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Kultur Regional So war das Konzert von Tokio Hotel in Leipzig
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10:27 01.06.2019
„Vor ungefähr 30 Jahren war meine Mama hier irgendwo im Krankenhaus“: Sänger Bill Kaulitz von Tokio Hotel beim Konzert im Leipziger Haus Auensee. Quelle: Thomas Kube
Leipzig

Weniger Kreischen und weniger Tränen. Dafür leuchten die Telefone, wenn Tokio Hotel spielen. Und der Fanchor ist noch immer beeindruckend textfest. Am Freitagabend hat die Band, die zwischen 2005 und 2010 eines der begehrtesten Teenie-Phänomene war, im Haus Auensee etwa 2000 Fans für anderthalb Stunden durchaus glücklich gemacht.

Wie waren Tokio Hotel drauf?

„What a beautiful day“, begrüßte Bill Kaulitz die 2000 Fans allen Ernstes auf Englisch. Um aber kurz darauf doch ins Deutsche zu wechseln. Es sei schön, mal wieder in der Geburtsstadt aufzutreten. „Vor ungefähr 30 Jahren war meine Mama hier irgendwo im Krankenhaus. Wir wissen zwar nicht mehr viel davon. Aber ich weiß, dass ich diese Stadt besonders mag.“ Später betonte der Sänger immer wieder, wie heiß es „hier bei euch in Leipzig“ doch sei. Aber war das ein Lob? Oder schwitzte Bill Kaulitz einfach in seinen spektakulären Klamotten?

Wie war die Stimmung?

Mit beeindruckender Textsicherheit schwelgten die Fans nicht nur in den alten Liedern („Durch den Monsun“ durften sie über weite Strecken alleine singen.) Sondern auch bei „Melancholic Paradise“ der noch nicht erschienenen nächsten Platte hätte die Band das Singen ganz der Menge überlassen können. Auffallend: Das Publikum setzte sich keineswegs ausschließlich aus Mädchen Mitte 20 zusammen, die seinerzeit im Zielgruppe-Teenie-Alter waren. Bestimmt ein Viertel waren männlich. Sind sie aus Liebe zu ihren Freundinnen mitgegangen? Oder wegen des Stilwechsels der Band vom Emo-Hardrock zum Synthiepop selbst Fans geworden? Sogar ein paar Menschen, die schon damals im Elternalter gewesen sein müssen, waren da.

Auf der letzten Deutschland-Station ihrer „Melancholic Paradise“-Tour haben Tokio Hotel im Haus Auensee in Leipzig rund 2000 Fans begeistert.

Was waren die Höhepunkte?

Nach „Stop, Babe“ ließ die Band Gitarrist Tom Kaulitz allein: für eine durchaus mitreißende Soloshow an einer Loop-Station. Nacheinander spielte er Gitarre, Keyboards, Schlagzeug, sang und dirigierte sogar die Winkebewegungen des Publikums. Auch toll: Wie sich Bill Kaulitz von einer Videokamera beäugt hinter der Bühne ein Kleiner-Prinz-Kostüm überzog. Und wie Tom Kaulitz, Bassist Georg Listing und Schlagzeuger Gustav Schäfer, nachdem der letzte Akkord verklungen war, eifrig Drumsticks, Plektren und Handtücher ins Publikum warfen.

Wie waren Sound und Bühne?

Tokio Hotel Leipzig“ leuchtete im Hintergrund. Aber zunächst wirkte der Bühnenaufbau eher wie ein Käfig. Die Show wäre auch für die Arena geeignet. Auf der kleineren Bühne erhöhten Leuchtstäbe am vorderen Bühnenrand und ein gehöriges Nebelaufkommen aber leider die gefühlte Distanz zwischen Band und Zuschauern. Der Sound war mitunter bei den neueren Liedern breiig. Dagegen beschränkte sich die Band bei den alten Stücken klanglich ohne elektronischen Schnickschnack auf die Instrumente, die man sah: Gitarre, Schlagzeug, Bass – und der Sound war ebenso klar.

Wie hoch war der Unterhaltungsfaktor?

Bill Kaulitz hat die Aura, die 2005 einen Großteil des Erfolgsgeheimnisses von Tokio Hotel ausmachte, auf der Bühne bis heute kaum verloren. Er leuchtet mehr als aller Schnickschnack: Man muss ihm auch im reifen Alter von 29 immerzu einfach zuschauen, was er da macht. So tritt vom Unterhaltungsfaktor her eindeutig in den Hintergrund, dass die Verlobte von Zwillingsbruder Tom, eine gewisse Heidi Klum, die angeblich die Tour weitgehend begleitet, offenbar nicht – jedenfalls nicht sichtbar – im Haus Auensee in ihren 46. Geburtstag am 1. Juni reinfeiern wollte. Später wurde dann bekannt: Sie war doch dabei in Leipzig.

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Von Mathias Wöbking

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