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Kultur Regional Steimles Welten – der Kabarettist spielt beim Auftritt auf sein Skandal-„Nicki“ an
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15:46 19.06.2019
Links, rechts, Mitte? Uwe Steimle erklärt sich nicht und legt sich auch nicht fest. Quelle: Frank May/dpa
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Leipzig

Nach wenigen Minuten legt Uwe Steimle seine Jacke ab. Die Sorge ist nicht unbegründet, dass ein T-Shirt zum Vorschein kommt, auf dem „Kraft durch Freunde“ steht. Also jenes „Nicki“ mit Steimle-Parole, das er neulich skandalwirksam auf einem Facebook-Foto des CDU-Politikers Jörg Schlechte trug. Doch nichts passiert.

Steimle teilte sich die Bühne am Dienstag im Leipziger Academixer-Keller mit Helmut Schleich, es ist ihr bayerisch-sächsischer Freundschaftsabend „Mir san Mir  ...  und mir ooch!“. Bühne ist Bühne und Facebook ist Facebook. Und MDR ist MDR, denn „Steimles Welt“ gibt es ja auch noch. Das sind drei Steimles. Einer links, einer rechts, einer Mitte?

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Gut und böse

Mit der Kunsttechnik des Stichelns und Ätzens geht’s gegen Grüne, Merkel, Gedankenlosigkeit, AfD und Krieg. Die Guten sind: Osten, Frieden, Dialekte, Russland und Gedankenfreiheit. Irgendwo dazwischen brabbeln und fisteln Franz Josef Strauß und Erich Honecker und liegen sich schließlich in den Armen.

Als Geschenk für den Bayern gibt’s das „Mir san Mir“-Shirt mit den kyrillischen Buchstaben, der reicht im Gegenzug seine „Kauf, du Sau!“-Einkaufstasche rüber. Alles in Sack und Tüten.

Sucht man die Begriffe „Steimle“ und „Kraft durch Freunde“, fragt Google: „Meintest du: Steimle Kraft durch Freude?“ Das ist die Frage.

Reaktion auf Reaktion

Man müsse aufpassen mit der Sprache, nimmt er Anlauf, „manchmal ist es nur ein Buchstabe ...“. Schleich übernimmt und bringt Werner Finck ins Spiel, den Kabarettisten, den die Nazis 1935 ins KZ sperrten. Eine Langspielplatte Fincks hieß 1976: „Kraft durch Freunde“.

Darum sieht Schleich den Kollegen „in guter Gesellschaft“ und reinigt ab und an die Bühnenluft mit Anti-Nazi-Spray. Halb fremd-, halb selbstironisch. Bei aller den Verstand massierenden Irritation bleibt viel Kalkül in dieser Bühnenshow, in der Steimles Reaktion auf die Reaktion auf seine Provokation nicht neue Provokation sein soll. Ein bisschen aber eben doch.

„Jetzt will ich an dem Pranger auch stehen“, kommentiert Steimle seine „Nicki“-Affäre. Vielleicht geht es ihm nur darum. Die rechte Jacke zieht er sich nicht an. Sie hängt aber im Raum.

Von Janina Fleischer