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Kultur Regional Musikalische Komödie Leipzig: Westbad wird Ausweichspielstätte
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18:41 24.01.2019
Pressekonferenz mit Blick in den Zuschauerraum: Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, Intendant Ulf Schirmer, Verwaltungsdirektor Ulrich Jagels, Betriebsdirektor Torsten Rose und Technischer Direktor Frank Schmutzler (v.l.). Quelle: Andre Kempner
Leipzig

„Die Musikalische Komödie ist unter der Dachmarke der Oper Leipzig ein Schwergewicht, was oft vergessen worden ist in der Vergangenheit. Sie ist ein Schatz“, sagt Intendant Ulf Schirmer und schaut dabei sehr zufrieden aus bei der Pressekonferenz auf der Bühne des Schwergewichts. Dazu hat er allen Grund. Denn „dieser Schatz bekommt jetzt endlich ein schönes Schatzkästlein“. Blumige Worte, aber angemessen, denn zum Ende der Spielzeit wird dem Haus Dreilinden ein jahrzehntealter Wunsch erfüllt: Die Komplettsanierung des Zuschauerraums beginnt. Seit einem Vierteljahrhundert ist sie überfällig. Denn im Grunde bespielt die Oper Leipzig mit ihrem Musical- und Operettenhaus in Lindenau ein Provisorium.

Bauzeichnung Quelle: muko

Schon knapp fünfeinhalb Millionen verbaut

In Schirmers Intendanz ist bereits viel geschehen, vom Brandschutz bis zum Funktionsgebäude in der Dreilindenstraße 24, von der Gastronomie bis zu den sanitären Anlagen und der Inspizienten-Anlage. Knapp fünfeinhalb Millionen Euro sind dafür bereits verbaut worden. Aber zwei dringliche Bedürfnisse blieben bisher unbefriedigt: der nach einem in der Höhe verstellbaren Orchestergraben und der nach einem Zuschauerraum, dessen Ranzigkeit man nicht mit dem Klischee vom morbiden Charme beschönigen muss.

„Theater ohne Hemmschwellen“

Beides kommt nun. Im Juli rücken die Bauarbeiter an, im November 2020 soll das Haus wieder der Kunst übergeben werden. 7,6 Millionen Euro wird die bisher größte Sanierungsmaßnahme am Haus kosten. Der entsprechende Stadtratsbeschluss im April 2018 fiel einstimmig. Was auch Kulturbürgermeister Skadi Jennicke zufrieden stimmt: Dies sei „ein klares Bekenntnis des Stadtrates und der Stadtverwaltung“ für „ein ganz besonderes Projekt. Denn die Musikalische Komödie liegt mir persönlich sehr am Herzen. Weil hier Theater sehr nah am Publikum gemacht wird, ein Theater ohne Hemmschwellen und für alle Generationen.“

„Klares Bekenntnis“

Dieses „klare Bekenntnis“ wird Stadtrat und Stadtverwaltung um so leichter gefallen sein, als es kein zusätzliches städtisches Geld kostet. Denn die 7,6 Millionen Euro, die die Rest-Sanierung noch kostet, stammen etwa zur Hälfte aus Fördermitteln des „Förderprogramms Stadtumbau Ost – Aufwertungsgebiet Leipzig West“, vom Freistaat kommen gut 900.000 Euro, den Rest stemmt die Oper aus Eigenmitteln. Aus „Restmitteln und Rücklagen“, wie Verwaltungsdirektor Ulrich Jagels ausführt, die sie bilden konnte, weil Schirmer am Augustusplatz und sein Statthalter Torsten Rose in Lindenau in den letzten Jahren gut gewirtschaftet haben. Schön, dass die Stadt nun ermöglicht, dass diese Mehreinnahmen nicht abgeführt werden müssen, weswegen Schirmer noch einmal betont, dass „bei der Finanzierung alle vorbildlich an einem Strang gezogen haben“.

Darum dankt auch MuKo-Betriebsdirektor Torsten Rose enthusiasmiert seinem kommunalen Dienstherrn und schildert, was alles geschehen soll mit den Mitteln. Es ist eine Menge. So viel, dass ihm der Satz entfährt: „Ich staune immer wieder, was mit 7,6 Millionen Euro alles machbar ist.“ Der alarmiert die Kulturbürgermeisterin, die mit sehr ernstem Lächeln einwirft: „Es sollte nicht teurer werden“. Man wird sehen.

