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Kultur Regional Übers Älterwerden und Spinat-hassende Hamster: Die LVZ-Autorenarena am Samstag
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18:52 24.03.2019
Armin Görtz befragte SPD-Mann Franz Müntefering (links) zu seinem Buch „Unterwegs. Älterwerden in dieser Zeit“ in der LVZ Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse 2019. Quelle: André Kempner
Leipzig

Musikalisch-nostalgisch gestaltete sich der Einstieg am Samstag in der LVZ-Autorenarena: Wolfgang Martin sprach mit Norbert Wehrstedt über „Sagte mal ein Dichter – Holger Biege. Eine Biografie“. Während des Schreibprozesses und auch im Gespräch begleitete ihn Bieges Bruder, Gerd-Christian Biege, der während der Lesereise auch Lieder des vor einem Jahr verstorbenen DDR-Sängers und Komponisten singt. „Bis jetzt haben sie im Publikum immer geweint – und ich auch“, sagt der Schlagerstar.

Bücher über Spinat-hassende Hamster...

Als einen „Schriftsteller für alle Altersklassen und helvetisches Kulturgut“ stellte LVZ-Redakteur Dimo Rieß den Schweizer Franz Hohler vor. Neben 14 Kabarettprogrammen hat er auch unzählige Bücher herausgebracht, darunter das neueste „Am liebsten aß der Hamster Hugo Spaghetti mit Tomatensugo“. Fröhlich hüpfte sein Schweizer Akzent durch die Arena, als er aus dem Kinderbuch vorlas – vom Hamster Hugo, der den Spinat meidet.

„Mir ist es wichtig, dass Menschen, die gearbeitet haben, im Alter gut leben können“, sagte Petra Köpping, sächsische Gleichstellungs- und Integrationsministerin (SPD), unter großer Zustimmung in der Arena. Diesem Thema widmete sie ein Kapitel in ihrem neuen Buch „Integriert doch erstmal uns! Eine Streitschrift für den Osten“. Anita Kecke befragte sie zur Frage der Grundrente. Köppings Meinung: „Dass es diese Diskussion gibt, das ist ganz wichtig.“

...über Frauen im Osten...

Eine Frage trieb Tanja Brandes und Markus Decker bei ihrem neuen Buch um: „Haben Frauen aus dem Osten ein größeres Selbstbewusstsein?“ Ihr gemeinsames Buch „Ostfrauen verändern die Republik“ behandelt das andere Rollenverständnis der Frauen, die ostsozialisiert wurden. „Wie kamen Sie zu der Idee?“ fragte Winfried Wächter. Ihre Antwort: durch die ungewöhnlich hohe Dichte von Ostfrauen in politischen Spitzenpositionen.

Die nächste Schriftstellerin war eine der einflussreichsten ihrer Art aus dem Gastland Tschechien, Radka Denemarková. 2014 auf Tschechisch erschienen, 2019 nun auf Deutsch beschreibt „Ein Beitrag zur Geschichte der Freude“ keineswegs Glück. Sondern das hochbrisante Thema sexualisierte Gewalt. Mathias Schönknecht fragte: „Ist ihr Roman ein Vorbote der MeToo-Debatte?“ Denemarkovás Antwort: „Nein. Ich habe nur etwas beschrieben, das in der Luft lag. Und schon immer da war.“

...über bestestes Kabarett...

„Schwarze Grütze – der Name ist Programm“, so stellte Mark Daniel das Potsdamer Kabarett-Duo bestehend aus Dirk Pursche und Stefan Klucke vor. Die Lachmesse-Preisträger haben jetzt ein Buch rausgebracht, für das der Superlativ nicht ausreicht: „Das Besteste! Lieder, Texte und Gedichte“. Mit dem groovigen und textverspielten „Ich weiß nicht mehr, was vorn und hinten ist“ gaben sie in der Arena eine musikalische Kostprobe ihres jahrelangen Könnens.

