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Kultur Regional Wohnungsübergabe für ersten Hanns-Eisler-Stipendiaten der Stadt Leipzig
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15:29 07.05.2019
Gregor Forbes (2. v. r.) ist der erste Hanns-Eisler-Stipendiat. Etienne Walch, Skadi Jennicke und Anja-Christin Winkler (v. l.) übergaben ihm die Schlüssel. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Schlüsselübergabe für ein einstiges Luftschloss: Der 1993 in Edinburgh geborene Gregor Forbes ist der erste Stipendiat, der in die sanierte Geburtswohnung Hanns Eislers eingezogen ist. Bis Ende August wird er auf den knapp 75 Quadratmetern leben und arbeiten. Dafür erhält der schottische Nachwuchskomponist 5000 Euro für seinen Lebensunterhalt.

Das „Internationale Hanns-Eisler-Stipendium der Stadt Leipzig“ sei sein erstes Stipendiat, erzählt er noch auf Englisch, er spreche bisher „nur ein bisschen“ Deutsch: „Es ist sehr schwer für Komponisten, von ihrer Arbeit zu leben. Ich arbeite hauptsächlich als Klavierlehrer und versuche, dass sich das die Waage hält mit dem Komponieren und meiner Konzertserie in Glasgow“, erzählt er. Mit einem Stipendium wie diesem könne er sich ganz dem Komponieren widmen.

Gregor Forbes ist der erste Hanns-Eisler-Stipendiat: Dessen Geburtswohnung in der Hofmeisterstraße 14 dient ihm während seiner Zeit in Leipzig als Aufenthalt. Quelle: André Kempner

Forbes will an zwei Projekten in Leipzig arbeiten

Eislers Musik kenne er seit Jahren. „Für mich mit am interessantesten sind sein Engagement und seine politischen Vorstellungen, die er auch musikalisch beschreibt. Es gibt so viele offene Fragen in der heutigen Welt, was den Wert neuer Musik oder Kunst betrifft, und wie sie gesellschaftliche oder politische Probleme betrachten.“ Natürlich bewundere er Eisler auch als Komponisten, nicht nur dessen faszinierende Persönlichkeit.

Auf Eislers Spuren begibt er sich in der kleinen Wohnung, die in der Hofmeisterstraße 14 im unteren Parterre links liegt. Er freue sich, hier zu arbeiten, Ideen zu entwickeln und zu erfahren, was Leipzig ihm anbiete – vor allem die Kunst- und Musikszene der Stadt. Während seines Aufenthalts wolle er an zwei Projekten arbeiten: eines für Streichquartett mit Pauken und eines für das Musica-Nova-Konzert im Oktober. „Ich habe ein paar Fragen, die ich in meiner Arbeit schon seit einigen Jahren verfolge. Ich hoffe, dass ich diese hier weiterentwickeln kann.“

Gebäude mit Geburtswohnung vor Abriss gerettet

„Als wir uns 2016 gründeten, war dieses Haus eine wahre Bauruine, die nach lange ungeklärten Besitzerverhältnissen von einem Investor gekauft und saniert wurde“, umriss Etienne Walch, Vorstand vom Verein Eisler-Haus Leipzig, anlässlich des Einzugs am Montag sehr kurz die Situation, die zum Erhalt der Wohnung führte. Vor diesem Hintergrund wäre die Idee eines Composer-in-Residence-Programms fast ein kleines Luftschloss geblieben. „Aber es gibt Träume, die werden manchmal zum Glück auch wahr.“

Der Dank des Vereins gehe daher an die Stadt, das Kulturamt, den Stadtrat, aber auch an die Leipzig-Stiftung, die die Wohnung gekauft und vermietet hat.

Dabei weilte Hanns Eisler nur wenige Tage hier: „Es ist tatsächlich nur sein Geburtshaus, er hat hier nichts komponiert. Er ist hier eigentlich nur am 6. Juli 1898 geboren, hat hier zwei Monate gelebt und ist dann nach Wien mit seinen Eltern“, beschreibt Walch. Dennoch sei die Wohnung ein authentischer Ort.

Bis zum Anfang des Jahres habe er sich nicht vorstellen können, sie übergeben zu können. Denn alles war eigentlich schon fertig, als Grundwasser ins Gemäuer zog, sich Schimmel bildete und das Parkett Wellen schlug. „Aber das konnte behoben werden.“

Wohnung mit neuem Leben gefüllt

Elisa Sophia Richter, die am Bauhaus in Weimar und an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert hat, blieb nicht viel Zeit, um die Wohnung, in der nichts Historisches an ihn erinnerte, im Sinne Eislers mit einer künstlerischen Handschrift zu versehen.

„Ich habe versucht, kleine Bezüge zu ihm einzubauen. Er war sehr viel unterwegs“, erklärt sie, „und musste in verschiedene Länder emigrieren“. Daher finden sich im Flur nun historische Ansichtskarten, auf denen sich der mexikanische Vulkan Popocatépetl neben Metropolen wie Paris, Leipzig, Berlin oder Wien reiht – Stationen, an denen Eisler gelebt hat. Nicht akademisch und starr sollte die neue Wohnung sein, bestätigt Etienne Walch, sondern ein Ort des Neuanfangs: „Der alte Ort soll mit neuem Leben gefüllt werden.“

Stipendium wird jährlich ausgeschrieben

Das Anliegen des Vereins, keinen toten Museumsort zu schaffen, „sondern tatsächlich einen Ort der lebendigen Musikproduktion und Auseinandersetzung mit Eisler“, würdigt auch Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. „Ich glaube, das wäre im Sinne Eislers. Ihn nicht ins Museum zu stellen und ihn auf das zu reduzieren, wofür man ihn immer noch zu gut kennt: als Komponisten der DDR-Nationalhymne.“ Als namhafter Vertreter der Neuen Musik habe er sich einen Platz in der Musikgeschichte verdient. Mit dem jährlich vergebenen Stipendium hoffe sie, das Spektrum von Leipzig als Musikstadt maßgeblich erweitern zu können.

Das nächste Stipendium ist bereits ausgeschrieben: Immer vom 1. Mai bis zum 6. Juli, dem Geburtstag Hanns Eislers, läuft die Bewerbungsfrist. Um dessen Todestag am 6. September trifft dann die Jury ihre Auswahl. Es wird für fünf Monate ausgeschrieben, den Rest des Jahres wird die Wohnung untervermietet, etwa als Zeitwohnung für Dozenten, die in Leipzig lehren.

Von Manuel Niemann

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