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Kultur Regional Vom Flohmarkt in eine Ausstellung: Leipziger Galerie zeigt unbekannten Expressionisten
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18:34 11.07.2019
Allegorie der Angst: eine Arbeit von Otto A. Lehmann, 2017 auf einem Berliner Flohmarkt entdeckt. Quelle: Galerie Irrgang
Leipzig

Nicht nur Kunsthändler kennen sie, die Fantasie vom überraschenden Flohmarktfund. Zusammen mit einem Kollegen stieß Tobias Wachter, der in Leipzig die Galerie Irrgang betreibt, am Berliner Ostbahnhof auf eine Mappe mit Arbeiten verschiedenen Künstler, die ihn sofort in ihren Bann zog. Nicht ein durch den Rost der Zeit gefallener Rembrandt oder ein Verdacht auf einen anderen großen Namen war es, der ihn sofort faszinierte, sondern ein Unbekannter, der bemerkenswerte Kunst geschaffen hat: „Otto A. Lehmann“ steht auf insgesamt 17 Zeichnungen und Radierungen. Wachter googelt den Namen auf dem Handy, findet zunächst nichts, später stößt er auf Bruchstücke. Er kauft das gesamte Konvolut für einige 100 Euro.

Fantastisch, visionär, beklemmend

Sicher sei, dass Lehmanns Arbeiten im September 1917 neben Paul Klee, Konrad Felixmüller, Egon Schiele und Franz Sedlacek in der Münchner Galerie „Neue Kunst“ von Hans Goltz (1873–1927, ein Pionier den modernen Kunst) ausgestellt wurden, sagt Wachter. Außerdem finde sich in einem „Simplicissimus“-Heft von 1914/15 eine Illustration Lehmanns mit dem Titel „Angst“. Ein Wort, das wie ein Leitmotiv über dem Werk des Expressionisten stehen könnte. Unmittelbar vor und nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs schuf er Bilder, aus denen innere Bedrängnis und Beklemmung zu schreien scheinen. Eine der Arbeiten zeigt eine zusammengekrümmte Figur auf einem Bett, das sich in eine surreale Alptraumlandschaft verwandelt hat. Für Wachter ist eine enge Verwandtschaft zum Fantastischen und Visionären in den Arbeiten Alfred Kubins unübersehbar. Aus seiner Sicht ist die Entdeckung „eine kleine Sensation“.

Biografie im Dunkeln

Die Lebensdaten des Künstlers sind weitgehend im Dunkeln: „Es ist nur bekannt, dass er zwischen 1912 und 1917 aktiv war. Wir vermuten, dass er um 1880/90 geboren wurde und eventuell im Ersten Weltkrieg gefallen ist.“ Zu sehen ist eine Auswahl seiner Arbeiten ab Freitag (12. Juli), 19.30 Uhr in der Galerie Irrgang in Leipzig, zusammen mit Werken der Künstlerinnen Doris Ziegler und Sabine Graf, die sich mit der Verletzlichkeit des menschlichen Körpers befasst, unter dem Titel „Incerta“.

Doris Ziegler befasst sich mit der Zeit des Umbruchs

Die Schau ist nebenbei ein Vorbote und interessanter Abzweig der großen Ausstellung „Point of No Return. Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst“, die am 22. Juli im Museum der bildenden Künste eröffnet wird und bei der ebenfalls Werke der in Leipzig lebenden Doris Ziegler zu sehen sind. Auch in den bei Irrgang gezeigten Bildern geht es um die Zeit unmittelbar vor und nach der Wende, eine „Incerta – die Unsicherheit, die Ungewissheit, das (noch) nicht klar Erkennbare“, wie es in der Ankündigung der Galerie heißt. Ziegler zeige die Stagnation der letzten DDR-Jahre sowie die Verschiebungen der Werte und Hierarchien beim Aufbruch in eine ungewisse Zukunft.

„Incerta“ in der Galerie Irrgang (Dittrichring 6) bis 17. August, geöffnet Di–Fr 12–19, Sa 12–16 Uhr; Eröffnung am Freitag (12.Juli), 19.30 Uhr

Von Jürgen Kleindienst

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