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Kultur Regional Wie Seeed auf Speed: Moop Mama im Werk 2
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09:39 14.02.2019
Bayerische Blasmusikkapelle: Moop Mama im Werk 2. Quelle: Foto: Dirk Knofe
Leipzig

„Dicke Eier oder dicke Eierstöcke“ seien im HipHop schon wichtig, erklärt Roger Rekless am Mittwochabend zwischendurch in der so vollen wie voll begeisterten Halle A des Werk 2. Der Rapper eröffnet das Konzert der zehnköpfigen Großstadt-Blasmusikkapelle Moop Mama, ebenfalls aus München. Dass er der beste Rapper des Abends sein wird, ist schnell klar – genau wie die Tatsache, dass er die „deutsche Leitkultur“ ebenso ernst nimmt wie den testosterongeschwängerten Schwachsinn so mancher HipHopper (siehe Zitat oben).

Von Anfang bis Ende voll auf die Zwölf: Moop Mama haben am Mittwochabend ihre Töne durch die volle Halle A des Werk 2 gepustet.

Zwischen seinen Songs geht er zudem großzügig mit der Sympathiegießkanne rum. Dass er sich über die vielen Graffiti hier am Werk 2 gefreut habe, weil er als Jugendlicher auch welche gemalt habe, „richtig beschissen, aber richtig, richtig gerne.“ Und wie er dann mit Kapuzenpulli, Vollbart und Mütze, also ganz HipHopper, den Dialog zwischen einem bayrischen Polizisten, der den jungen Graffiti-Maler erwischt hat, und seiner bayrischen Mutter, die ihren Sohn verteidigt, nacherzählt!

Aber zurück zur Blasmusik. Um 21:04 Uhr geht an diesem Abend der Mond auf, goldschimmernd, groß und voll, ach nee, ’s ist der Trichter von Peter Laibs Sousaphon, der da riesig und rund über seinem Kopf und der ganzen Band thront. Die von tausend Kehlen mit „Moop! Moop! Moop!“-Brummen (welche/r halbwegs Erwachsene will schon laut „Mama“ rufen, in der Öffentlichkeit) eingeforderte gute Laune befeuert die Band von Anfang bis Ende.

Voll auf die Zwölf zielen die zehn Herren in ihrer kurzärmeligen roten Uniform. Je zwei Trompeten, Posaunen und Saxophone, das besagte Sousaphon, eine gewaltige um den Bauch geschnallte Bassdrum und allerhand andere Trommeln sorgen für Druck, Druck, Druck. Und immer davor, dazwischen, dahinter Keno Langbeins Rap und Gesang, scheinbar mit der Synchronstimme von Cock­roach, dem Kumpel von Theo Huxtable, falls Sie sich erinnern.

Aber zurück zur Blasmusik

Apropos: Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als man nicht immer sofort alles überprüfen und nachschlagen konnte und man manchmal tagelang überlegte, wie doch gleich noch mal die zweite Tochter der Huxtables hieß oder eben der Kumpel von Theo, und wie es einen dann irgendwann stach und man selig vor sich hin dachte: Denise!

Aber zurück zur Blasmusik. Schönster Song des Abends ist „Shitstorm“ vom aktuellen Album „Ich“. Es geht darin um uns, die Deutschen, diese misstrauischen Kleingeister in der eigenen Hausgemeinschaft. Und irgendwann wird aus Misstrauen Angst und während alle nur übers Wetter reden, braut sich am Himmel ein bedrohlicher Shitstorm zusammen („Na schau dir das mal an!“) – viel besser kann man von Gute-Laune-Pop nicht zu Zeit- und Gesellschaftskritik überleiten. Und während man das so rafft, wandern zwei Regenschirme durch herrlich warmen Wohlfühljazz wie durch einen alten amerikanischen Film. Das Bionade-Biedermeier lässt schön grüßen!

Nach ähnlichem Prinzip verfährt das zum finalen Finale in der Halle verlegte Brett: „Alle Kinder“ von 2016 variiert über die Mutter aller Kinderwitze und treibt dabei die bloße Freude am Spielen mit Wörtern hin zum Ernst des Lebens: Von „Alle Kinder sitzen in der Bahn / Außer Gunther, der liegt drunter“ geht es zu „Alle Kinder suchen gerne Ostereier / Bis auf Gül, die sucht Asyl“ und „Alle Kinder nähen Nikes zusammen / Bis auf Jan, der zieht sie dann an“. Es gibt kein Halten mehr. „Und alle Kinder schreien: Ooh-oooh-ooooh“ (nur nicht Benjamin, der schreibt es hin).

Von Benjamin Heine

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