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13:18 30.01.2019
Akademisches Septett: HMT-Professoren-Band im Liveclub Telegraph. Quelle: André Kempner
Leipzig

Am 21. April 2010 begann die Erfolgsgeschichte. Daran hat sich eingangs der Dienstagnacht im Liveclub Telegraph Stefan Heilig erinnert, der Geschäftsführer des Jazzclub Leipzig. Man sieht ihm an, dass es nicht das übliche Geschäft ist, wenn er hier zum Konzertauftakt ein paar Worte findet. Als er das auf der Bühne wimmelnde Septett ankündigt, ist auch einiges an Gefühlsaufwallung im Spiel. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich alle Jahre wieder eine Professorenband formiert, die durch Honorarverzicht eine Konzertreihe ihrer Studenten unterstützt.

Für die kontinuierlich an Bedeutung gewinnende Jazzszene der Stadt, die inzwischen in einem Atemzug mit den deutschen Jazzzentren Berlin und Köln genannt wird, ist die bestens funktionierende Kooperation des Jazzclubs mit der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy von immenser Bedeutung. Sie sorgt für ein junges Publikum, schafft Auftrittsmöglichkeiten für Bands, die sich im Hochschulkontext finden, und ist überhaupt im gegenseitigen Geben und Nehmen ein gar nicht zu überschätzender Vitalitätsfaktor. Ein schöner Beleg für das alles ist es, dass und wie der Telegraph in dieser Nacht gefüllt war quer durch die Generationen.

Warum man neuerdings im Jazz wieder eine Gitarre dabei haben sollte

Und natürlich belegt auch die Qualität des auf der Bühne versammelten Hochschullehrkörpers, welchen Stellenwert die HMT aktuell erreicht hat. Da stehen und verstehen sich die Professoren Pepe Berns (Kontrabass), Johannes Enders (Tenorsaxofon), Heinrich Köbberling (Schlagzeug), Werner Neumann (Gitarre), Michael Wollny (Klavier) und für drei Stücke auch Evelyn Fischer (Gesang) sowie die Dozenten Martin Auer (Trompete) und Johannes Lauer (Posaune). Einer pro Instrument, sind sie alle gekommen in diesem Jahr, was ja auch etwas zu bedeuten hat. Es wird herzlich gelacht auf der Bühne, und der Spaß springt über aufs Publikum, das fast jedes der vielen Solos zugeneigt beklatscht. Es macht dann auch in so einem quasifamiliären Kontext fast gar nichts, wenn in dieser Leipziger Allstarband manches nicht punktgenau kommt oder an den Rändern ausfranst. Im Gegenteil macht das dieses sympathische Unternehmen sogar noch sympathischer.

Es wird ein Reigen von Standards hingebreitet, in den auch eine Enders-Ballade geflochten ist. Alles beginnt mit einem John-Scofield-Stück, auf den immer Fortgang der kurzweiligen Ereignisse noch einmal zurückgegriffen wird, weil die Kompositionen des Gitarristen ideale Spielvorlagen sind, wenn man einen wie Werner Neumann in der Mannschaft hat. Der beweist immer wieder punktgenau, dass und warum man neuerdings im Jazz wieder eine Gitarre dabei haben sollte. Dazu sitzt Michael Wollny wie zum Sprung bereit auf seinem Hocker vorm Blüthner, um immer neu zu demonstrieren, warum er innerhalb des aktuellen Jazz so eine Sonderstellung hat, berückende Vollbremsungen zu exquisit minimalistischer Balladenkultur inklusive.

Der Bläsersatz der Herren Enders, Auer und Lauer kann in schöner Breitseite Druck machen oder sich zu Finessen vereinzeln, dahinter sind der auch mal in sonorer Melodienseligkeit nach vorn tretende Pepe Berns und der begnadete Akzente-Ziseleur Heinrich Köbberling sichere Bänke. Stücke von Tom Harrell, Peter Erskine und John Taylor klingen dann schon fast wie Klassiker, und selbst den Versuch der Sängerin, Klaus Lages Gassenhauer „Tausend und eine Nacht“ vor solchem Hintergrund zu adeln, hat man fast verzeihen wollen. Viel Beifall insgesamt und lauter zufriedene Gesichter an einem wirklich schönen Abend.

Von Ulrich Steinmetzger

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