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Kultur Regional Stefan Hurtig zeigt in Leipzig annähernd zufriedene Fremdkörper
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11:21 07.08.2019
Stefan Hurtig zeigt im Museum der bildenden Künste „Note to Self „. Dabei ist sie Installation „Bloom! Your Self Beautifully Enriched“ mit Palme und Botschaft, für die er 2018 den Preis der Leipziger Jahresausstellung bekam. Quelle: André Kempner
Leipzig

Man kann sich auf tiefblaue Sitzsäcke plumpsen lassen, um unter einer ebenso blauen Palme aus Metall den Worten der isolierten Lippen auf drei Monitoren zu lauschen. Wer aufmerksam zugehört hat, wird danach mit vielen guten Tipps angereichert sein, wie man sein Leben nicht unbedingt glücklicher, aber ökonomisch effizienter gestalten kann und soll. „Bloom! Your Self Beautifully Enriched“ heißt die Installation, für die Stefan Hurtig im Vorjahr den Preis der Leipziger Jahresausstellung zugesprochen bekam.

Nun steht diese Insel im Zentrum der kleinen Ausstellung im Zündkerzenraum des Museums der bildenden Künste. Die anderen Arbeiten kreisen um das gleiche Thema – die Optimierung und Konditionierung des Menschen im Interesse der kapitalistischen Verwertung.

Gnadenlose Uniformierung

Das Paradoxe daran ist, dass diese Ratgeberbücher, -filme und -veranstaltungen häufig versprechen, die Individualität des Menschen herauszukitzeln, im Endeffekt aber auf eine gnadenlose, schablonenhafte Uniformierung hinauslaufen.

Das betrifft zunächst die Arbeitswelt. In einer Fotoserie zeigt Hurtig Büros von Startups, die sich deutlich von dem unterscheiden, was man herkömmlich unter Maloche versteht. Bequeme Sitzgelegenheiten, viele Pflanzen, schickes Design – letztlich im Interesse der Leistungssteigerung.

Das Gegenteil könnten die Recherchen in Fitnessstudios darstellen, geht es doch hier um die so viel beschworene Work-Life-Balance. Stefan Hurtig fotografierte Geräte, die in der Isolierung Folterwerkzeugen ähneln und es im Grunde genommen auch sind. Auch hier geht es um den – nun mehr oder weniger freiwillig vollzogenen – Drill zumindest zur körperlichen Effizienz.

Slogans aus Ratgeberwerken

Im Video „Hyper“ sieht man zunächst auch ein leeres Fitnessstudio. Dann kommt ein Protagonist ins Bild, Mensch kann man nicht unbedingt sagen. Er ist ganz, einschließlich des Kopfes, in ein anschmiegsames Ganzkörperkondom gehüllt.

Stefan Hurtig (r.) mit Rainer Schade vor dem Video „Hyper“. Quelle: André Kempner

Die farbigen Streifen ähneln eher den heute beliebten Dehnungspflastern zum Kurieren von Muskelschmerzen als einer Hervorhebung der Persönlichkeit. Dieser Avatar versucht, auf einem Laufband im vorgegebenen Tempo zu bleiben. Das Anrennen gegen die Maschine ohne Chance, überhaupt irgendwo ankommen zu können, konfrontiert Hurtig erneut mit Slogans aus Ratgeberwerken.

Formal anders angelegt und in der Aussage ähnlich ist die Installation mit fünf Apple-Computern älteren Baujahres, die nicht mehr im ursprünglichen Sinne funktionieren, doch den Betrachter mit eingebrannten Sprüchen eben dazu auffordern.

Fast schon erotisches Verhältnis

Einen Gegenpol gibt es mit „Idle“. Darin vergnügt sich eine Frau in einem eigenartigen Netzkostüm scheinbar ziellos in einer öden Landschaft, geht aber auch mit einem Staubsaugerroboter ein fast schon erotisches Verhältnis ein.

Prokrastination ist eines der Zauberwörter im Flyer, der die Ausstellung vorsichtig kommentiert. Also die Kunst des Aufschiebens, die temporäre Verweigerung der Leistung. Diese allein wird die Apokalypse nur verschieben, nicht aufhalten können, lässt Stefan Hurtig durchschimmern. Dafür bedürfte es härter Einschnitte. Selbst das Verbot von Fitnesstempeln wird nicht helfen.

Stefan Hurtig. Note to Self. Preisträgerausstellung des Leipziger Jahresausstellung e.V.; Museum der bildenden Künste Leipzig, Katharinenstr. 10; bis 27. Oktober 2019, geöffnet Di und Do–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr

Von Jens Kassner

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