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Kultur Regional Wir kommen in Frieden: „VR_I“ verbindet Tanz und virtuelle Realitäten
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15:21 08.11.2019
Die Compagnie Gilles Jobin tanzt im virtuellen Raum. Quelle: Compagnie Gilles Jobin
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Leipzig

Zwölf Jahre alt mag er sein, der Junge, der mit nach hinten gebogenem Oberkörper zur Decke blickt, mit großer Geste seine Arme hebt und verkündet: „Wir kommen in Frieden.“ Was von außen betrachtet etwas albern wirkt, schließlich stapfen hier nur fünf Personen mit kastenartigen Brillen und einer auf den Rücken geschnallten Box über die leere Bühne in der Diskothek des Leipziger Schauspiels, ein Plot ist nicht erkennbar und die nackte Bühnendecke scheint sich auch nicht darum zu scheren, ob die fünf Gestalten in Frieden kommen oder nicht.

Wenn man einige Minuten später nicht mehr Beobachter, sondern mit Sensoren verkabelter Teil der Performance „VR_I“ bei der Euro-Scene ist, begreift man auf einen Schlag. Statt Bühnendecke sieht man Himmel, bekannte Größenverhältnisse heben sich auf und die Fragen beginnen: Wer ist hier noch real, welche Figur Simulation? Und was bleibt von der eigenen Person, wenn der Blick ungläubig am veränderten eigenen Körper herabgleitet?

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Man will – am Wochenende ist die performative Installation noch zugänglich – nicht zu viel verraten von den Überraschungseffekten der bizarren digitalen Umgebung, in die einen die Compagnie Gilles Jobin und Artanim mit dem 3D-Künstler Tristan Siodlak stoßen. Doch die Wirkung ist verblüffend, echte Welt und virtuelle Realität durchdringen sich. Eben gelingt noch der geisterhafte Griff durch die digitale Fiktion einer Tänzerin, dann trifft die Hand auf den realen Menschen unter der Avatar-Wolke. So gespenstisch die Trugbilder sein mögen, zwischen fünf Avataren der Besucher und den Abbildern fünf weiterer Tänzer macht sich kaum eine bedrohliche, eher eine zauberhaft ruhige, mitunter fast meditative Atmosphäre breit.

Als „Tanz im virtuellen Raum“ wird „VR_I“ angekündigt, wobei der Tanz eher das ästhetische Hintergrundrauschen bildet für einen interaktiven Gang durch einen 3D-Film. Womit der Choreograf Gilles Jobin ein spannendes Zukunftsfeld der darstellenden Künste öffnet. Der Genfer studierte klassischen Tanz in Cannes, tanzte in London und Madrid und wurde später Haus-Choreograf am Théâtre Arsenic in Lausanne. Inzwischen arbeitet er mit seiner eigenen Compagnie und drehte 2016 den 3D-Film „WOMB“. An der Seite von Artanim ist er jetzt noch tiefer in die Möglichkeiten digital erzeugter Welten eingedrungen. Die gemeinnützige Organisation Artanim, ebenfalls mit Sitz in Genf, beschäftigt sich mit digitaler Bewegungserfassung und steuert die Virtual-Reality-Technik für Jobins Inszenierung, die beim Festival du Nouveau Cinéma in Montréal ausgezeichnet wurde und bei der Euro-Scene Deutschlandpremiere feiert.

„Welcome back“, sagt am Ende einer der Mitarbeiter, als er die 3D-Brille in Empfang nimmt, Hände und Füße von Sensoren befreit. Die Wüstenlandschaft ist verschwunden, die Mitreisenden haben ihre alte Gestalt angenommen. Rund 20 Minuten nur hat der eindrucksvolle virtuelle Ausflug gedauert und eine Ahnung davon verliehen, welche Möglichkeiten digitale Fiktionen in Zukunft auf der Bühne entfalten könnten. Ein Feld, auf dem nicht nur die Schweizer experimentieren. Im März wurde am Theater Dortmund bereits die Akademie für Theater und Digitalität gegründet.

Am Abschluss-Wochenende zeigt die Euro-Scene neben „VR_I“ noch vier Produktionen. Im Lofft gastiert Dragana Bulut mit ihrer Performance „Happyology“. Es geht, getarnt als eine Art Workshop auf der Spur der aktuellen Selbstoptimierungswelle, um die Suche nach Glück. Das allerdings anders als ursprünglich von den Performern angekündigt und im Programmheft veröffentlicht auf Englisch, nicht auf Deutsch.

Als Mono-Oper zeigt das Moving Music Theatre Gogols „Tagebuch eines Wahnsinnigen“. Das traditionelle Kinderstück der Euro-Scene ist in diesem Jahr ein Tanzstück: Die Compagnie (1)Promptu aus Aix-en-Provence zeigt „Peter und der Wolf“. Ebenfalls aus Aix kommt der Choreograf Angelin Preljocaj, der am Sonntag zum Festival-Abschluss drei Tanzstücke zeigt. Daran schließt sich im Garderobenfoyer des Schauspiels das Finale um „Das beste deutsche Tanzsolo“ an.

www.euro-scene.de

Von Dimo Rieß

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