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Kultur Regional Viele Wege führen nach Brighton: The Kooks im Haus Auensee
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13:51 04.04.2019
„Let’s Go Sunshine“: Auch wenn sich die Sonne – wie hier über Kooks-Sänger Luke Pritchard am Mittwoch im Haus Auensee – nur als Scheinwerferlicht herausstellt. Quelle: André Kempner
Leipzig

Wie würde es Ihnen im folgenden Szenario gehen? Sie scharwenzeln an einem lauen Frühlingsabend zu einem Konzert. Direkt vor der Halle stehen drei große Sattelschlepper und ein Lkw, alle schön mit gelben GB-Kennzeichen und den Lenkrädern auf der rechten Seite. Drinnen spielt dann eine Vorband, die klingt, als ob die Pet Shop Boys eine Indierock-Gruppe gegründet hätten, und dann drückt jemand bei fast voller Lautstärke auf Play, und es singen David Bowie „Let’s Dance“, die Cardigans „Kiss Me“ und Seal „Kiss From A Rose“. Würden Sie sich da nicht freuen?

Und wenn dann noch Shaggys „It Wasn’t Me“ erklönge und mitten im ersten Refrain vom Intro der Hauptband abgewürgt würde, entwickelten Sie doch auch gewisse Erwartungen ans folgende Konzert, oder? Denke doch. Zumal der Sänger in weißem Hemd und steilem Jäckchen samt Hosen, nein, samt Samthosen auf der Bühne rumspringt und seine Band als „beautiful fine young gents“ bezeichnet. Diese britischen Styler!

Aber noch mal kurz zurück zur Vorband, genauer gesagt der zweiten Vorband (die erste, Callum Beattie, hören die meisten nur gedämpft von draußen, weil Grill, Zapfhahn und Wetter sie vorm allzu frühen Betreten des Haus Auensee abhalten). Die Blossoms spielen einen fröhlichen Synthie-Pop, der in seinen besten Momenten an das Londoner Synthie-Pop-Duo erinnert, dessen Namen Sie schon im ersten Absatz lesen konnten, allerdings mit E-Gitarren- und Schlagzeug-Ergänzungen. Wenn Sänger Tom Ogden ab und an eine Gitarre umhat, spielt er sie auf so eine Lalala-Art, die ins Kakkmaddafakkaeske hinüberführt.

In Ringelshirts in irgendeinem Festivalstaub

„Cool Like You“ gefällt gerade, weil es sich einen feuchten Kehricht ums Coolsein schert. Wobei wir da wieder bei diesen jungen britischen Musikern wären, die seit Jahrzehnten die Coolness scheinbar mit der Muttermilch aufsagen und sich entsprechend nicht drum scheren müssen. Aufpassen müssen sie aber doch ein bisschen, wie „There’s A Reason Why (I Never Returned Your Calls)“ zeigt: Auch hier den Pet Shop Boys ähnlich driften die Blossoms in schlimmen Discofox-Schlager ab. Keyboard, Schlagzeug, Gesang, aua.

The Kooks eröffnen dann mit dem Klischee einer Indierock-Gitarre und einem Schlagzeug, das ihm in nichts nachsteht. Dreiminütige Britpopnummern, die weder Kracher noch Heuler sind, nur solide. „Denkescheen! Hörzlick willcomin’! Olles Liebe!“, ruft Sänger und Gitarrist (in Teilzeit) Luke Pritchard, bevor er schon im vierten Song der Akustikgitarre „She Moves In Her Own Way“ entlockt, den Hit vom 13 Jahre alten Debüt der Kooks. Und wir hüpfen alle durchs Haus Auensee, aber auch durch den Sommer 2006, als Indie im Zenit stand und wir in Ringelshirts in irgendeinem Festivalstaub. Und knutschen!

Vielleicht geht ja noch was nach dem Konzert

Es folgen Songs aus den sechs Bandalben (zuletzt „Let’s Go Sunshine“ 2018), die den Laden rocken, wie man so sagt, aber erstaunlich wenig im Ohr bleiben. Deshalb schreiben also Noel und Liam Gallagher keine Songs, wenn sie gut drauf sind. Der Indierock-Pfad führt an Prince-Gitarren und Highschool-Rock vorbei, mal in die Disko, mal ins Stadion. Zwischendurch brüllt trotzdem – oder eben drum – ein sehr heiserer Mann: „Ich will ein Kind von dir!“ Richtung Bühne. Na ja, vielleicht geht ja noch was nach dem Konzert.

Im herrlichen Refrain von „Jackie Big Tits“ – viermal „You only go around, round, round“ – tippt ein Mann im Publikum seiner Freundin auf den Kopf, die sich unter seinem Zeigefinger wie eine grinsende Weihnachtspyramide dreht. Gegen Ende verzaubert „Seaside“, dieses kleine Liedchen an der zu vernachlässigenden spartanisch gestreichelten Gitarre, das dennoch nicht langweilt. Und klingt die Zeile „I fell in love at the sea­side“ nicht immer wie „I fell in love with the seaside“, was noch viel schöner wäre? Man möchte glatt in den Zug nach Brighton steigen, wo The Kooks herkommen und es einen Jahrmarkt auf Holzstelzen im Meer gibt. Also doch noch ein schöner Abend!

Von Benjamin Heine

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