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Kultur Regional Starker Auftritt: 28 Künstlerinnen im Leipziger Bildermuseum
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16:34 11.04.2019
Alex Tennigkeit aus Berlin mit ihrer Installation “The Monument“. Quelle: André Kempner
Leipzig

Selbst das Naheliegende braucht manchmal einen Anstoß. Dass Frauen keine schlechtere Kunst machen als Männer, auch nicht weniger, hat sich herumgesprochen. Dass sie trotzdem in den Galerien und Museen unterrepräsentiert sind, ist ebenso offensichtlich. Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Akteurinnen ihre Kraft bündeln sollten, ist also keine allzu originelle Idee. Der Anstoß bestand in der Ausstellung „Die bessere Hälfte“, die Barbara John vor vier Jahren für die Kunsthalle der Sparkasse kuratiert hat. Angesichts der geballten Frauenpower ergriff Kathrin Landa die Initiative und initiierte das Malerinnennetzwerk Berlin-Leipzig. Das französische Wort Voix, das als Name gewählt wurde, heißt sowohl Stimme als auch Stimmen.

Nicht nur Malerei

Die 28 Frauen, 13 davon in Leipzig ansässig, bespielen das komplette Untergeschoss des Museums der bildenden Künste in Leipzig. Betritt man den zentralen Raum, wird zunächst die Bezeichnung „Malerinnen“ in Frage gestellt. Der Besucher trifft eine Gruppe skurril-verspielter plastischer Objekte aus verschiedenen Materialien an, gefertigt von Caro Suerkemper. Eingefasst werden sie aber tatsächlich von Malereien. Von Gudrun Petersdorf sind Tafeln mit Stadt- und Landschaften in der für sie typischen Reduktion der Formen bei kräftiger Farbigkeit zu sehen. Gleich nebenan zeigt Rosa Loy eine große Bilderzählung, gegenüber findet man ebenso narrative Bilder von Marianna Krueger, an der Stirnwand an organische Gebilde erinnernde Abstraktionen von Sophia Schama in Schwarzweiß.

Zum Thema: Mehr News und aktuelle Ausstellungen der Leipziger Museen!

Zuerst waren es persönliche Bekanntschaften als Grundlage der Gruppenbildung. Jetzt wird in demokratischer Abstimmung jährlich eine weitere Künstlerin aufgenommen. Die Größe solle überschaubar bleiben. Der Zusammenschluss folgt eher dem Vorbild historischer Künstlergruppen als straff organisierter Dachverbände.

Das Politische liegt im Privaten

Die Ausstellung muss zwangsläufig politisch sein. Doch flammende Appelle oder drastische Verurteilungen sind nicht zu finden. Das Politische liegt wie so oft im Privaten. Bei Verena Landau gibt es allerdings ein Bild, das Menschen im Saal eines Museums, genau dieses Museums, zeigt. Es sind Geflüchtete, die sich mit mitteleuropäischer Kunst vertraut machen. Ohne die Erläuterungen der Künstlerin könnte man es aber eine ganz normale Jugendgruppe halten.

Vor einem Jahr gab es im gleichen Haus die vielbeachtete Ausstellung „Virtual Normality“, ebenfalls mit ausschließlich weiblichen Beteiligten. Dort wurden sowohl der Feminismus in den Vordergrund gestellt als auch bevorzugt digitale Medien benutzt. In der Wahl der Mittel erscheint „Voix“ im Vergleich traditionsgebundener und in der Haltung sanfter.

Filmstills aus Pornostreifen als Vorlage

Die Werke sind weder männer- noch lustfeindlich. Erotik spielt eine große Rolle, so in den zwischen natürlichem Inkarnat und schrillen Pinktönen gehaltenen Männerakten Kathrin Landas. Die aus Israel stammende Zohar Fraiman hat neben mehreren Bildern einen elektronischen Altar aufgestellt. Öffnen sich die Flügel, sieht man eine Frau, die sichtlich Vergnügen daran hat, oral befriedigt zu werden. Tanja Selzer hingegen erklärt, dass sie nach einer zeitgemäßen Form der Aktdarstellung gesucht habe und darum statt der Modelle im Studio lieber Filmstills aus Pornostreifen als Vorlage benutzt. Direkten Bezug auf Klingers „Blaue Stunde“ weiter oben im Haus nimmt Alex Tennigkeit in einem Bild. Die dominierende Frau ist bei ihr aber in fortgeschrittenem Alter, dennoch schwanger. Im Hintergrund startet ein Spaceshuttle in die fragwürdige Zukunft.

Die Handschriften gehen von solch realistischer Malweise mit feinem Pinsel über expressive Ausbrüche bis hin zur Abstraktion, wie in den Tafeln Heike Kelters. In anderen Räumen trifft Zurückhaltung auf überbordende Fülle.

In Eigenregie des Netzwerkes

Die Ausstellung wurde ganz in Eigenregie des Netzwerkes erarbeitet, nachdem Direktor Alfred Weidinger schon kurz nach seinem Dienstantritt in Leipzig Ja sagte zu dessen Anfrage. Nach Übereinstimmung bei der Raumverteilung konnte jede Künstlerin ihren Bereich individuell einrichten. So findet sich luftige Weite neben üppiger Fülle. Auch farbige Wände gehören dazu, oder wie bei Julia Ruether eine Art von Tapete.

Die bei aller Diversität durchgehend hohe Qualität führt zu der von „Voix“ durchaus gewollten Frage, wieso man immer noch viel mehr Männer in den Museen und auf dem Kunstmarkt sieht als Frauen. Vernetzung kann gegensteuern. Quod erat demonstrandum.

VOIX. MalerinnenNetzWerk Berlin – Leipzig
im Museum der bildenden Künste Leipzig (Katharinenstraße 10); bis 7. April 2019, Di und Do–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr; Katalogpräsentation am 22. März, 20.30 Uhr

Von Jens Kassner

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