Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Weimarer Kantaten III: Herausragendes Konzert in der Nikolaikirche
Nachrichten Kultur Kultur Regional Weimarer Kantaten III: Herausragendes Konzert in der Nikolaikirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:08 23.06.2019
Weimarer Kantaten III: Herausragendes Konzert in der Nikolaikirche.
Weimarer Kantaten III: Herausragendes Konzert in der Nikolaikirche. Quelle: Gert Mothes
Anzeige
Leipzig

Nach der Thomaskirche und der Schlosskapelle in Neu Augustusburg steht am Samstagabend nun die Nikolaikirche zum Bachfest ganz im Zeichen von „Bach und Weimar“, im dritten abendfüllenden Programm mit Weimarer Kantaten, die Johann Sebastian Bach als Konzertmeister für den Weimarer Herzog Wilhelm Ernst komponierte.

„Es begab sich aber zu der Zeit...“, liest Superintendent Martin Henker auf der Kanzel und diese Worte im Juni zu hören ist doch etwas ungewohnt. Aber die vier Kantaten Bachs, die im vorletzten Konzert der Weimarer Reihe zu hören sind, gehören nun mal in die Advents- und Weihnachtszeit.

Chor und Orchester verschmelzen unter Alessandrini

„Herz und Mund und Tat und Leben“, komponiert für den vierten Advent, eröffnet den Abend in der sehr gut gefüllten Nikolaikirche mit hellem und wunderbar austariertem Klang des Rias Kammerchors unter der Leitung von Rinaldo Alessandrini. In allen Kantaten verschmelzen der Chor und die Akademie für Alte Musik Berlin aufs Harmonischste.

Die erste Arie des Abends und auch eine der schönsten, liefert Altistin Ingeborg Danz. Nach dem zauberhaften Oboen-Intro trifft ihr erster, dunkler Ton von „Schäme dich, o Seele, nicht“ unvermittelt mitten hinein ins Gefühl. Danz überführt in dieser Arie die Holzbläserwärme, die Oboistin Xenia Löffler vorgibt, in alle Register, lässt mit betörender Weichheit die im Text versprochene Herrlichkeit mitschwingen.

Strahlender Tenor, überragender Sopran

„Nun komm, der Heiden Heiland“ schließt sich an die Lesung zum ersten Advent an. Hier trägt Patrick Grahl in der Arie „Komm, Jesu, komm zu deiner Kirche“ eine selbstbewusste Bitte vor. Sein Tenor strahlt in warmen Farben, bleibt immer gefestigt. Golden bis silbern schimmernde Koloraturen zeigen Flexibilität, ohne dass seine Stimme an Fülle verliert.

Unbestrittener Star des Abends ist jedoch Sopranistin Katharina Konradi. Die Kantate „Wachet! Betet! Betet! Wachet“ eröffnet ihr mit der Arie „Lasst der Spötter Zungen schmähen“ die Möglichkeit, sämtliche Facetten ihres glockig-geschmeidigen Organs auszukosten. Alessandrini treibt hier das Orchester zu mehr Drama an, ermöglicht Konradi, Verzierungen nach vorne drängend und quecksilbrig leicht zu gestalten.

Stehend vorgetragener Applaus

In der letzten Kantate, „Christen, ätzet diesen Tag“, kontrastiert Konradi mit Bass Roderick Williams, wenn sie zusammen „Gott, du hast es wohl gefüget“ singen. Williams mit außergewöhnlicher Textverständlichkeit, immer mit einem leichten Schmunzeln im Auge und einem Lächeln in trabenden Koloraturen und ausgeglichen weicher Stimmführung. Nach einem so herausragenden Abend kann es das Publikum beim Applaus gar nicht auf den Holzbänken halten.

Von Katharina Stork