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Kultur Regional Wolfgang Winkler, populär geworden als Kommissar im „Polizeiruf“, ist mit 76 gestorben
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15:13 08.12.2019
Ermittelten bis 2012 in 16 Jahren und 50 „Polizeiruf“-Fällen des MDR in Halle: Wolfgang Winkler (l.) und Jaecki Schwarz. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Leipzig

Zwei Mal hat er richtig Pech gehabt. Erst wollte Konrad Wolf lange Zeit, dass Wolfgang Winkler jenen Gregor Hecker in „Ich war 19“ spielt, der als Deutscher 1945 in Roten Armee-Uniform zurück nach Deutschland kommt. In letzter Minute gab es eine Umbesetzung: Jaecki Schwarz kam – und Wolfgang Winkler wurde zum Kurzauftritt: Ein deutscher Soldat, der auch noch erschossen wird.

Wolfgang Winkler, Ensemblemensch der alten Schule

Berufsschicksal

Beim zweiten Mal sagte er die Titelrolle in „Dr. med. Sommer II“ ab. Er wollte lieber den Nachkriegskrimi „Leichensache Zernick“ drehen. Doch nach dem Dreh in Prag starb Regisseur Gerhard Klein – und sein Star Wolfgang Kieling ging zurück in den Westen. Beim Neudreh wurde Alexander Lang zum Ermittler.

Als ich mit Wolfgang Winkler vor 18 Jahren darüber redete, nahm er es mit dem Abstand der Jahre leicht. Berufs-Schicksal. 1970, als er gerade 27 war, wird es ihn wohl um einiges härter getroffen haben. Obwohl Umwege, Stolpern und Aufstehen, bereits zu seinen Anfängen gehörte.

19 Jahre in Halle

Die lagen ohnehin nicht auf dem Theater. Die rollten über Schienen. Wolfgang Winkler lernte Maschinist für Fahrbetrieb, spielte nebenbei im Kabarett des Lehrlingswohnheims – bis ein paar Mitspieler, Studenten der Journalistik, einen Brief nach Babelsberg, an die Filmhochschule, schrieben. So landete der Lokführer Winkler bei der Schauspielerei – und kam bereits 1965 zur ersten Filmrolle: Dieter in „Das Kaninchen bin ich“. Als der Film verboten wurde, musste der Student Winkler sofort runter von der Schule – obwohl Kurt Maetzig, der Regisseur, ihr Chef war. Der sorgte dann wenigstens dafür, dass er die Bühnenreife nachgesandt bekam. Wolfgang Winkler, der für die Berliner Volksbühne vorgesehen war, landete jedoch – nach einem Bewerbungstelefonat – am Theater seiner Geburtsstadt Görlitz. Nur kurz allerdings, dann rief Halle – für 19 Jahre. Danach arbeitete er frei, Film und Fernsehen holten ihn oft.

Komödiant

Dass er als junger Schauspieler nie der jugendlichen Liebhaber war, damit konnte Wolfgang Winkler gut leben. Er war ohnehin eher ein Komödiant. Einer, der schelmisch, verschmitzt, still, ironisch statt lärmend spielte. Einer, der durch Zurückhaltung auffiel. Einer, der in der Rolle lebt. Einer, der sie wie eine zweite Haut trägt. Erst vor vier Jahren, als Wladimir in „Warten auf Godot“ am Theater Halle, zeigte er es erneut.

Aufregendes Theater

In den 70ern hatte er schlichtweg Glück. Als Horst Schönemann Intendant war, reiste man nach Halle, weil es dort aufregendes Theater gab. Der Sergeant Wasskow in „Im Morgengrauen ist es noch still“, der Wolodja in „Unterwegs“, Viktor Rosows Kultstück, und der Quasi Riek in „Die Aula“waren Glanzauftritte von Wolfgang Winkler, der komödiantisch daneben immer wieder im Fernsehtheater Moritzburg glänzte.

Deutschlandweit populär

Defa und DDR-Fernsehen sahen ihn nicht so wandlungsfähig. Für sie war er einfühlsamer Vater oder gestandener Arbeiter („Pferdemädchen“, „Hut des Brigadiers“, „Trillertrine“). Wolfgang Winkler störte es wenig – bis mit der Wende Verunsicherung kam. 1990 jedenfalls war er froh, dass ihn Peter Sodann wieder in sein hallesches Ensemble aufnahm. 1993 ging er nach Dresden, 1995 sprang er erneut ins kalte Wasser – freischaffend. Jurek Beckers Achtteiler „Wir sind auch nur ein Volk“ (Winkler als Parteisekretär) und die Serie„Kurklinik Rosenau“ gaben, nachdem er „Natalie“ bei SAT.1 absagen musste, letzte Anstöße. Dann kam 1996 der MDR. Wolfgang Winkler wurde für 16 Jahre Kommissar Herbert Schneider im halleschen „Polizeiruf“ – mit Jaecki Schwarz als Partner, der ihn einst aus „Ich war 19“ verdrängt hatte. Eine Rolle, die Wolfgang Winkler deutschlandweit populär machte.

Alte Schule

Weil er auf dem Bildschirm so blieb wie er tatsächlich war: bodenständig, freundlich, aufgeschlossen, neugierig. Den „Polizeiruf“ mochte er, nicht nur, weil er sein Türöffner wurde: „Es sind verkappte Gegenwartsfilme, aber es wird – im Unterschied zum „Polizeiruf“ in der DDR – heute schneller gedreht und nicht viel probiert. Man muss immer sofort auf den Punkt sein.“ Das hat ihn gefordert. Aber Wolfgang Winkler blieb eben alte Schule: Kam er ans Set, war er vorbereitet. Den Text kannte er, den Charakter hatte er intus – von „Heinrich der Säger“ bis „Tango im Schnee“. Letztes Jahr kehrte er noch einmal zum Dreh in seine Geburtsstadt Görlitz zurück – als Gastwirt für den MDR-Krimi „Wolfsland: Der steinerne Gast“.

Ganz eigene Warmherzigkeit

Ansonsten hat er es sehr genossen – und bei Treffs hat er mir immer davon erzählt – mit Tilo Prückner in der heiteren WDR-Serie „Rentnercops“ zu ermitteln. Ohnehin fiel auf, wenn er von Dreharbeiten sprach, dass er sich immer wie ein Kind auf Kollegen freute. Wolfgang Winkler war eben ein Ensemblemensch. Das steckte wohl drin in seiner so ganz eigenen Warmherzigkeit. Vielleicht hatte die was mit jenem Schicksalsschlag zu tun, an dem er lange litt. 1999 stürzte seine Ehefrau Renate (zwei Kinder) eine Kellertreppe hinunter und starb. Als er dann Silvester 2004 Marina Groth, eine Tanzpädagogin, mit der er 1973 eine kurze Affäre hatte, wiedertraf, wurde das zum Glücksfall. Einzug ins Haus in Berlin-Karow, Heirat 2008. Am Sonnabend nun ist Wolfgang Winkler an Krebs gestorben – mit 76 Jahren.

Von Norbert Wehrstedt

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