Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Warum Thees Uhlmann Leipzig liebt
Nachrichten Kultur Kultur Regional Warum Thees Uhlmann Leipzig liebt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:41 06.12.2019
Thees Uhlmann bei seinem Konzert im Werk 2. Quelle: André Kempner
Leipzig

Ein wenig Anbiederung an die einheimischen Zuschauer betreiben ja viele Künstler. Der Satz „Ihr wart das beste Publikum auf meiner Tour“ gehört zum Standardrepertoire von Sido bis Helene Fischer. Meist kann man solche Elogen als Folklore abtun – beim Auftritt von Thees Uhlmann am Donnerstagabend in der nicht ganz ausverkauften Halle A des Werk 2 scheinen die Liebesbekundungen an Leipzig aber von Herzen gekommen zu sein.

„Der Stadt zu Dank verpflichtet“

„Ich bin der Stadt zu großem Dank verpflichtet“, erklärt der frühere Sänger von Tomte vor „Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop Videodrehs nach Hause fährt“ (der Song heißt wirklich so) vom neuen Album. Denn 80 Prozent der Texte von „Junkies & Scientologen“, wie das Werk heißt, seien dank einer Freundin namens Maria in Leipzig entstanden.

Bist du high? – Nein, in Leipzig

Könnte jeder behaupten. Aber dann kommt Uhlmann mit dem Quasi-Beweis, erzählt vom Punk mit der Angel vorm Hauptbahnhof, den gefühlt zehn Pfandautomaten im Lindenauer Kaufland und dass sich sein Herz so frei anfühlt, wenn er in die Messestadt kommt: „Einmal hat mich hier ein Freund gefragt ‚Bist du high?’ ‚Nein, ich bin in Leipzig’, habe ich geantwortet.“

Viele neue Stücke

Sogar amtliches Dissen gegen Halle und Magdeburg wird noch abgegeben. Was will das Fan-Herz mehr? Nun ja, vielleicht etwas mehr Tempo und Abwechslung. Zu Beginn spielt Uhlmann zu viele Songs von der neuen Platte, die zudem alle zwischen adagio und moderato changieren. Dazu dürften die neuen Stücke auch noch zu wenig bekannt bei den älteren Fans sein, von denen offenbar die Mehrheit – den vielen grauen Haaransätzen folgend – den Weg ins Werk 2 gefunden hat.

Alle singen mit

Erst beim Tomte-Song, „Ich sang die ganze Zeit von dir“ vom 2006er Album „Buchstaben über der Stadt“ ändert sich die Lage. Nun wird geschwoft, gejauchzt und aus voller Kehle mitgesungen. Später kommt dann mit „Katy Grayson Perry“ ein neuer Song, der beweist, dass Uhlmann immer noch punkig sein kann – wenn er will.

Mehr auf Lese- als Konzertreise

Das reine Musikerdasein hat der 45-Jährige aus dem Nordseestädtchen Hemmoor sowieso schon hinter sich gelassen. Mit „Thees Uhlmann über Die Toten Hosen“ ist in diesem Jahr bereits sein drittes Buch erschienen, in den letzten Jahren war Uhlmann mehr auf Lesereise als auf Konzerttour.

Freundschaft mit den Hosen

In Leipzig ehrt er die Düsseldorfer Punk-Legenden, zu denen seit Jahren eine Freundschaft besteht, mit einem Cover von „Liebeslied“, allein mit der Akustikgitarre auf der Bühne. Dann wird mit „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ noch der größte Solo-Hit gespielt, bevor das reguläre Konzert auch schon vorbei ist.

Durchrütteln zum Schluss

Es folgen noch zwei Zugaben, unter anderem mit dem berührenden „Avicii“ vom neuen Album, in dem es um den zu frühen Tod des schwedischen DJ-Stars geht. „Ihr müsst am Leben bleiben, weil es irgendwann wieder schocken wird“, ruft Uhlmann in die Menge. Zum Ende hin rüttelt der hiesige Auftritt die Besucher auch noch mal ordentlich mit den beiden Tomte-Klassikern „Schreit den Namen meiner Mutter“ und „Die Schönheit der Chance“ durch. Manchmal sind die Oldies eben doch die Goldies.

Von Christian Dittmar

Das Gewandhausorchester unter Andris Nelsons gedenkt im Großen Konzert seines Mentors Mariss Jansons’ mit Werken von Wagner, Bruckner und Gubaidulina. Bei der deutschen Erstaufführung von deren drittem Violinkonzert ist Vadim Repin der Solist

06.12.2019

Der neue Takt der Zeit: Ortrud Toker untersucht in ihrem Roman „Vom Ende der Langsamkeit“ die Lebenswege der Pioniere Werner von Siemens, Philipp Reis und Carl Benz. Ihre Erfindungen wirken bis heute.

06.12.2019

In loser Reihenfolge holt der Lindenfels Westflügel hochkarätige und vom Publikum in all den Jahren gefeierte Produktionen auf die Bühne zurück: Am Wochenende gastiert deshalb noch einmal das belgische Duo Agnès Limbos und Gregory Houben – ein schräger Blick aus glühenden Augen.

06.12.2019