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Kultur Regional Wut und Weltmusik: Soulfly im Hellraiser
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10:48 27.06.2019
Stammesoberhaupt mit ungebrochener Wut: Soulfly-Urgestein Max Cavalera im Leipziger Hellraiser. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Die Rastazöpfe des Brasilianers wackeln im Rhythmus der Musik, die sich esoterischer Sphären aus aller Welt bedient. Wer sich in Gedanken jetzt irgendwo zwischen Öko-Fete und Fusion-Festival befindet, ist Opfer typischer Klischeebilder. Tatsächlich befindet man sich Mittwochabend im Hellraiser, das sich eher düster-diabolischen Klängen verschrieben hat.

Das Wackeln der Rasta-durchzogene Mähne ist demnach eher ein kräftiges Headbangen, denn sie gehört niemand geringerem als Ethno-Metal-König Max Cavalera, der mit seiner Band Soulfly in Leipzig den aktuellen Tourabschnitt eröffnet. Anlass ist das mittlerweile elfte Studioalbum „Ritual“, das genau 20 Jahre nach dem selbstbetitelten Debüt erneut zeigt, dass die brasilianische Thrash-/Groove-Metal-Institution längst mehr ist, als nur eine Sepultura-Nachfolge für dessen ehemaligen Frontmann.

Das Hellraiser macht am bisher wärmsten Tag des Jahres seinem Namen alle Ehre, drinnen ist es auch ohne das später erklingende Gitarren-Riff- und Trommel-Feuer höllisch heiß. Eher negativ wirkt sich dies auf den Support Fragmentum aus, viele bleiben lieber vor der Tür, wo das frühabendliche Klima so langsam ins Erträgliche kippt. Die belgischen Newcomer haben ohnehin das Problem, dass sie ihren Melodic Death Metal zwar technisch sauber spielen, in puncto Ausstrahlung jedoch noch viel Luft nach oben haben.

Durchtränkt vom Schweiß

Zum Gemeinschaftsschwitzen trifft sich im Saal danach ein zwar zu großen Teilen männliches, jedoch sehr gemischtes Publikum mit allem, was die Schnittstelle zwischen Hardcore und Metall hergibt, wie es auch die musikalische Basis des explosiven Soulfly-Gebräus auszeichnet.

„Let the Ritual beginn“, grölt Cavalera zu Beginn ins Mikro, denn nichts anderes als ein immer wiederkehrendes Zeremoniell ist so ein Konzert unter gleichgesinnten Metal-„Stammesmitgliedern“, so international zusammengewürfelt sie auch sein mögen. Diese folgen der Aufforderung demnach auch lautstark. Und noch bevor man sich aus seiner Hitzestarre zu einem Moshpit aufraffen kann, wagt sich der erste crowdsurfend auf die Hände der anderen. „Heiße Scheiße“, presst Cavalera auf Deutsch hervor und begießt die ersten Reihen mit Wasser, was jedoch verpufft wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Durchtränkt ist man dennoch, nur vom Schweiß.

Obwohl bei Stammesoberhaupt Cavalera inzwischen ein deutlicher Grauton Bart und Rasta-Mähne ziert, ist seine Wut und musikalische Aggressivität ungebrochen. Diese richtet sich unter anderem gegen unsere oberflächliche moderne Plastikwelt und Spaltung betreibende Politiker. Das exzessive Verwenden archaischer Begriffe und Symbole sowie multiethnische, weltmusikalische Einflüsse – wo sonst hört und sieht man Metal auch mal auf der brasilianischen Berimbau gespielt – ergeben dazu ein folgerichtiges Bild, getreu des Soulfly-Hits „Back to the Primitive“: Hier steht das urmenschliche, unverstellte auf der Agenda, was im Idealfall alle verbindet.

Von Karsten Kriesel

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