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Kultur Regional „Woodstock Vision“: Bildband von Fotograf Elliott Landy erinnert an den Geist von 1969
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17:26 07.05.2019
„Woodstock Vision. The Spirit of a Generation“: Elliott Landy stellte am Montag seinen bei Zweitausendeins erschienenen Bildband in Leipzig vor. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Just give me a second!“ Elliott Landy nimmt kurz die Brille ab, legt die flachen Hände an beide Schläfen und hält inne. Er brauche einen Moment, wolle über die Frage nachdenken, sagt er.

Ein seltsam entschleunigender Moment während der Signier- und Gesprächsrunde, für die der 76-jährige Fotograf am Montag in den Zweitausendeins-Laden in Leipzig gekommen ist. Man ist es kaum mehr gewohnt, dass sich jemand etwas Zeit nimmt, während ein Publikum wissbegierig auf Antworten wartet.

Zeitreise ins Jahr 1969

Landy war 26, als er mit fünf Kameras über der Schulter das Festivalgelände von Woodstock erkundete. Das war vom 15. bis 17. August 1969, fast 50 Jahre ist das her. Eine Ausstellungsreihe zeigt seine Fotos zum Jubiläum noch in diesem Jahr in Papenburg, Karlsruhe und Nürnberg.

„Die Vereinigten Staaten führten einen Krieg in Vietnam, wir wussten, die Regierung war korrupt und belog die Leute, ähnlich, wie es heute wieder passiert. Wir, die Woodstock-Generation, wollten nicht so sein. Aber unsere Schulen, das Bildungssystem lehrte uns nicht, wie das ging.“ Nicht nur er suchte damals eine andere Art zu leben, „als nach der Schule, eine Arbeit zu finden, seine Steuern zu zahlen und eine Familie zu gründen.“

Bildband dokumentiert Aufbruchstimmung

Stattdessen wandte sich Landys Generation fernöstlicher Mystik, alten Kulturen oder metaphysischen Schriften zu. Auch die bewusstseinserweiternde Wirkung von LSD oder Cannabis lässt Landy nicht unerwähnt. Und dann ist da auch noch verbindende Kraft der Musik: Zu Ikonen wurden seine Aufnahmen von Jimi Hendrix, Janis Joplin, The Band und eben des Woodstock-Festivals.

Wie ist er zu diesem Job als Hausfotograf von Woodstock gekommen?, fragt jemand aus dem Publikum. „Für die lange Version müssen Sie das Buch lesen!“, scherzt Landy. Der BildbandElliott Landy: Woodstock Vision – the Spirit of a Generation“, der gerade bei Zweitausendeins erschienen ist, liegt signierbereit neben ihm.

Rock’n’Roll als Teil der Friedensbewegung

Dann erzählt er aber doch vom vielleicht wichtigsten Ja in seinem Leben. Er habe als politischer Fotograf damals Friedensdemonstrationen dokumentiert. Rock’n’Roll-Musiker wurden zu seinen Motiven, weil diese sich offen gegen den Krieg aussprachen.

In Woodstock, der Gemeinde, in der er heute noch lebt, hatte er bereits Bob Dylan und The Band fotografiert. Seine Fotos waren bekannt, so dass Mike Lang eines Tages mit seinem Motorrad bei ihm vorfuhr und fragte, ob er nicht „dieses Festival“ fotografieren wolle, das er plane.

Fast 50 Jahre später: Elliott Landy mit seinen Bildern vom Woodstock-Festival 1969. Quelle: André Kempner

Es brauchte nicht mal einen Handschlag, um zuzusagen, erzählt Landy. Woodstock, das versprach drei Tage voller Frieden und Musik, bedeutete aber auch einen Festivalort mit Verkehrschaos und geschätzt 400.000 Besuchern, die nach Wolkenbrüchen im Schlamm versanken und versorgt werden mussten.

Trotz der Widrigkeiten sei dort etwas kulminiert: „Die Menschen dort konnten so sein, wie sie waren, sie waren frei.“ Viele auch, weil sie Marihuana rauchten, bemerkt Landy. Das sei damals so normal gewesen, dass die Polizei nicht eingriff. „Es gab keine Aggressionen.“

Suche nach einer Lebensform, die Liebe und Frieden vereint

Das ist es, was er mit Woodstock verbindet. Er bricht es auf zwei Wörter herunter: „Peace and love“, Liebe und Frieden als verbindende Elemente. „Diese jungen Leute, die Teil dieser Generation waren, lebten in dem Bewusstsein, friedlich leben zu wollen und anderen Liebe entgegenzubringen“, sagt er. „Das Ziel war zu lernen, wie das möglich war.“ Landy zeichnet das Bild einer Nachkriegsgeneration, deren Land sich bereits im nächsten Krieg befand, und die etwas Neues versuchte. Damit sei sie immer noch beispielhaft.

Kult und Kommerz, die Stars heute begleiten, waren 1969 noch fremd: Jimi Hendrix oder Janis Joplin habe er nicht abgelichtet, weil sie berühmt waren. „Ich habe sie fotografiert, um die Essenz dessen festzuhalten, was sie machten. Nur in diesem Moment: Jimi Hendrix, der auf Wolken schwebte, während er seine Musik spielte.“

Elliott Landy: Woodstock Vision. The Spirit of a Generation. Zweitausendeins; 224 Seiten mit ca. 300 Fotografien, 29,90 Euro

Von Manuel Niemann

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