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Kultur Regional Thomaskantor Biller hat seine Memoiren verfasst
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22:00 22.12.2017
Bachfest 2013 in Leipzig. Eröffnungskonzert mit dem Thomanerchor unter Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller in der Thomaskirche in Leipzig. (Archivbild) Quelle: Andé Kempner
Leipzig

Gut 22 Jahre lang, vom 1. Advent 1992 bis zu seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen am 31. Januar 2015, war Georg Christoph Biller, geboren am 20. September 1955 in Nebra an der Unstrut, der 16. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach. Zuvor, von 1965 bis 1974, war er selbst Thomaner unter Mauersberger und Rotzsch und hatte dazwischen als Sänger, Dirigent und Direktor des Gewandhauschores unter Kurt Masur ein gewichtiges Tönchen mit-zusingen im Leipziger Musikleben in Zeiten des Umbruchs. Kurzum: Georg Christoph Biller hat nicht nur als Thomaskantor Musikgeschichte geschrieben, indem er den berühmten Knabenchor fit gemacht hat für sein neuntes Jahrhundert, er hat auch passiv viel erlebt – also viel zu erzählen.

Das hat er nun getan: „Die Jungs vom hohen C. Erinnerungen eines Thomaskantors“ heißt das Ergebnis, ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen, mit einem Vor- von Billers Nachfolger Gotthold Schwarz und einem Nachwort von Thomas Bickelhaupt versehen und liegt druckfrisch in den Läden. Ziemlich schmal liegt es da. Angesichts der Zeitläufte, die sein Verfasser durchlebte, enttäuschend schmal. 160 Seiten umfasst es, 120 davon bleiben für Billers Lebenserinnerungen.

Und dieser Gattungsbegriff ist wörtlich zu verstehen: Von der Kindheit im Pfarrhaus in Nebra über Heimweh und Internats-Folklore im „Kasten“, die Pendelei als Westprofessor, die Arbeit in der Nachfolge Bachs bis über die Abdankung hinaus spannt Biller den Bogen. Und er spannt ihn im gemütlichen Plauderton.

Das heißt auf der einen, der Haben-Seite: Wer diese „Erinnerungen eines Thomaskantors“ liest, der sieht ihn vor sich, wie er leutselig und bisweilen knurrig, überzeugt und überzeugend über Gott und die Welt, die Musik und das Leben, die Kirche und den Staat sich auslässt. Denn der Tonfall des schreibenden Biller entspricht ziemlich genau dem des redenden. „Authentisch“ könnte man das nennen – und sich darüber freuen. Stünde nicht als logische Konsequenz dieses Ansatzes zu viel auf der Soll-Seite des Büchleins.

Biller lässt, so ist das eben, wenn wer was erzählt und jemand anderes (Bickelhaupt) es mehr oder minder eins zu eins aufschreibt, vergleichsweise unsortiert und ohne auf Proportionen zu achten. Und so findet sich in diesen Erinnerungen manches, was man lieber nicht wüsste, wie die jugendliche Inkontinenz des Jung-Thomaners im Angesicht des Tritonus, und anderes, wovon man gern mehr läse: sein wortgezeugtes inhaltliches Musizieren, sein Erleben der Wende-Zeiten, seine Arbeit im Gewandhaus, seine Beziehung zu Masur, seine ästhetischen Koordinaten, seine unvergleichlich tiefe Kenntnis der Musik des großen Amtsvorgängers, das eigene kompositorische Schaffen ...

Die Gesprächsmitschnitte gäben dies gewiss her. Vielleicht sollte man sie noch einmal neu sichten – und dann anständig lektorieren. So jedenfalls ist das Ergebnis ein ärgerlicher Schnellschuss, mit dem der Mitteldeutsche Verlag offenkundig unbedingt noch vor Weihnachten mit einem großen Namen in die Regale wollte.

Peter Korfmacher

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