerien und Museen also, sich und die eigenen Veranstaltungen zu promoten. Das Netzwerk wird von allen Akteuren zumindest als wichtig bezeichnet. Auch für die andere Seite ist das Medium wichtig und neu: für die Künstler. Marie Athenstaedt ist freie Künstlerin.

2014 machte sie ihr Diplom an der Kunsthochschule in Dresden. Im Herbst vergangenen Jahres kam sie nach Leipzig, hat ein Atelier auf dem Spinnereigelände, versucht jetzt erst einmal, „anzukommen und sich zurechtzufinden“, wie sie sagt.

Auf Instagram folgen ihr 730 Menschen, sie postet dort Eindrücke ihrer Arbeiten, ab und zu einen Schnappschuss aus dem Atelier. Instagram sei extrem nützlich, um sich in der Szene zurechtzufinden und um sich dort selbst zu positionieren, meint Athenstaedt. „Da kommen definitiv Netzwerke zustande.“

Athenstaedt versucht, „vor allem die Leute aus dem Kunstkreis“ anzusprechen. „Ich suche auch gern nach anderen Künstlern und schaue mit auf Instagram ihre Arbeiten an. Gleichzeitig kann man die Menschen für sich interessieren.“

Doch sie sagt auch: „Man sollte aufpassen, die Kunstwerke auf Instagram nicht zu degradieren. Sie sollten nicht Teil einer Kulisse oder einer Darstellung werden. Es ist sehr schwierig, wenn man nur noch darüber nachdenkt, wie man etwas für Instagram präsentieren kann. Das verstellt dir deinen Blick.“

Im gelben Pullover vor einem gelben Bild

Immer wieder kommt von Kritikern auch der Vorwurf, dass Kunst nur noch so ausgestellt wird, dass sie auf Instagram gut präsentiert werden kann. Rückt das Kunstwerk in den Hintergrund, weil ein Mensch im farblich passenden Pullover davor posiert?

Alfred Weidinger sagt: Nein. Denn man müsse klar unterscheiden zwischen der richtigen Kunst im Museum, in der Galerie oder im Atelier, und deren Präsentation auf Instagram. „Jedes Image auf Instagram ist für uns ein Teaser. In diesem Sinne ist das Motiv eines Besuchers im gelben Pullover vor einem gelben Bild durchaus legitim.“

Weidinger vergleicht das mit den im Barock sehr beliebten Repoussoir-Figuren, figurale Randerscheinungen auf einem Bild, deren einzige Funktion es ist, den Blick des Betrachters in die Tiefe zu ziehen. „Das auf Instagram gezeigte Kunstwerk wird dadurch nur noch interessanter.“

Eines ist Marie Athenstaedt am Ende noch wichtig: „Ich nutze gerne Instagram, aber man sollte genug Abstand und Reflexion haben. Auf die Reflexion kommt es an.“ Sinnvoll nutzen, ja. Vereinnahmen lassen will sich aber niemand von dem sozialen Netzwerk. Und das ist auch gut so.

Von Sophie Aschenbrenner

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