Danach fand sich noch eine Leipziger Autorin auf dem Podium ein: Kati Naumann, die Moderator Armin Görtz als „sehr vielseitig“ beschrieb. Im Gepäck hatte sie ihren druckfrischen Roman „Was uns erinnern lässt“. Die Hauptfigur Milla führt den Leser zum Rennsteig, einem Wanderweg, der Naumann vertraut ist: „Als Kind war ich oft im Thüringer Wald, weil meine Großeltern dort gewohnt haben.“ Dort sucht die Protagonistin Lost Places und findet die Vergangenheit.

...über Fußball in der DDR...

Als nächstes war der ehemalige LVZ-Sportchef Winfried Wächter nicht als Moderator, sondern als Autor zu Gast in der Arena, denn zusammen mit Frank Müller hat er „Die im Osten spielten. Eine Zeitreise durch den DDR-Fußball“ geschrieben. Guido Schäfer, Chefreporter bei der LVZ, befragte die beiden. „Der kleine DDR-Fußball geht verloren, weil jetzt nur noch über den Bundesfußball gesprochen wird“, sagte Müller auf die Frage, warum das Buch so wichtig ist.

„So heiter wie Fußball wird es jetzt nicht, aber es wird auch nicht ganz depressiv,“ leitete LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer zum nächsten Gast über – Jewgeni Wodolaskin. In seinem neuen Roman „Luftgänger“ erzählt er anhand eines ehemaligen KZ-Häftlings, der eingefroren wurde, die Geschichte Russlands ab dem Stalinismus bis ins Jetzt. „Zum Glück schreibe ich selbst ohne Erfahrung über die Dinge in den Lagern“, sagte der Philologe.

...über die eigene Herkunft...

Vier Jahre hat er in Leipzig gelebt, jetzt ist er wieder zu Gast auf der Buchmesse: Saša Stanišic, Preisträger der Leipziger Buchmesse, hat wieder ein neues Buch herausgebracht: „Herkunft“. Mathias Wöbking nennt das Selbstporträt, wie es im Klappentext steht, „vielschichtiges Buch mit witzigen und traurigen Stellen“. Aber warum „Herkunft“? „Das Buch war eine Suche und ein Hinterfragen. Ich wollte meine Familie und mich untersuchen“, sagte der in Bosnien geborene Autor.

500.000 Exemplare vom „Ernährungskompass“ hat Bas Kast schon verkauft. Darin fasst Kast die jahrelange Auswertung von Ernährungsstudien in einem Leitfaden zusammen. Kerstin Decker war nach der Lektüre jedoch nicht ganz so glücklich: „Mir, und anscheinend auch vielen anderen, hat danach eine Art Rezeptplan gefehlt, der mir im Alltag hilft.“ Und deswegen gibt es jetzt „Der Ernährungskompass – Das Kochbuch“ mit 111 Rezepten.

...und übers "Älterwerden in dieser Zeit“.

Ein „Altstar der SPD“, wie Armin Görtz ihn ankündigte, nahm dann Platz in der Arena: Franz Müntefering. Mit noch nicht ganz 80 hat der ehemalige Vize-Kanzler das Buch „Unterwegs. Älterwerden in dieser Zeit“ geschrieben. LLL ist sein Tipp für gesundes Älterwerden: Laufen, Lernen, Lachen. Und dabei wäre er zum Beispiel für Rollatoren-Rennen, damit die Senioren sich zusammen bewegen. Außerdem warnte er: „Die Babyboomer-Jahre wachsen nun ins Rentenalter. Das verschiebt die Relationen im Sozialsystem.“

Bunt wurde es beim letzten Gespräch, das Theresa Held moderierte: Andrea Wulf hat aufgrund von Humboldts 250. Geburtstag seine Südamerikareise mit bildgewaltigen Illustrationen von Lillian Melcher aufgearbeitet: „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“.

von Katharina Stork

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