Platz-Kapazität steigt auf 640

Wenn man dann in knapp zwei Jahren die Ergebnisse der Sanierung sieht, wird man den Zuschauerraum kaum wiedererkennen. Denn er wird keinen Rang mehr haben. Die aus baupolizeilichen Gründen seit Jahrzehnten gesperrte umlaufende Empore wird nicht wiedereröffnet, sondern ausgebaut. Im vorderen Bereich bleiben zwei Emporen für Licht und andere Technik, der hintere Teil weicht der Zuschauer-Traverse. Die wird dann bis zum Ende des Saales gleichmäßig ansteigen und sich dabei verbreitern. Rose: „Man wird dann endlich von jedem Platz aus gut sehen und hören können – und bequemer wird es auch.“ Um die Bequemlichkeit wurde intern lange gerungen. Denn jeder Millimeter Sitzbreite mehr kostet Plätze. Man einigte sich schließlich auf einen Kompromiss, der unter dem Strich eine Vergrößerung der Platz-Kapazität um 118 auf 640 Plätze ergibt.

Bauzeichnung Quelle: muko

Klimatisierung mit Löschwasser

Davon verspricht sich Jagels angesichts der exzellenten Auslastungszahlen des Hauses Dreilinden die Möglichkeit, „mehr Einnahmen zu generieren“ – auch im Vermietungsgeschäft. Während Rose eher an die Kunst denkt: „Die Akustik wird verbessert, sowohl für die klassische Operette als auch beim Musical.“ Der fahrbare Orchestergraben macht den Umgang mit den fürs Haus so typischen sehr unterschiedlichen Besetzungen leichter. Überdies rückt das Pult der Tontechniker in die Mitte des Parketts und auch die Tonanlage wird erneuert. Dazu kann sich Frank Schmutzler, der Technische Direktor der MuKo, auf eine neue Beleuchtungsanlage freuen und darüber, dass der Zuschauerraum künftig klimatisiert wird. Und zwar auf eine „ökologisch sinnvolle Weise: Wir nutzen die 60.000 Liter Löschwasser, die wir aus feuerpolizeilichen Gründen vorhalten müssen, zur Kühlung des Saales.“ Zusätzlich zum Zuschauerraum wird auch der Venus-Saal saniert, als Foyer und als Veranstaltungsraum. Und im Innenhof wird ein Bereich eingerichtet, in dem die Zuschauer ihre Pausen beim Wein an der frischen Luft verbringen können.

MuKo bleibt im Kiez

Alles schön, alles sinnvoll – alles Zukunftsmusik. Denn zunächst muss die Musikalische Komödie mit einer 15-monatigen Schließzeit umgehen. Für die wurden zwei Modelle diskutiert: Ein Spiegelzelt auf dem MuKo-Parkplatz, was aus Platz- und Lärmschutzgründen schnell wieder vom Tisch war, und eine Ausweichspielstätte, „irgendwo“, sagt Rose, „im Leipziger Stadtgebiet“. Es wurde das Westbad. Für Skadi Jennicke „ein absoluter Glücksfall, weil die MuKo in ihrem Kiez bleiben kann“. Das macht die Übergangszeit fürs Stammpublikum aus der näheren Umgebung leichter und der MuKo die Arbeit, weil sie Büros und Funktionsräume des Hauses Dreilinden weiternutzen kann.

Man kann nicht alles haben

480 Plätze stehen im Westbad zur Verfügung. Darin werden die Produktionen des Repertoires in „Spielfassungen für das Westbad“ adaptiert. Mit denen und den Neuproduktionen der nächsten Spielzeit will die MuKo einen Spielplan generieren, der den riesigen Raum sehr unterschiedlich nutzt. Rose: „Wir haben drei Saalbaupläne für unterschiedliche Anforderungen. Das Publikum wird also auch den Saal immer wieder neu entdecken können.“ Allerdings immer unter dem ausladenden Deckenfresko Michael Fischer-Arts. Man kann nicht alles haben.

Von Peter Korfmacher

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