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Kultur Regional Stuttmanns karikaturistischer Jahresrückblick
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16:19 26.12.2017
So hat es Klaus Stuttmann im Mai schon gesehen. Quelle: Klaus Stuttmann / Schaltzeit Verlag
Leipzig

„Die Zeit vergeht ... Merkel bleibt!“ Dazu hat Klaus Stuttmann drei Sanduhren gezeichnet, durch die statt Sand Merkels Gesicht rinnt. Erst ist sie oben, am Ende unten, und immer ist sie da. Ein typisches Stuttmann-Werk, in dem er mit wenigen Mitteln viel erzählt. Im Schaltzeit Verlag sind nun wieder seine politischen Karikaturen des Jahres erschienen, diesmal unter dem Titel „#Alles Fake!!“.

Viele davon haben auch die LVZ-Leser durch 2017 begleitet, zwölf Monate, die von Donald Trump geprägt waren, der mit seiner Twitter-Politik hübsche Vorlagen liefert, die Stuttmann mit Biss verwandelt. Erdogan, der Brexit, Bundestagswahlkampf – die Aufreger werden geerdet durch zeichnerischer Aufarbeitung. Im Buch sind sie nach Monaten sortiert, davor steht ein kleiner Nachtrag zu 2016. Walther Fekl bündelt jeweils Erinnerungshilfen in kurzen Texten zu den prägenden Themen und handelnden Personen.

Angesichts der Schlagzeile „Konsequenzen aus dem VW-Abgasbetrug: 23 000 Entlassungen!“ sagt eine Frau: „So viele haben gemauschelt?!“.

Auf einem anderen Bild sitzt die Freiheitsstatue im deutschen Behördenzimmer: „Sie sind also Flüchtling und kommen aus einem für Sie unsicheren Herkunftsland ...?“, fragt der Beamte.

Cartoon von Heiko Sakurai im Oktober. Quelle: Heiko Sakurai / Schaltzeit Verlag

Vor der Baustelle des Berliner Großflughafens sagt ein Mann zum anderen: „Wenn wir hier erstmal feierlich eröffnen, spricht kein Schwein mehr von der Elbphilharmonie!! Die ist dann längst vom Alter zerfressen, verrostet und verfallen!!“ Das ist es, was man zeitlos nennt.

Im Mai humpelt zum Untertitel „Das Wunder geht weiter“ Martin Schulz mit Beule, Gips und Krücken durchs Land; die Grünen fragen beim Bestatter nach einem günstigen Angebot für einen Sarg und bekommen zur Antwort „Vielleicht was Gebrauchtes? Den von der FDP?“ Ganz besonders Stuttmanns Blick auf die Bundestagswahl wirkt, als sei kein Tag vergangen. Immer wieder ist Schulz der Verlierer gegen eine Kanzlerin, die sich zwar nicht bewegt, aber eben darum immer schon da ist.

Klaus Stuttmanns Aufarbeitung der Bundestagswahl. Quelle: Stuttmann /Schaltzeit Verlag

Der September beginnt mit dem Kampf des türkischen Regierungschefs gegen Alters-Demenz: Ein Zettel am Badezimmerspiegel erinnert ihn an „Mindestens 5 x beleidigt sein! Mindestens 100 Leute verhaften! Mindestens einen Nazivergleich für deutsche Politiker!“.

Nadelstiche gegen Gemütlichkeit

Hitler, der in der Hölle schmort, würde die AfD („Super Programm! Tolle Leute!“) sofort wählen. Viele Deutsche tun es tatsächlich. Drum liegt ein Ostler auf der Psycho-Couch, weil er sich zwar „abgehängt, depressiv, verunsichert und wütend“ fühlt, aber nicht AfD gewählt hat: „Ist das nicht krank?!“ Manchmal trifft der 1949 in Frankfurt am Main geborene Karikaturist nicht nur auf der Höhe der Ereignisse, sondern denkt der Meinungsfindung voraus, setzt Nadelstiche gegen intellektuelle Gemütlichkeit.

Im gleichen Verlag, der sich auf Kinder- und Karikaturenbücher spezialisiert hat, ist Heiko Sakurais Cartoon-Rückblick erschienen. Sakurai ist 1971 in Recklinghausen geboren und zeichnet ebenfalls für Tageszeitungen. Die Themen gleichen sich: AfD, Trump, Merkel, Wahlen in Europa. Bei ihm erschließen sich die Bilder nicht immer auf den ersten Blick.

Deshalb werden Ereignisse, auf die sie sich beziehen, in ein, zwei Sätzen erklärt. Sakurai wird auf andere Weise deutlich als Stuttmann, beide arbeiten mit der Pointe durch Verknappung. Wobei Stuttmann mehr noch die Zuspitzung sucht. So bringen sie ein Jahr auf den Punkt, das ursprünglich weniger Vergnügen bereitet hat, als diese beiden Bücher es nun tun.

Klaus Stuttmann: #Alles Fake. Politische Karikaturen 2017. Schaltzeit Verlag; 228 Seiten, 19,90 Euro

Heiko Sakurai: Oh, wie schön ist Jamaika. Cartoons des Jahres. Schaltzeit Verlag; 176 Seiten, 17,90 Euro

Von Janina Fleischer

Unter dem Titel „Die Jungs vom hohen C. Erinnerungen eines Thomaskantors“ hat Georg Christoph Biller beim Mitteldeutschen Verlag seine Memoiren veröffentlicht. Biller, Jahrgang 1955, war von 1992 bis 2015 der 16. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach.

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Glücksfall für das Leipziger Bildermuseum: Ein Sammlerpaar stellt dem Haus rund 20 Hauptwerke des Leipziger Malers Neo Rauch als Leihgaben zur Verfügung, darunter das Gemälde „Fastnacht“, das Leonardo DiCaprio einst erworben und später wieder versteigert hatte. 2020 ist eine große Ausstellung geplant.

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