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Kultur Regional Wenn Anekdote auf Wirklichkeit trifft – Stange und Naumann im Literaturhaus Leipzig
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10:59 21.05.2019
Michael Naumann (77) zu Gast bei und mit Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (62) im Literaturhaus Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Der Weg zum Haus des Buches ist von Wahlplakaten gesäumt: Plattitüden und Versprechen. An Fragen, Zweifeln und Sorgen mangelt es nicht in dieser Zeit, wenn am Sonntag kommunal und europäisch gewählt wird und am 1. September der sächsische Landtag.

Das Mittelsächsische Theater Freiberg hat auf Druck der AfD-Stadträte eine Dialogveranstaltung abgesagt, die unter dem Titel „Wir haben die Wahl 2019 – Was ist zu tun?“ stand. Worüber ist zu sprechen? Wie steht es um die Freiheit der Kunst in Sachsen? Welche Rolle kann und muss Kultur spielen? Das wären Themen für Eva-Maria Stange und Michael Naumann, beide SPD, am Montag im Literaturhaus Leipzig gewesen.

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Falscher Zeitpunkt

Waren es aber nicht. Denn der „Zoom!“-Abend der Friedrich-Ebert-Stiftung stand unter der Fragestellung „Land der Dichter und Denker?“, und es sollte darum gehen, wie „Sachsen wieder ein Zentrum von Literatur und Verlagen wird“. Ein wichtiges Thema – aber in diesen Tagen?

An Sachsens Kunstministerin Stange liegt es kaum. Sie kennt Zahlen und Stimmungen und kann Zusammenhänge sehr gut deutlich machen. Doch ihr fällt auf diesem Zweier-Podium die Rolle der Gastgeberin und damit der Zurückhaltung zu. Zielen ihre Fragen in den Raum zwischen Bewahren und Visionen, treffen sie nicht unbedingt ins Zentrum des Interesses ihres Gastes.

Michael Naumann, einst Chef des Rowohlt Verlags, dann erster Kulturstaatsminister, später „Zeit“-Herausgeber und heute Geschäftsführer der Barenboim-Said-Akademie, spricht vornehmlich über die Vergangenheit, am liebsten im Rowohlt Verlag.

Kleine Späße

Das ist durchaus unterhaltsam. Sachsen und dem Osten der Gegenwart gilt sein gedankliches Engagement so wenig wie den Besonderheiten vor und Veränderungen nach 1990. Es sei denn, die Geschichte hat seine Wege gekreuzt. Oder sein Weg den der Geschichte.

Den kleinen Buchladen in seiner Geburtsstadt Köthen gebe es nicht mehr, erzählt der 77-Jährige, für den das Alter – „Ich bin ja nicht der Älteste hier“ – den Vorteil bringt, manches besser zu verstehen. Die Dichtung nämlich, Goethes „West-östlichen Divan“ zum Beispiel, nach dem Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra benannt ist und nach dessen Idee in der Barenboim-Said-Akademie Musiker aus den Ländern des Nahen Ostens ausgebildet werden. Weil diese Schule „an den Berliner Behörden vorbei gebaut wurde“, sei sie „auch fertig geworden“.

Beachtliche Bilanz

Eine von einigen Pointen, mit denen Naumann seine Worte würzt. Als Rowohlt nach dem Mauerfall die ostdeutschen Leser mit erotischen Büchern beglückte, sei der Umsatz um 30 Prozent gestiegen und dann wieder „auf Normalzustand“ geschrumpft. „Ich dachte mir: Jetzt sind wir wirklich eine Nation“, scherzt er, für den „die Wiedervereinigung ein sentimental großartiger Moment“ war.

Eva-Maria Stanges Fragen danach, wie es gelingen kann, kleine Verlage zu erhalten und ob strukturelle Förderung eine Lösung bietet, beantwortet er mit einem Lob auf jene „Idealisten, die Selbstausbeutung betreiben und Autoren entdecken“. So seien die Bücher der späteren Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller zunächst bei Rotbuch erschienen. Dann natürlich bei Rowohlt, so wie – auch das Teil der beachtlichen Bilanz Naumanns – die von Elfriede Jelinek oder José Saramago, quasi finanziert von den Bestsellern Rosamunde Pilchers.

Bedeutung der Buchpreisbindung

Deutlich spricht er sich gegen Zensur aus: „Rechte Verlage haben jegliches Recht zu existieren“, er sei „dagegen, dass rechte Bücher verboten werden, weil es am Ende dazu kommt, dass die Kulturkritik auch noch Rosamunde Pilcher verbietet“.

Naumann betont die Bedeutung der Buchpreisbindung und des gedruckten Buches. Wichtig sei es, „dafür zu sorgen, dass das Schulcurriculum Leser erzieht“, dass wirklich Bücher gelesen werden „und nicht nur Auszüge“. Da blitzt er auf im gut besuchten Literaturcafé: der Geist des Maßgebenden, wenn Anekdote auf Wirklichkeit trifft.

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