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Kultur Regional „Wir müssen endlich von dem DDR-Label wegkommen“
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11:31 23.07.2019
Paul Kaiser hat die Ausstellung „Point of No Return“ im Museum der bildenden Künste zusammen mit Direktor Alfred Weidinger und Christoph Tannert kuratiert. Quelle: André Kempner
Leipzig

Paul Kaiser hatte im September 2017 den Dresdner Bilderstreit ausgelöst, indem er damals anprangerte, dass zu wenig ostdeutsche Kunst in deutschen Museen zu sehen sei. Mit der LVZ sprach er darüber, was sich seit der von ihm ausgelösten Debatte verändert hat. Der 1961 in Freiberg geborene Kunst- und Kulturwissenschaftler ist Leiter des Dresdner Instituts für Kulturstudien und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Dresden. Zusammen mit Direktor Alfred Weidinger und Christoph Tannert kuratiert er im Museum der bildenen Künste (MdbK) mit eine „Point of No Return“ eine große Ausstellung zu den Themen Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst.

Ist die Ausstellung „Point of No Return“ eine direkte Konsequenz des Dresdner Bilderstreits?

Ja und Nein. Auf der einen Seite hat es nichts damit zu tun, denn die Ausstellung zu diesem brisanten Thema, das die Biografie aller Ostdeutschen berührt, ist eine Sache für sich. Und auf der anderen Seite hat es viel damit zu tun. Denn durch den Bilderstreit erleben wir ein neues Interesse an der ostdeutschen Kunst. Lange gab es eine Deklassierung ostdeutscher Kunst von westdeutscher Seite aus einer vermeintlichen Überlegenheit. Das hat sich völlig geändert.

Ist ostdeutsche Kunst seit 2017 in deutschen Museen präsenter?

Auf jeden Fall. Sie können heute überall von der Kunsthalle in Rostock bis zum Angermuseum in Erfurt wunderbar gebaute Ausstellungen mit ostdeutscher Kunst sehen. Das neue Interesse hat auch im Westen Fuß gefasst. Es gibt dieses Jahr im Kunstpalast in Düsseldorf die erste Ausstellung eines westdeutschen Kunstmuseums zu diesem Thema. Man muss jetzt schauen, wie man das neue Interesse halten kann, damit sich auch in der Wissenschaft etwas verändert. In den kunstgeschichtlichen Instituten kann man deutschlandweit die Lehrveranstaltungen zur ostdeutschen Kunst an einer Hand abzählen. Da hat sich bisher noch immer zu wenig getan. Selbst in Frankreich oder den USA ist das Interesse größer.

Warum vermeiden Sie den Begriff DDR-Kunst?

Wir sprechen von einer deutschen Kunst, die in Ostdeutschland entstanden ist. Und eben nicht nur in der DDR. Das geografische Argument ist hier ein sehr schwaches. Manche Künstler haben in vier verschiedenen politischen Systemen zwischen Weimarer Republik und Wiedervereinigung gelebt. Andere sind in den Westen gegangen und haben dort Kunst geschaffen. Auch das Prädikat „ostdeutsch“ kann nur ein Zwischenbegriff auf dem schwierigen Weg zur Wiedervereinigung beider deutschen Kunstgeschichten seien. Aber von dem DDR-Label müssen wir endlich wegkommen, es ist nicht mehr zeitgemäß.

Manche der in dieser Ausstellung vertreten Künstler haben die DDR nur als Kinder erlebt. Inwiefern kann man die Werke dieser jungen Kunstschaffenden noch als „ostdeutsch“ bezeichnen?

Stimmt, beispielsweise Henrike Naumann (LVZ-Kunstpreisträgerin 2019, Anm. d. Red.) wurde 1984 in Zwickau geboren, hat also nur wenige Jahre ihres Lebens in der DDR verbracht. Trotzdem verstehen sich junge Künstler ihrer Generation heute ganz bewusst als Ostdeutsche. Es ist eben anders gekommen, als viele Politiker sich das damals gedacht haben. Kulturelle Differenzen haben sich mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik nicht aufgelöst. Im Gegenteil, es zeigt sich, dass diese von Generation zu Generation weitergereicht werden. Da geht es also auch um Familiengeschichte. Zum Beispiel war schon Karl Heinz Jakob, der Großvater von Henrike Naumann, ein relativ bedeutender Maler in der DDR. Das bindet sie in ihre Kunst mit ein.

Von Pia Siemer

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