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08:09 28.11.2019
Wofür muss man sich schämen? Das Tanzlabor Leipzig geht dieser Frage in Kooperation mit Polymora Inc. und Lofft nach. Quelle: Tom Dachs
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Leipzig

Es ist ein weiterer entscheidender Schritt in Richtung Barrierefreiheit und Inklusion. Was seit Jahren fest in der programmatischen Ausrichtungdes Lofft verankert ist, manifestiert sich jetzt mit einer hauseigenen Audiodeskriptionsanlage. Die wird am Donnerstag in„School of Shame!“, der neuesten Produktion des freien Theaters auf der Baumwollspinnerei, erstmals zum Einsatz kommen.

Grund genug, mal nachzufragen was so klar ja gar nicht ist; schlicht, weil es (noch) nicht so selbstverständlich ist, wie es sein sollte: Was nämlich das konkret ist und wie sie funktioniert, so eine Audiodeskription im Theater. Die im Lofft jetzt der Dramaturg Matthias Huber verantwortet. Und der somit dort etwas für Menschen „erfahrbar zu machen versucht“ (Huber), was diese Menschen in der eigentlichen, ursprünglichen Form so nicht erfahren können, weil „ihnen schlicht die dafür vorgesehenen Sinnesorgane nicht oder nicht in Gänze zu Verfügung stehen.“

Was Huber leistet, ist eine Art Übersetzungsarbeit als Transformierung visueller Vorgänge ins Akustische. Das geht über bloßes „Schildern“ oder Wiedergeben à la „X geht von links nach rechts zu Y“ hinaus. Als Hör-Bilder, als Hör-Film oder Ton-Assoziationen mag man eher beschreiben, was hier geschieht. Als ein Sinn- und Wahrnehmungstransfer, als eine Suche nach dem zum visuellen Bild verständlich Adäquaten.

Auch so geht Inklusion

Was tatsächlich auch nach einem gehörigen Stück Kreativarbeit klingt, nach einer Form des Performativen, wenn freilich auch eingebettet in die jeweilige Performance: „Ja, da ist was dran“, sagt Huber. „Also ohne das jetzt so hoch hängen zu wollen. Aber doch: Das ist auch schon ein performativer Vorgang.“

Der bei Inszenierungen mit hohem Improvisationsanteil weit schwieriger wird. Zumal, wenn es sich noch wie im Falle von „School of Shame!“ um eine Stückentwicklung handelt. Es also kein irgendwie vorskizziertes Manuskript gibt, auf dessen Basis Huber schon an die Arbeit gehen könnte.

„Ich notiere auf den Proben viele Sachen. Wir haben auch ein Video gemacht – und mit all dem erarbeite ich während des Probenprozesses mein Audioskript.“ Für das dann wiederum eine, wie Huber sagt, „Referenzperson“ unabdingbar ist. Im konkreten Fall ist das die blinde Autorin Cathie Matthis, die gleich einer Korrektiv-Instanz für den sehenden Huber und das Audioskript fungiert. Auch so geht Inklusion.

Wie lässt sich Scham überwinden?

Erste Erfahrungen mit Audiodeskription sammelte Huber in seiner Zeit als Dramaturg am Leipziger Schauspiel. Um das Haus in größerem Umfang hin zur Stadtgesellschaft zu öffnen, forcierte Intendant Enrico Lübbe diesbezügliche Konzeptionen: „Schwellen senken, Barrieren abbauen – darum ging es. Und so hatte ich im Schauspiel bald den Bereich Audiodeskription betreut. Und bin darüber mehr und mehr in dieses Gebiet der Inklusion eingetaucht.“

Momentan, so Huber weiter, bewege sich in Deutschland diesbezüglich ja tatsächlich grad einiges zum Positiven. Es ändert sich da ein Bewusstsein. Eins, das, wie erwähnt, im Lofft freilich schon weit länger als an anderen Häusern der Stadt zum inhaltlichen künstlerischen Selbstverständnis gehört.

Ein Selbstverständnis, zu dem dann auch eine Inszenierung wie „School of Shame“ bestens passt. Eine Musical-Performance, die um eine oft recht diffizile Technik gerade auch der Ausgrenzung kreist: Um Scham und Beschämung nämlich. Um das, was sie hervorruft. Und um das, womit sie sich überwinden lässt.

„School of Shame!“, Donnerstag bis Samstag, je 20 Uhr, Lofft, Halle 7, Spinnereistraße 7. Am Freitag im Anschluss Publikumsgespräch, am Samstag Party, Eintritt Premiere 16/11 Euro, sonst 13/9 Euro

Von Steffen Georgi

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