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Kultur Regional „Wir sollen ihre Meinung bedienen“: Diskussion zum Tag der Pressefreiheit
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Wir sollen ihre Meinung bedienen“: Diskussion zum Tag der Pressefreiheit
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19:35 03.05.2019
Zum Tag der Pressefreiheit diskutierten am Freitag Martin Hoffmann, Lutz Kinkel, Oliver Schenk, Anita Kecke und Lucie Sýkorová (v.l) im LVZ-Foyer. Quelle: André Kempner
Leipzig

Von Sachsen nach Tschechien, dann in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba und wieder zurück. Was wie ein etwas anderer Reisebericht klingt, waren am Freitag im gut besuchten LVZ-Medienhaus eine mehr beunruhigende als Hoffnung machende Bestandsaufnahme des Zustands der Pressefreiheit in der Welt. Einmal im Jahr wird diese mit einem Unesco-Welttag gewürdigt, das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit in Leipzig (ECPMF) kümmert sich auch an den übrigen Tagen darum, lud aus diesem Anlass zu einer Diskussion, die ECPMF-Geschäftsführer Lutz Kinkel moderierte. Wie kann man Desinformation begegnen? Wo hört Meinungsfreiheit auf, wo fängt Hetze an? Warum werden so viele Journalisten attackiert? Solche und andere Fragen beschäftigen jeden, der sich um die Demokratie sorgt.

Sinkender Respekt gegenüber anderen Menschen

Auch Anita Kecke, Chefin vom Dienst bei der LVZ. Die zunehmenden Angriffe auch auf Journalisten ihrer Zeitung erklärt sie unter anderem mit einem allgemein sinkenden Respekt gegenüber anderen Menschen, insbesondere Berufsgruppen wie Politikern und Staatsanwälten, aber auch Rettungskräften oder Lehrern. Journalisten gegenüber herrsche bei vielen inzwischen eine Erwartungshaltung: „Wir sollen ihre Meinung bedienen.“ Mache man das nicht, komme der „Lügenpresse“-Vorwurf. Dabei bemühe man sich um Dialog – online, aber auch indem man viel Platz für Leserbriefe zur Verfügung stelle. Die Digitalisierung sei „Fluch und Segen“, so Kecke. Sie sorge für ein ganz anderes Tempo der Berichterstattung und ermögliche viele neue Angebote. „Aber andererseits kommen Rassismus, Homophobie und die Beschimpfung von Minderheiten ungefiltert ins Netz.“

Oliver Schenk, der auch für die Medien zuständige Chef der sächsischen Staatskanzlei, verweist auch auf die Kostenlos-Mentalität im Netz. Diese bedrohe die Vielfalt der Medien gerade in den Regionen. Wo diese nicht gegeben sei, „schwindet die Zustimmung zur Demokratie“. Schenk sorgt sich um die Verbreitungen von gezielten Falschmeldungen – wie etwa in Chemnitz und beklagt eine „völlige Verrohung der Sitten“, wenn die AfD über schwarze Listen für Journalisten oder einen Lehrerpranger diskutiere.

Martin Hoffmann ist Autor einer Studie, die der Frage nach einem Zusammenhang zwischen dem Aufkommen des „Lügenpresse“-Vorwurfs und der Zahl der Übergriffe auf Journalisten in Sachsen nachgeht. Gibt es diesen? „Ja“, sagt er. Ein großer Teil der Angriffe sei auf entsprechenden Demonstrationen passiert .Allein 2018 waren es 26..

„Ihnen geht es noch gut“

„Ihnen geht es noch gut“, sagt die Journalistin und ECPMF-Aufsichtsratsvorsitzende Lucie Sýkorová mit Blick auf eine „Oligarchisierung der Medien“ in ihrem Heimatland Tschechien. Dort hat der Milliardär und Ministerpräsident Andrej Babiš das größte Medienhaus gekauft. In Regionalzeitungen gebe es keine „chinesische Mauer“ mehr zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung. „Politiker sind gewohnt, dass Zeitungen als PR-Abteilungen arbeiten. Schlimmer sei es allerdings in Polen und Ungarn, wo inzwischen 75 Prozent der Nachrichten im öffentlich-rechtlichen TV Propaganda seien.

Auch Äthiopien, wo gestern der Internationale Tag der Pressefreiheit gefeiert wurde, ist bislang nicht als sicherer Ort für Journalisten bekannt, doch ausgerechnet von dort kam ein Hoffnungszeichen per Video-Einspieler. Nach dem Regierungswechsel könne sie nun Themen aufgreifen, die sie zuvor ins Gefängnis gebracht hätten, sagt eine Cartoonistin.

Von Jürgen Kleindienst

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