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Kultur Regional Wiglaf Drostes Geburtstag: Kein Recht auf Heiterkeitsverzicht
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10:52 28.06.2019
Gedachte seines Freundes Wiglaf Droste: Friedrich Küppersbusch. Quelle: André Kempner
Leipzig

Zwar hallt seine Stimme zu Beginn noch einmal durch den Saal, den eigenen 58. Geburtstag am Donnerstag aber hat Wiglaf Droste verpasst. Vor gut einem Monat machten die Folgen einer Leberzirrhose die Worte des wohl treffsichersten und schärfsten Satirikers des Landes wahr: „Humor ist, wenn man trotzdem stirbt.“ Auch wenn es anfangs so wirkte, als verliefe der Abend getragener, als es dem Geehrten recht gewesen wäre, traf man sich im Felsenkeller ausdrücklich nicht zum Nekrolog, sondern zur möglichst gut gelaunten Geburtstagsfeier. Auch Mutter, Bruder und Sohn waren vor Ort. Von 2006 bis 2017 hatte Droste weitgehend in Leipzig gelebt.

Für ihn, den eigentlich „Unumarmbaren“, der leidenschaftlich nicht nur aneckte, sondern mit gnadenlos wortakrobatischem Zynismushammer jede Ecke einzuschlagen pflegte, kamen viele Freunde, Wegbegleiter und Bewunderer aus Leipzig, Deutschland und der Schweiz zusammen, zu viele, um sie hier aufzuzählen. Über drei Stunden gaben sie bekannte und unveröffentlichte Texte Drostes zum Besten, dazu Anekdoten aus gemeinsamem Erleben, Nachrufe und Artverwandtes. Auch seine Musikleidenschaft und mitunter ganz unironische lyrische Ader kamen zum Klingen.

Seine Texte bleiben unentbehrlich

Bei allem Schmerz um die menschliche und künstlerische Lücke, die sein Tod reißt, folgte der Abend Drostes Motto „Es gibt kein Recht auf Heiterkeitsverzicht“. Immer wieder lachte der Saal kollektiv laut auf und zeigte: Auch wenn es nichts Neues mehr von ihm geben wird, zur gnadenlos bösen wie komischen Kommentierung unserer Zeit wird es sich noch lange nicht entbehren lassen, Wiglaf Droste zu lesen.

Von Karsten Kriesel

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