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Kultur Regional Verwaltungsdirektor Gereon Röckrath meldet satten Überschuss für 2018
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16:34 19.06.2019
Gewandhaus-Verwaltungschef Gereon Röckrath präsentiert die Zahlen für das Geschäftsjahr 2018. Quelle: André Kempner
Leipzig

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke schaut selbst vorbei. Zur Begrüßung und zur Einordnung. Gerade eben habe man im Rathaus die Ergebnisse einer Image-Befragung vorgestellt – Leipziger seien befragt worden nach der Identitäts-stiftenden Bedeutung von Kultur. „Und dabei stand quer durch alle Altersgruppen das Gewandhaus ganz vorne.“ Überregional sieht es nicht anders auch: „Deutschlandweit identifizieren die Menschen Leipzig mit Kultur, speziell mit Musik – und besonders mit dem Gewandhaus.“ Künstlerisch also hat der Leuchtturm am Augustusplatz seine Hausaufgaben gemacht. Und das ist für Jennicke das wichtigste. Nach langem Ringen habe der Stadtrat darauf verzichtet, de Gewandhaus auch wirtschaftliche Ziele ins Aufgabenheft zu schreiben. „Obwohl natürlich klar ist, dass ein Eigenbetrieb der Stadt Leipzig auch wirtschaftlich arbeiten und die Wirtschaftspläne einhalten muss.“ Diesbezüglich kann sie ganz beruhigt sein. Denn die Gewandhaus-Zahlen des Wirtschaftsjahres 2018, die Verwaltungsdirektor Gereon Röckrath gestern mit der Bemerkung vorstellte, „also mir machen die richtig gute Laune“, liegen weit über Plan.

848 000 Euro über Plan

Der sah 2018 ein Minus von 318 000 Euro vor. Denn 2018, das als Wirtschaftsjahr die zweite Hälfte der Saison 2017/18 und die erste der laufenden 2018/19 umfasste, war ein besonderes Jahr: Das Gewandhausorchester feierte seinen 275. Geburtstag und den Amtsantritt Andris Nelsons’ als Gewandhauskapellmeister. Dass man sich beides etwas kosten lassen wollte, das leuchtete auch im Rathaus ein. Aber es wurden keine Kosten, denn nach all den zusätzlichen Konzerten, den Gastspielen, den Kompositionsaufträgen, stand am Schluss kein Minus in den Büchern, sondern ein Überschuss von 530 000 Euro. Macht unter dem Strich 848 000 Euro über Plan. Die setzen sich im wesentlichen zusammen aus höheren Erlösen aus Ticketverkäufen, höheren Ergebnissen im Vermietungsgeschäft, höheren Sponsoringverträgen und niedrigeren Honoraraufwendungen als erwartet.

Rekord-Erträge

Insgesamt konnte das Gewandhaus 2018 7,4 Millionen Euro an eigenen Erträgen verbuchen, das ist nach 5,7 Millionen im Vorjahr die höchste Zahl in der Geschichte des Hauses. Damit legte der Vorzeige-Eigenbetrieb auf die gut 20 Millionen Euro, die die Stadt 2018 zuschoss noch einmal gut 23 Millionen drauf, was einen Gesamtetat von 43 471 000 Euro ergibt und eine Eigenfinanzierung von 53,7 Prozent: „Das ist verglichen mit anderen Konzerthäusern außergewöhnlich gut.“ Auch bei den anderen Kenngrößen gibt keinen Anlass zur Unzufriedenheit. Zu 673 Veranstaltungen (2017: 663) kamen 497 738 Besucher (459 548), davon 291 928 zu eigenen (243 275). 139 649 hörten die 79 Großen Concerte, 2017 waren es noch 108 224 bei 61.

„Langfristig steigender Trend“

Röckrath wird allerdings nicht müde, auf die Sondereffekte im Jahr 2018 hinzuweisen: „2019 haben wir kein Jubiläum und auch keinen neuen Gewandhauskapellmeister, die Zahlen werden sich also wieder ein wenig normalisieren. Dennoch gehe ich von einem langfristig steigenden Trend aus – was nur möglich ist, weil die Stadt seit fünf Jahren die Steigerungen bei unseren Personalkosten übernimmt.“ die machen mit knapp 287 Millionen den größten Einzelposten im Haushalt aus, und jede Steigerung bei den Tarifen hat hier gleich empfindliche Folgen.

Digitales Konzert-Archiv

Noch zu den Projekten, die in Zusammenhang stehen mit der Jubiläumsspielzeit 2017/2018, gehört das Konzert-Archiv, eine Datenbank, die Pressesprecher Dirk Steiner gestern präsentierte. Ursprünglich wollte Gewandhausdirektor Andreas Schulz dafür zusätzliche Sponsorengelder einwerben. „Doch als das nicht funktionierte, haben wir das eben selbst aus dem laufenden Haushalt und weitgehend mit Bordmitteln gemacht“.

Alle Komponisten, Kompositionen Künstler, seit 1781

Ergebnis ist ein Tool, über das sonst nur noch die Wiener Philharmoniker und das mit dem Gewandhausorchester verpartnerte Boston Symphony Orchestra verfügen: Seit 2017 hat man am Augustusplatz begonnen, alle Konzerte des Gewandhausorchesters seit Beginn der Großen Concerte im November 1781 zu erfassen: 7850 Datensätze kamen so zusammen, eine angesichts der sehr langen und sehr kleinteiligen Programme der ersten Jahrzehnte eine enorme Zahl.

In diesem riesigen Datensatz kann nun auf der Internet-Seite des Gewandhaus jeder nach Lust und Laune recherchieren oder stöbern. Nach Werken suchen und nach Interpreten, nach Komponisten und nach Werken. Aber Vorsicht – man findet leichter hinein als wieder hinaus und hat sehr schnell sehr viel Zeit in diesem grandiosen Konzertarchiv verbracht.

www.gewandhausorchester.de/archiv

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